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Was ist Populismus? Ein Essay von Müller, Jan-Werner (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.04.2016
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Was ist Populismus?

Wer wird heute nicht alles als Populist bezeichnet: Gegner der Eurorettung, Figuren wie Marine Le Pen, Politiker des Mainstream, die meinen, dem Volk aufs Maul schauen zu müssen. Vielleicht ist ein Populist aber auch einfach nur ein populärer Konkurrent, dessen Programm man nicht mag, wie Ralf Dahrendorf einmal anmerkte? Lässt sich das Phänomen schärfer umreißen und seine Ursachen erklären? Worin besteht der Unterschied zwischen Rechts- und Linkspopulismus? Jan-Werner Müller nimmt aktuelle Entwicklungen zum Ausgangspunkt, um eine Theorie des Populismus zu skizzieren und Populismus letztlich klar von der Demokratie abzugrenzen. Seine Thesen helfen zudem, neue Strategien in der Auseinandersetzung mit Populisten zu entwickeln. Jan-Werner Müller, geboren 1970, lehrt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Princeton University. Im Suhrkamp Verlag erschienen bislang Verfassungspatriotismus , Das demokratische Zeitalter. Eine politische Ideengeschichte Europas im 20. Jahrhundert und Was ist Populismus? Ein Essay (2016). Was ist Populismus? wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und gilt als zentraler Text zum Verständnis zeitgenössischer politischer Entwicklungen. Jan-Werner Müller äußert sich regelmäßig zum Zeitgeschehen; er schreibt u. a. für Foreign Affairs, die Neue Zürcher Zeitung, die New York Times und die Süddeutsche Zeitung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 11.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518740859
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 4743 kBytes
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Was ist Populismus?

1. Populismus: Theorie ...

Es bleibt immer und zu allen Zeiten ein Gefühl mangelnder Deckung zwischen öffentlichem und eigentlichem Leben; kann aber überhaupt irgend etwas von öffentlichem Geschehen dessen wahrer Ausdruck sein? Bin denn selbst ich Einzelner das, was ich tue, oder ist es ein Kompromiß zwischen unartikulierten Kräften in mir und bereitstehenden, umformenden Formen für die Verwirklichung? Beim Verhältnis zum Ganzen gewinnt diese kleine Differenz vertausendfachte Bedeutung.

Robert Musil, "Die Nation als Ideal und als Wirklichkeit"

Wie schon im 18. Jahrhundert ist das Volk nur ein Konstrukt, mit dem die politische Theorie Geschlossenheit erreicht. Oder anders: wer würde es merken, wenn es gar kein Volk gäbe?

Niklas Luhmann, Die Politik der Gesellschaft

Was ist Populismus? Die Antworten auf diese Frage offenbaren einen außergewöhnlichen konzeptionellen Defätismus. Nikolaus Werz zum Beispiel schreibt: "Eine definitive Klärung dessen, was Populismus ist, dürfte nicht möglich sein, im Grund gilt für den Populismus, was Peter Alter einmal für den Nationalismus festgestellt hat. 'Den Populismus gibt es nicht, sondern nur dessen vielgestaltige Erscheinungsformen'." 17 Hans-Jürgen Puhle, der sich mit vielen Studien, vor allem zu Lateinamerika, um das Verständnis des Populismus außerhalb Europas verdient gemacht hat, konstatiert, der Begriff "Populismus" sei "ungenau, schillernd und impressionistisch" - nur um letztendlich bei folgender These zu landen: "Der Urgrund für alle populistischen Versuchungen demokratischer Politik liegt schon im Kern der modernen Demokratie: im gleichen Wahlrecht. Politik, die breiter Zustimmung bedarf, tendiert dazu, populistisch zu sein." 18

Ist moderne Politik demnach immer irgendwie populistisch? Oder nur bestimmte Formen bzw. "Erscheinungsformen", um das Wort von Werz und Alter aufzugreifen? Doch was genau haben diese Formen dann gemeinsam? Mein Vorschlag wäre, vor der Beantwortung dieser so simpel klingenden wie schwierig zu klärenden Frage erst einmal landläufige, aber letztlich irreführende Kriterien zur Bestimmung von Populismus aus dem Weg zu räumen. In einem zweiten Schritt soll dann eine klare Abgrenzung des Populismus zu anderen Phänomenen stattfinden. Meine These lautet, dass Kritik an Eliten ein notwendiges, aber kein hinreichendes Kriterium für die Bestimmung von Populismus ist. Mit anderen Worten: "Anti-Establishment-Attitüde" greift zu kurz. Zum Anti-Elitären muss noch das Anti-Pluralistische hinzukommen. Was ich als den Kernanspruch aller Populisten bezeichnen möchte, lautet stets ungefähr so: "Wir - und nur wir - repräsentieren das wahre Volk." Und dies ist, ich habe bereits darauf hingewiesen, als moralische, nicht als empirische Aussage gemeint - ein Punkt, auf den mit der Unterscheidung zwischen symbolischer Repräsentation und der Repräsentation eines politischen Willens noch zurückzukommen sein wird. Wer poltert, simple wirtschaftliche Lösungen anbietet oder auf "die da oben" schimpft, dabei jedoch keinen solchen moralischen Alleinvertretungsanspruch für sich reklamiert, mag ein Demagoge sein oder ein ökonomischer Dilettant - aber ein Populist ist er nicht. Ebenso gilt: Wer auf der Grundlage moralischer Absolutheitsansprüche agiert, sich jedoch nicht über das Kollektivsubjekt Volk legitimiert, ist ebenfalls kein Populist - man denke an islamistische Terroristen, welche über Brückenbegriffe wie "Radikalismus" oder "Extremismus" oder auch nur "Antiliberalismus" oft in einem Topf mit Populisten landen. Terroristen dieser Art mögen an ein als homogen gedachtes Kollektiv, beispielsweise das der Rechtgläubigen weltweit, appellieren, aber sie sehen das Volk gerade nicht als - im Kontrast zu korrupten Eliten - "moralisch r

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