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Werden Chinas Massenmedien demokratisiert? Öffnungs- und Schließungsprozesse in der medienpolitischen Regulierung der Volksrepublik China Öffnungs- und Schließungsprozesse in der medienpolitischen Regulierung der Volksrepublik China von Kockartz, Fabian (eBook)

  • Verlag: Diplomica
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Werden Chinas Massenmedien demokratisiert? Öffnungs- und Schließungsprozesse in der medienpolitischen Regulierung der Volksrepublik China

Die aktuellen Ereignisse in China gehören zurzeit wohl zu den international am intensivsten diskutierten Themen überhaupt. Das rasante Wirtschaftswachstum und die enorm schnellen Veränderungen im Land dominieren dabei die meisten Debatten. Doch auch viele akute Probleme werden kontrovers diskutiert: Nichtregierungsorganisationen kritisieren die Missachtung von Menschenrechten im Land, angrenzende Staaten müssen mit Zwangsbesiedelungen und offenen Gewaltmaßnahmen rechnen, die Freiheit der Presse gilt anscheinend nur, solange keine Regierungsinteressen tangiert werden. Von einer freiheitlich demokratischen Ordnung ist die Sozialistische Volksrepublik China im Jahre 2007 scheinbar weit entfernt.

Vor diesem Hintergrund ergibt sich eine Vielzahl medienwissenschaftlich relevanter Fragestellungen: Welche Tendenz weist die Regulierung der Massenmedien in China im historischen Verlauf auf? Wurden Chinas Medien seit Gründung der Volksrepublik immer demokratischer, oder ist gar das Gegenteil der Fall? Welche Entwicklungen lassen sich diesbezüglich in jüngster Zeit wahrnehmen und welche Prognosen für die Zukunft daraus ableiten?Das vorliegende Buch widmet sich in insgesamt fünf Kapiteln der systematischen Beantwortung dieser Fragen. Dabei bietet es eine umfassende historische Betrachtung der chinesischen Massenmedien sowie zahlreiche aufschlussreiche Inhalte und innovative Erkenntnisse. Das untersuchte Medien-Set setzt sich zusammen aus: Tageszeitung, Hörfunk, Fernsehen und Internet.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 114
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783836654227
    Verlag: Diplomica
    Serie: China Bd.10
    Größe: 819 kBytes
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Werden Chinas Massenmedien demokratisiert? Öffnungs- und Schließungsprozesse in der medienpolitischen Regulierung der Volksrepublik China

Kapitel 3.3.1.8, Die Ausbildung von journalistischem Nachwuchs

Im Rahmen einer Analyse der Tiananmen-Ereignisse von 1989 stellt Chen in Bezug auf die Ausbildung von Journalisten fest: "Education has been a low priority in the 40 years of communist history, and journalism education is likewise treated as a non-essential part of societal life. [...] Since journalists in China are regarded as 'proletarian fighters' for organizing, agitating and educating the masses in political struggles, education of journalists has thus been focused on political indoctrination rather than on professional training".Heutzutage gestaltet sich die Situation sehr ähnlich. Die Ausbildung des journalistischen Nachwuchses findet zwar zumeist in einem professionellen universitären Umfeld statt, sie wird aber nach wie vor im Geiste einer systemdienlichen Erziehung durchgeführt und dabei gleichzeitig auf einer reflexiven Ebene innerhalb von gesellschaftspolitischen Debatten vernachlässigt. Der Marxismus-Leninismus stellt weiterhin das dominierende Leitkonzept dar. Darüber hinaus ist es außerdem vollkommen üblich, dass altgediente Journalisten hohe Positionen innerhalb von Partei und Regierung bekleiden.

Derzeit gibt es in China drei institutionelle Wege zur Erlangung eines journalistischen Abschlusses: (1) Über eine von 232 staatlichen Bildungsinstitutionen, (2) durch Teilnahme an staatlich anerkannten Fern-Kursen und -Programmen oder (3) mittels eines Studiums an einer privaten Hochschule.

Zwei der renommiertesten Universitäten im Bereich Journalismus sind die Renmin University und die Fudan University in Shanghai. In Bezug auf die Ausbildung von Nachwuchs für den gesamten Mediensektor spielt die Communication University of China (CUC) eine zentral Rolle. Sie wurde im September 1954 unter dem Namen Beijing Broadcasting Institute (BBI) gegründet und ist heute direkt dem Bildungsministerium angegliedert.

Die CUC sieht sich selbst als die "Wiege des talentiertesten Nachwuchses in den Bereichen Radio, TV, Film und Kommunikation". Gegenwärtig kümmern sich die Mitarbeiter der Universität um die Ausbildung von 13.291 Studenten aus dem In- und Ausland. Im Laufe der letzten fünfzig Jahre hat die Universität nach eigenen Angaben etwa 60.000 Absolventen und insgesamt 340.000 "onthejob trainees" ausgebildet. Das breite Bildungsangebot umfasst dabei auch spezielle Studiengänge für die heranwachsende, neue journalistische Elite des Landes. Burgh betont die äußerst privilegierte Stellung von Journalisten innerhalb der chinesischen Gesellschaft. Sie können soziale Netzwerke aufbauen, Themen und kulturelle Werte in einem öffentlichen Kontext reproduzieren und Zugang zu Bereichen erhalten, die normalen Bürgern verschlossen bleiben. Im Gegensatz zu Letzteren werden sie überhaupt angehört und haben durch ihren Beruf prinzipiell die Möglichkeit, die bestehende Presse- und Meinungsfreiheit auszuweiten. Dazu kommen meist auch noch gehobene Lebensumstände, die sich durch eine akademische Laufbahn ergeben.

Letztendlich haben zwar Partei und Regierung im heutigen China größere politische und gesellschaftliche Macht als Journalisten, ihre Profession birgt aber ein reales Potenzial für Veränderungen im gesellschaftlichen System in sich. Nachwuchsjournalisten setzen sich zunehmend mit westlich/demokratisch geprägten Fachinhalten und Arbeitsmethoden auseinander und nehmen diese, so weit möglich, auch an. Gerade ihre spätere Präsenz innerhalb der KPCh könnte also einen Katalysator für diese Veränderungen darstellen. Im gesamten chinesischen Rundfunk- und Pressewesen waren bis Ende 2000 etwa 552.000 Journalisten beschäftigt.

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