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Babyboomer Eine Generationenbiografie von Becker, Bernhard von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.03.2014
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Babyboomer

Was haben Maybrit Illner, Dieter Nuhr, Jörg Pilawa, Nena, Campino und Joachim Löw gemeinsam? Sie sind Babyboomer. Geboren zwischen 1960 und 1965, als es mit der Wirtschaft noch bergauf ging und bevor die Pille zum berühmten Knick führte. Bis heute stellen sie die Mehrheit der Gesellschaft, und doch weiß man nur wenig über sie - bis jetzt. Als Kinder fuhren die Babyboomer mit dem "Wuermeling-Pass" kostenlos durchs Land, lasen Fix & Foxi, schauten Schweinchen Dick und lauschten Winnetou-Hörspielplatten. Später hielten sie sich auf Trimm-dich-Pfaden fit, wurden von Helga und von "Dr. Sommer" aufgeklärt und sparten für ihre erste Kompaktanlage. Alleinsein war dabei stets ein rares Gut, denn auch wenn die Eltern einen meist in Ruhe ließen, war immer irgendein Altersgenosse in der Nähe. Das hat die Boomer zu routinierten Teamplayern gemacht. Aber auch zu Wachstumskritikern, Entschleunigern und Downshiftern - kurz: zu Menschen, die unsere Gesellschaft nachhaltig prägen.

Bernhard von Becker, geboren 1963, arbeitet als Rechtsanwalt und Verlagslektor. Er hat zahlreich zu Fragen des Urheber- und Presserechts veröffentlicht, unter anderem ein Werk zu gerichtlichen Buchverboten. Er lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 10.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518737170
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1207kBytes
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Babyboomer

Wir Babyboomer

Man sieht uns nicht, dabei sind wir überall. Man erkennt uns nicht auf den ersten Blick, weil wir keine besonderen Kennzeichen besitzen. Wir sind das unsichtbare Skelett und Nervensystem unserer Gesellschaft. Wir bewirken, dass sie sich leise nachhaltig verändert, aber es merkt keiner. Wir sind da. Darauf muss wie auf jede Selbstverständlichkeit hingewiesen werden. Und wir werden noch eine Weile bleiben. Wir sind die Babyboomer.

Von den Menschen, die heute in Deutschland leben, ist etwa jeder vierte ein Babyboomer. Wir sind die zahlenstärkste Generation, die das Land seit dem Zweiten Weltkrieg hervorgebracht hat und nach aller Voraussicht je hervorbringen wird. Im Spitzenjahrgang 1964 wurden in Ost- und Westdeutschland zusammen etwa doppelt so viele Menschen geboren wie im bisherigen Niedrigstjahrgang 2009 - 1?357?304, um genau zu sein. Sollten die Babyboomer in den Jahren 2025 bis 2030 geschlossen in Rente gehen, würden die Sozialversicherungssysteme vor eine historische Belastung gestellt.

Das rückte uns Boomer in letzter Zeit vermehrt in die öffentliche Wahrnehmung. Frank Schirrmacher und Thilo Sarrazin haben mit ihren Büchern Das Methusalem-Komplott und Deutschland schafft sich ab eine laute Debatte über die Alterung der Gesellschaft und die Zeit nach der Verrentung der Boomer in Gang gesetzt.

Im Kielwasser dieser Demografieschocker hat sich mancherorts ein richtiggehendes Generationenscharmützel abgespielt. So etwa, wenn der CDU-Nachwuchs-Parlamentarier Jens Spahn in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Babyboomer beschuldigte, sich den Realitäten der von ihnen verursachten Entwicklung zu verweigern. Oder wenn der selbsternannte Anwalt der Youngsters, Wolfgang Gründlinger, immer wieder herunterbetet, dass der Nachwuchs ausbaden muss, was die "Alten" (auch und gerade die Boomer) ihm eingebrockt haben, und dass das alles wie in der Ben & Jerry's -Werbung nicht fair sei. Oder wenn jüngst der Soziologe Heinz Bude in der Süddeutschen Zeitung ernsthaft die Frage in den Raum stellte, ob es nicht gerecht sei, die Babyboomer die Kosten für ihre "nachlassende Fruchtbarkeit" selbst tragen zu lassen. In dieselbe Kerbe haut Beatrice Scheubel von der Europäischen Zentralbank, die in der Süddeutschen vorschlug, die Rentenhöhe an die Kinderzahl zu koppeln.

Klingt alles nicht gut. Die Babyboomer werden vorwiegend als Akteure und Verursacher eines bedrohlichen Szenarios gesehen. Als Vorreiter einer vergreisenden Gesellschaft. Als Menetekel eines bevorstehenden demografischen Super-GAUs. Als bedrückende gesellschaftliche Hypothek, die in nicht allzu ferner Zukunft fällig wird, oder, wie es Gustav Seibt unlängst in der Süddeutschen formulierte, als Methusalem, der sich heranwälzt wie ein Gewitter. So gesehen wären wir Boomer tatsächlich ein Boomerang, den die Wirtschaftswundergesellschaft von sich geworfen hat und der ihr fünfundsechzig Jahre später als Methusalemfratze zurück ins Gesicht fliegt. Diese Sichtweise ist verzerrt und einseitig. Leider ist sie teilweise auch richtig. Aber nur teilweise.

Wir Boomer nehmen diese überhitzten Alarmrufe sportlich. Wir besitzen ein ausgeprägtes Gruppen-Selbstbewusstsein, das uns davor bewahrt, über uns selbst in Panik zu geraten. Wir sind zwar unorganisiert wie ein Rudel Meerkatzen und besitzen keine Lobby, aber dafür sind wir immer und überall die Mehrheit.

Vielleicht haben wir uns deshalb nie die Frage gestellt, was unsere Generation ausmacht. Wie wurden wir sozialisiert, welche Vorlieben haben wir, wie ticken wir, was kann man von uns erwarten, lassen wir uns überhaupt auf einen Nenner bringen? Und, ja bitte, natürlich: Was passiert überhaupt, wenn wir in

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