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Armut Ursachen, Formen, Auswege von Lepenies, Philipp (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2017
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Armut

Armut in allen Formen zu beenden ist das erklärte Ziel der Vereinten Nationen. Aber was ist Armut? Und wer ist arm? Ist Armut messbar? Wie lässt sich Armut bekämpfen? Philipp Lepenies führt kundig und kompetent in ein komplexes Thema ein, das die Welt bewegt. Sein Buch stellt die wichtigsten Epochen, Ereignisse, Reaktionen und Konzepte vor, die für das Verständnis der aktuellen Armutsdebatten notwendig sind. Philipp Lepenies ist Gastprofessor für Politikwissenschaft am Otto-Suhr Institut der Freien Universität Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 23.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406698149
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2801 kBytes
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Armut

1. Wirkliche und falsche Armut

Im September 2015 verabschiedete die Vollversammlung der Vereinten Nationen einen ambitionierten Katalog globaler Entwicklungsziele. Das erste dieser Sustainable Development Goals , die bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen, lautet: Beendet Armut in all ihren Formen, überall. Laut Daten der Weltbank hat sich die globale Armut in den letzten Jahren stark verringert. Das bereits im Jahr 2000 erklärte Ziel, bis 2015 weltweit den Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, auf die Hälfte zu reduzieren, wurde fünf Jahre früher als geplant erreicht. Dennoch leben immer noch rund zwölf Prozent der Weltbevölkerung von weniger als 1 , 90 US -Dollar am Tag, fast neunhundert Millionen Menschen.

Während internationale Organisationen Erfolge im Kampf gegen die weltweite Armut feiern und der Generalsekretär der Vereinten Nationen nicht müde wird zu proklamieren, dass ein Ende der Armut für unsere Generation im Bereich des Machbaren liegt, hört man aus Deutschland ganz andere Töne.

Der Armutsbericht des paritätischen Wohlfahrtsverbandes für das Jahr 2014 spricht davon, dass die Armut in Deutschland ein "neuerliches trauriges Rekordhoch" erreicht habe und das Land dabei sei, "regional regelrecht auseinanderzufallen." Über 15 Prozent der Bevölkerung, zwölf Millionen Menschen, so der Bericht, sind hierzulande arm. Der Verband fasst die "Brisanz der Erkenntnisse" in deutliche Worte: "Wenn die ganz überwiegende Mehrheit aller Erwerbslosen, nämlich 59 Prozent, und wenn über 40 Prozent aller Alleinerziehenden in Armut leben müssen, dann stimmt etwas nicht mehr mit unserem Sozialstaat. Wenn in Berlin jedes dritte Kind von Hartz IV leben muss oder in Bremerhaven sogar unvorstellbare 38 Prozent und nicht umgehend politisch alle Kraft dafür aufgewendet wird, diese Entwicklung zu stoppen und die Armut ganz entschieden zu bekämpfen, dann stimmt etwas nicht mit der Politik in diesem Lande." Armut, so sehen es viele, scheint in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich zuzunehmen - obwohl sie gleichzeitig weltweit abnimmt.

Die Reaktion der deutschen Politik ließ nicht lange auf sich warten. Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles behauptete, dass es einen Anstieg der materiellen Armut in Deutschland gar nicht gebe. Die Angaben zur Armutsentwicklung würden in die Irre führen. Sie beruhten auf einem relativen Verständnis von Armut - nämlich der für die EU -Länder festgelegten Definition, dass derjenige oder diejenige einem Armutsrisiko ausgesetzt ist, dessen bedarfsgewichtetes Nettoäquivalenzeinkommen weniger als 60 Prozent des Mittelwerts der Bevölkerung beträgt. Diese als Armutsrisikoquote bekannte Definition zeichne jedoch ein völlig falsches Bild von Armut.

Würde, so die Ministerin, in Deutschland eine Wohlstandsexplosion einsetzen, blieben die Zahlen und das Ausmaß der Armut gleich. "Dabei laufen wir Gefahr, den Blick für die wirklich Bedürftigen zu verlieren" sagt sie. Nahles spricht 2015 in der Süddeutschen Zeitung von "wirklicher Armut", die mit der relativen Armut nichts zu tun habe.

Die Argumente der Ministerin sind typisch - egal, welche Partei gerade die Regierung stellt. Immer wenn neue Zahlen zur Situation der Armut in Deutschland präsentiert werden, bricht in den Medien und in politischen Debatten heftiger Streit über die Legitimität der Ergebnisse aus. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob die Definition, wie Armut in Europa gemessen werden muss, angemessen oder zu willkürlich sei, sondern es geht dabei auch immer um die Frage, ob Armut nur absolute Armut bedeuten kann oder eben auch relative. Kann

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