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Verteidigung am Hindukusch? Die Zivilmacht Deutschland und der Krieg in Afghanistan von Löfflmann, Georg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2008
  • Verlag: Diplomica
eBook (PDF)
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Verteidigung am Hindukusch?

Der militärische Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan offenbart ein strategisches Dilemma deutscher Sicherheitspolitik. In der jüngsten Vergangenheit wurden deutsche Soldaten zwar zu Wiederaufbau-, Überwachungs- und Stabilisierungsmissionen herangezogen, die direkte militärische Bekämpfung gegnerischer Kräfte bildete in den bisherigen Auslandseinsätzen aber eine absolute Ausnahme. Auf Grund dieser Entwicklung wurde die Bundeswehr mitunter auch als 'bewaffnetes Technisches Hilfswerk' tituliert. Die deutsche Öffentlichkeit ist an ein ziviles Bild der Bundeswehr gewöhnt, deren Soldaten als freundliche Helfer der lokalen Bevölkerung auftreten, Schulen und Krankenhäuser errichten und sich wohltuend vom martialischen Auftreten anderer Nationen abheben.Tatsächlich trug der überwiegend humanitäre und zivile Charakter der bisherigen Auslandseinsätze wesentlich zur Akzeptanz der neuen Rolle der Bundeswehr in Politik und Gesellschaft bei. Und auch die ISAF-Mission in Afghanistan wurde unter der Prämisse einer Peacekeeping-Rolle der deutschen Streitkräfte begonnen. Doch je mehr die militärischen Operationen der NATO in Afghanistan, Züge einer offensiven Kriegsführung annehmen und je stärker eine deutsche Beteiligung an diesen Einsätzen diskutiert wird, desto größer scheinen die Zweifel am Engagement der Bundeswehr zu werden. Verfolgt man die Debatten im Deutschen Bundestag sowie die Berichterstattung in den Medien, so erscheint eine Entsendung deutscher Truppen zu aktiven Kampfeinsätzen in Afghanistan mit dem entsprechenden Risiko gefallener und verwundeter Soldaten praktisch undenkbar. Dies verweist darauf, dass die 'Normalisierung' deutscher Sicherheitspolitik bisher noch nicht das volle Spektrum militärischer Einsatzoptionen umfasst. Ein umfassender Kampfeinsatz deutscher Streitkräfte ist bisher ein Ernstfall, der für Deutschland nicht eingetreten ist und auf den weder die politischen Eliten des Landes noch die Öffentlichkeit vorbereitet scheinen. Die 'Kultur der Zurückhaltung' der Zivilmacht Deutschland und die militärische Dimension deutscher Sicherheitspolitik treten in Afghanistan in Widerspruch zueinander. Ursachen und Folgen dieses Konflikts sollen hier aufgezeigt werden. Georg Löfflmann, M.A. Studium im Masterprogramm 'Internationale Beziehungen' der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Potsdam. Schwerpunkte: Internationale Sicherheitspolitik, Deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 92
    Erscheinungsdatum: 01.02.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783836607728
    Verlag: Diplomica
    Größe: 1074 kBytes
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Verteidigung am Hindukusch?

Kapitel 3, Die Bundeswehr in Afghanistan

Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ist der bisher größte und gefährlichste Auslandseinsatz deutscher Streitkräfte. Über 3.000 Soldaten sind in Afghanistan stationiert um, wie der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck verkündet hatte, Deutschland "am Hindukusch zu verteidigen." 23 Soldaten sind bei der Mission bisher bei Unfällen und Anschlägen ums Leben gekommen. Deutschland hat als Führungsnation umfassend Verantwortung für Sicherheit und Wiederaufbau im Norden des Landes übernommen. Die Bundeswehr stellt hier die einzigen Aufklärungskapazitäten der NATO und betreibt das regionale Hauptquartier und den Flughafen in Mazar-e-Sharif. Die deutschen Truppen sind verantwortlich für taktischen Lufttransport, logistische Versorgung und medizinische Evakuierung von verletzten oder erkrankten Soldaten aller in der Region eingesetzten 18 Nationen. Die Bundeswehr führt in Kunduz und Feyzabad zwei der fünf regionalen Wiederaufbauteams. Im Bereich der zivil-militärischer Zusammenarbeit wurden bislang mehr als 520 schnell wirksame Vorhaben (Quick Impact-Projekte) realisiert, vom Straßen- und Brückenbau bis zur Errichtung von Schulen und der Verbesserung der Wasserversorgung durch das Bohren neuer Brunnen. Schließlich stellt die Bundeswehr in der Nordregion Ausbildungsteams für die ANA bereit. Die Mentoring and Liaison Teams (OMLT) unterstützen den Aufbau der afghanischen Armee durch weiterführende Ausbildung in Anschluss an die unter Führung der USA erfolgte Grundausbildung der afghanischen Soldaten. Über das Engagement im Norden hinaus unterstützt die Bundeswehr die ISAF landesweit mit Kräften für Lufttransport und taktische Luftaufklärung, medizinische Evakuierung, operative Information und Führungsunterstützung. Etwa 400 Bundeswehrsoldaten sind in Kabul, u.a. im Stab des ISAF-Hauptquartiers, und 21 Fernmeldespezialisten im südafghanischen Kandahar stationiert.

Im Bereich Entwicklung und Wiederaufbau leisten die deutschen Soldaten aller Erkenntnis nach gute und erfolgreiche Arbeit. Doch der Peacekeeping-Einsatz im Norden beschreibt nur die eine Realität der NATO-Operationen in Afghanistan. Die Schutzkomponente, die in der Durchführung von Sicherheitsoperationen besteht, bestimmt den Einsatz im Süden und Osten des Landes. Hier führen die Verbündeten Deutschlands Krieg gegen Taliban, Al-Qaida und weitere Milizen, die gegen die Karzai Regierung und die internationalen Truppen gewaltsam Widerstand leisten. Und die deutschen Soldaten sind bislang nicht oder in nur sehr begrenztem Umfang an solchen Kampfeinsätzen gegen die unter der Bezeichnung OMF zusammengefassten Gegner beteiligt. Es kommen unter den Verbündeten zunehmend Fragen nach der Berechtigung auf, mit der Deutschland diese Einsatzrealität für die Bundeswehr quasi ausschließt. Es offenbart sich hier eine Diskrepanz zwischen den militärischen Anforderungen des Einsatzes in Afghanistan, den politischen Erwartungen innerhalb der NATO und den militärischen Beiträgen, die Deutschland bereit ist zu leisten und die innenpolitisch durchsetzbar sind.

Der Einsatz der Bundeswehr ist zurückhaltend formuliert und betont weniger den militärischen als vielmehr den zivilen Charakter der Operationen in Afghanistan. Gleichzeitig ist Deutschland jedoch in die Bündnisstrukturen und operativen Abläufe der NATO eingebunden, so dass sich das Land nicht vollständig auf Stabilisierungseinsätze beschränken kann. Wenn die Verbündeten im Süden und Osten des Landes in Bedrängnis geraten, ist nicht nur die grundsätzliche Solidarität innerhalb der Allianz berührt, sondern auch der

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