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Allein, alleiner, alleinerziehend Wie die Gesellschaft uns verrät und unsere Kinder im Stich lässt von Finke, Christine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.03.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Allein, alleiner, alleinerziehend

Das Geld ist immer knapp, der Alltag hektisch und für die Kinder bleibt wenig Zeit. Alleinerziehende befinden sich nicht nur am Rande der Belastbarkeit, auch von Gesellschaft und Politik werden sie benachteiligt: besteuert nahezu wie Singles, auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert und von der Gesellschaft missachtet - obwohl ihre Kinder unsere Zukunft sichern. Christine Finke ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern und weiß genau, wovon sie spricht. Sie benennt Schwachstellen und Ungerechtigkeiten und sagt, was sich dringend ändern muss, damit die Alltagshelden unserer Gesellschaft nicht länger alleine dastehen. Das Geld ist immer knapp, der Alltag hektisch und für die Kinder bleibt wenig Zeit. Alleinerziehende befinden sich nicht nur am Rande der Belastbarkeit, auch von Gesellschaft und Politik werden sie benachteiligt: besteuert nahezu wie Singles, auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert und von der Gesellschaft missachtet - obwohl ihre Kinder unsere Zukunft sichern. Christine Finke ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern und weiß genau, wovon sie spricht. Sie benennt Schwachstellen und Ungerechtigkeiten und sagt, was sich dringend ändern muss, damit die Alltagshelden unserer Gesellschaft nicht länger alleine dastehen. Christine Finke, Jahrgang 1966, bloggt seit 2011 unter dem Titel '"Mama arbeitet'" über ihr Leben als Alleinerziehende mit drei Kindern. Die promovierte Anglistin, freie Journalistin und Kinderbuchtexterin lebt in Konstanz am Bodensee, wo sie sich im Stadtrat für Kinder und Familienfreundlichkeit einsetzt. Mit ihrem Blog erreicht sie täglich tausende Leser und ist deutschlandweit bekannt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 11.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732523191
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 938 kBytes
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Allein, alleiner, alleinerziehend

Kapitel 1

Dumm, dümmer, Reaktionen:
Nachbarn, Kollegen, Kita und Co.

Ich muss etwas beichten: Erst seitdem ich selbst alleinerziehend bin, fällt mir auf, dass ich früher nie einen Gedanken an Alleinerziehende verschwendet habe. Weder als junge, kinderlose Frau noch als verheiratete Frau und Mutter, was ich beides immerhin gut zehn Jahre lang war, hatte ich ein Bewusstsein dafür, dass manche Frauen alles rund ums Kind alleine rocken. Und genau das ist bezeichnend - Alleinerziehende sind irgendwie nicht sichtbar, sie werden ausgeblendet. Nicht wenige Menschen mit einem sehr konservativen Weltbild schauen gar auf Alleinerziehende herab - für sie sind wir ein Abfallprodukt der Emanzipation, die dafür sorgt, dass Frauen sich trauen, ohne Mann zu leben.

Seit sechs Jahren bin ich eine dieser Frauen, die ich früher nicht wahrnahm: Ich lebe mit meinen drei Kindern alleine, was mir völlig neue Erfahrungshorizonte eröffnet, um das mal positiv auszudrücken. Und so kommt es, dass ich hin und wieder wütend bin. Und mich auch ohnmächtig fühle angesichts der vielen Vorurteile, der dummen Sprüche und der schiefen Blicke, die meine bloße Existenz als alleinerziehende Frau provoziert.

Es ist nämlich so: Wenn du alleinerziehend bist, hast du etwas falsch gemacht. Entweder hast du den falschen Mann geheiratet, oder du hast dir in der Ehe nicht genügend Mühe gegeben und der Mann hat dich wegen einer Jüngeren verlassen. Oder du hast ihn verlassen, was an und für sich schon ein Skandal ist, denn das tut frau doch nicht, wenn gemeinsame Kinder da sind.

Der einzig akzeptable Grund dafür, eine alleinerziehende Frau zu sein, ist, durch einen tragischen Schicksalsschlag zur Witwe geworden zu sein. Leider - oder zum Glück - trifft das nur auf sechs Prozent der Alleinerziehenden in Deutschland zu. Ich bin eine von denen, die sich erdreistet haben, den Mann zu verlassen. Obendrein gehöre ich zu den gut zehn Prozent der alleinerziehenden Frauen mit mindestens drei Kindern. 1 "Das ist ja noch schlimmer, erst hält die Frau es so lange mit dem falschen Mann aus, und dann setzt sie auch noch drei Kinder in die Welt! Hätte eins denn nicht gereicht?", tuscheln die Leute hinter deinem Rücken oder sagen dir das auch direkt ins Gesicht.

Aber auch Frauen, die sich schon während der Schwangerschaft trennen, weil sie merken, dass mit dem Vater des Kindes kein Familienleben möglich ist, werden schief angeguckt: Sie hätten es doch wenigstens versuchen müssen, dem armen Mann werde das Kind vorenthalten, es sei egoistisch, ein Kind alleine großzuziehen. Wie Frau es macht, macht sie es verkehrt.

Dass es sich kaum jemand aussucht, alleinerziehend zu sein, und dass diese Familienform nicht nur ein enormes Arbeitspensum im Alltag, ein stark erhöhtes Armutsrisiko und gesellschaftliche Ausgrenzung bedeutet, daran denkt kaum jemand. Wir Alleinerziehenden können ein Lied davon singen. Von Vätern, die sich nicht kümmern, die es als Kavaliersdelikt betrachten, den Unterhalt entweder nicht oder nur teilweise zu zahlen, und von Kindern, die darunter leiden, dass eine zweite, zuverlässige Bezugsperson fehlt.

Ich bin kein Einzelfall, und es geht auch nicht nur um mich. Immer noch werden Alleinerziehende stigmatisiert. Was sich über Jahrhunderte eingebürgert hat, verschwindet nicht einfach innerhalb von ein bis zwei Generationen, erklärt der Mannheimer Soziologe Thomas Bahle: "Die Akzeptanz alleinerziehender Frauen ist inzwischen deutlich besser", stellt er fest und erinnert daran, dass ledige Mütter als unsittlich und "gefallene Frauen" galten. Aber die Stigmatisierung finde weiterhin auf der beruflichen und finanziellen Ebene statt. 2 Irgendwie gehört das aber alles zusammen. Denn hätten die Alleinerziehenden nicht so einen schlechten Ruf und kaum eine Lobby, dann stünden sie auch finanziell, rechtlich und politisch besser da.

Wir haben ein Imageproblem. Und dieses Buch ist der Versu

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