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Flucht von Adukule, Winnie (eBook)

  • Erschienen: 29.04.2016
  • Verlag: Das Neue Berlin
eBook (ePUB)
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Flucht

Millionen von Menschen fliehen nach Europa und versetzen nicht nur Deutschland in Aufruhr - doch lässt sich das Problem von hier aus überhaupt lösen? Um den Sammelbegriff "Flüchtlinge" gruppieren sich immer mehr Pauschalisierungen und Ressentiments. Zeit, die verworrene Situation von ihrem Anfang her zu betrachten: Warum brechen Unzählige auf, ihr Glück fern der Heimat zu suchen? Die ostafrikanische Anwältin Winnie Adukule, seit Jahren mit internationalem Recht und Flüchtlingen befasst, hat ihre Landsleute befragt - Fluchtwillige, Heimkehrer, aber auch internationale Entwicklungshelfer und staatliche Funktionäre. Sie gibt den Flüchtlingen eine Stimme, um die Gemengelage zu durchdringen und Lösungsansätze dort zu finden, wo sich die Ursachen am nachhaltigsten bekämpfen lassen: in den Herkunftsländern.

Winnie Adukule, geboren 1977 in Kampala, Uganda, studierte Jura an der Makerere-Universität ihrer Heimatstadt und an der Ohio Northern University in den USA. Sie arbeitete vier Jahre für die UNO in New York und wirkte an deren Antikorruptionsbericht von 2008/2009 mit. Heute bearbeitet sie als Anwältin und Notarin in ihrer eigenen Kanzlei in Kampala hauptsächlich Flüchtlingsfälle. Winnie Adukule ist verheiratet und seit 2005 Mutter einer Tochter.

Produktinformationen

    Größe: 8937kBytes
    Herausgeber: Das Neue Berlin
    Untertitel: Was Afrikaner außer Landes treibt.
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 240
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    ISBN: 9783360501271
    Erschienen: 29.04.2016
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Flucht

2.

Fred Kiwanuka

Kommandant der Flüchtlingssiedlung Kyaka II in Kyegewa

"Ein halber Hektar und zehn Kilo Bohnen"

Der Jeep fährt in westliche Richtung, etwa zweihundert Kilometer hinter Kampala verlassen wir die Asphaltpiste. Dann geht es noch einige Zeit über eine Landstraße. Der gewellte Boden, über den wir rollen, ist rot bis rostbraun wie überall im Land und gesäumt von immergrünen Pflanzen. Keine Felder, nur Natur. Ab und an überholen wir Fußgänger oder Radfahrer, mitunter donnert ein Motor rad vorbei, drei Menschen sitzen auf der Bank, Helme tragen sie nicht. Irgendwann treffen wir auf eine Herde brauner Rinder. Die spitzen Hörner der großen Tiere sind so lang, dass sie einen das Fürchten lehren. Ein Treiber lächelt uns zu, in der Nähe muss also eine Siedlung sein.

Nach geraumer Zeit erreichen wir die Flüchtlingssiedlung Kyaka II im Distrikt Kyegewa, eines von vielen Refugee Settlements in Uganda. Kein Lager, wie uns Kommandant Fred Kiwa nuka in seinem winzigen Büro gleich bei der Begrüßung korrigiert, nachdem wir ihn fälschlich als Lagerchef angeredet hatten. Ihm liegt das Schreiben aus dem Büro des Premierministers vor, mit dem wir avisiert worden sind. Er faltet seine Hände auf dem Schreibtisch. Über und hinter ihm hängt Präsident Yoweri Museveni, das Porträt verleiht dem kargen Raum etwas Offizielles. Vermutlich deshalb harren draußen etliche Menschen aus - sie warten darauf, beim Chief vorsprechen zu dürfen.

Unter dem Präsidentenfoto ein Spruch an der Wand, ausgedruckt vom Computer. "Give a thousand chances to your enemy to become your friend. But don't give a single chance to your friends to become your enemy." (Gibt deinem Feind tausend Möglichkeiten, dein Freund zu werden. Aber gib deinem Freund keinen einzigen Anlass, zu deinem Feind zu werden.)

Ist das als eine Drohung zu verstehe n ?

Nein, eine Aufforderung zur Toleranz und zu einem friedlichen Miteinander. (Kiwanuka lacht.) Mancher, der zu uns kommt, meint, er könne den Konflikt, vor dem er eigentlich floh, hier fortsetzen.

Uganda hat bislang anderthalb Mill io nen Flüchtlinge aus den Nachbarstaaten aufgenommen. Mich interessiert, wie das erfolgt, was mit den Flüchtlingen geschieht. Die Welt kennt die riesigen Lager aus Zelten und Baracken im Nahen Osten, im Tschad, Kongo, Thailand ... Außer den gemauerten Gebäuden vor diesem Büro sieht man dergleichen hier nicht.

Wir sind ja auch kein Camp, sondern eine weitläufige Siedlung, in der derzeit 26 000 Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten leben. Der größte Teil stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, etwa 90 Prozent. Außerdem haben wir Flüchtlinge aus Ruanda, Burundi, sehr viele stammen aus Kenia, wenige aus Äthiopien, Eritrea und Somalia sowie aus dem Sudan und dem Südsudan.

Auch Ugander aus gefährlichen Reg io nen, in denen islamistische oder andere Terrororganisat io nen aktiv sin d ?

Nein, sie gelten nicht als Flüchtlinge in diesem Sinne. Für sie sind andere Stellen zuständig.

Wie funkt io niert das Flüchtlingssyste m ? Wer kommt hierher und auf welche Weis e ?

Wir unterscheiden in zwei verschiedene Kategorien. Die einen sind "prima facie", sie werden "vorläufig und/oder unter Vorbehalt" als Flüchtlinge anerkannt. Die anderen erhalten gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 und des Uganda Refugee Act von 2006 durch Einzelfallprüfung ("individual status determination") den Status als Flüchtling zuerkannt.

Die Prima-facie-Regelung ist vor allem für große Gruppen vorgesehen, die aus Bürgerkriegsregionen wie etwa dem Südsudan oder aus einer Katastrophenregion flüchten, etwa aus Dürregebieten, wo Hungersnot herrscht. In solchen Fällen entscheidet der zuständige Minister, dass Menschen aus dieser Region, die in

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