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Bobby Fischer Genie und Wahnsinn im Leben der Schachlegende von Brady, Frank (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.01.2016
  • Verlag: riva
eBook (ePUB)
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Bobby Fischer

Bobby Fischer zeichnet das einzigartige Leben eines der bekanntesten Schachgenies, seinen kometenhaften Aufstieg und sein bewegtes Privatleben nach. Schon mit 13 Jahren war Bobby Fischer der jüngste Schachmeister Amerikas. Seine späteren Erfolge verschafften ihm einen Grad an Ruhm, wie er kaum vorher einem Schachspieler zuteilgeworden war. Doch hinter dem Genie, das mit einem IQ von 181 gesegnet war, steckte ein komplizierter Charakter. Mit der Zeit entwickelte Bobby Fischer paranoide Züge: Nachdem er 1972 seinem Kontrahenten Boris Spasski den Weltmeistertitel abgenommen hatte, fürchtete er, dass die Sowjets ihn umbringen wollten. Sein Wahnsinn äußerte sich zudem in einem Hang zum Bizarren: Er begeisterte sich für die Mafia, schockierte mit antisemitischen Aussagen und war besessen von der Idee, seine Ausnahme-DNA weitervererben zu müssen. In diesem Buch erzählt Frank Brady die gesamte Lebensgeschichte des 2008 in Reykjavik verstorbenen Schachgenies, wobei er auf das Familienarchiv, auf private E-Mails Bobby Fischers und FBI-Akten zurückgreift. Sichtbar wird eine tragische Odyssee, die in armen Verhältnissen in Brooklyn beginnt und über den Schachweltmeistertitel in die Krankheit und bittere Einsamkeit führt. Niemand weiß heute mehr über das Leben und die Karriere von Schachgenie Bobby Fischer als Frank Brady. Er hat ihn kennengelernt, als Fischer zehn Jahre alt war, und erlebte einige seiner größten Triumphe mit ihm. Brady ist Präsident des Marshall-Schachklubs und war Gründungsmitglied des Schachmagazins Chess Life. Er ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der St. John's University in New York und Autor einiger von der Kritik gefeierter Biografien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 18.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959712507
    Verlag: riva
    Größe: 2746 kBytes
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Bobby Fischer

1. Kapitel

Aus Einsamkeit zur Leidenschaft

"I ch ersticke! Ich ersticke!" Bobby Fischers Schreie drangen nur gedämpft durch den schwarzen Sack, der fest über seinen Kopf gezogen worden war. Er bekam keine Luft mehr, glaubte sich dem Tode nah. Wie wild schüttelte er den Kopf im Versuch, sich zu befreien.

Zwei japanische Wärter drückten ihn auf den Boden der grell beleuchteten Zelle; einer setzte sich auf Bobbys Rücken und fixierte seine Arme, der andere hielt seine Beine fest. Liliputaner auf dem gestürzten Gulliver. Bobbys Lungen wurden zusammengepresst, er konnte kaum atmen. Sein rechter Arm schmerzte, als wäre er gebrochen. Aus seinem Mund rann Blut.

So geht es also zu Ende , dachte er. Ob wohl je ans Licht kommen wird, wie ich ermordet wurde?

Bobby konnte nicht fassen, was gerade passiert war. Sein ganzes Leben war an diesem 13. Juli 2004 innerhalb von Sekunden in Scherben gegangen. Wie schon häufig zuvor wollte er von Japan auf die Philippinen fliegen. Wie immer war etwa zwei Stunden vor Abflug am Tokioter Flughafen Narita eingetroffen. Wie gewohnt hatte er dem Zollbeamten seinen Pass gereicht. Doch diesmal ertönte nach Eingabe der Passnummer ein diskreter Warnton. Ein rotes Licht begann langsam zu blinken. "Mr. Fischer, setzen Sie sich doch bitte, bis wir das hier geklärt haben."

Bobby war besorgt, aber nicht ängstlich. Seit zwölf Jahren zog er in der Welt herum, hatte unter anderem Ungarn, die Tschechoslowakei, Deutschland, die Philippinen, Japan und Österreich besucht und war immer reibungslos durch alle Zoll- und Passkontrollen gekommen. Sein Pass hatte um Zusatzseiten erweitert werden müssen, weil der Platz für Ein- und Ausreisestempel ausgegangen war, aber das hatte die amerikanische Botschaft in Bern bereits im November 2003 erledigt.

Plötzlich beschlich ihn die Angst, dass die amerikanische Regierung ernst gemacht haben könnte. 1992 hatte Bobby das US-Wirtschaftsembargo gegen Jugoslawien gebrochen, als er in Sveti Stefan (Montenegro) zu einem Wettkampf gegen Boris Spasski antrat. Damals war Haftbefehl gegen ihn ergangen, in den USA drohten ihm bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Also kehrte Bobby nach dem Wettkampf 1992 nie mehr nach Amerika zurück. Ende der 1990er erkundigte sich ein Freund beim amerikanischen Außenministerium, ob Bobby heimkommen könne. "Klar kann er", beschied man ihm dort. "Aber nach der Landung wird er sofort verhaftet." Als Heimatloser ließ Bobby sich vorübergehend in Ungarn nieder und wagte sich von dort erst zaghaft, dann immer selbstsicherer auf Reisen. Inzwischen waren zwölf Jahre seit dem Vorfall vergangen, und Bobby hatte nie wieder etwas von der amerikanischen Justiz gehört. Solange er nur nicht in die USA zurückkehrte, dachte er, sei er sicher.

Bobby setzte sich wie geheißen. Allmählich wurde ihm mulmig. Ein Beamter forderte ihn auf, ihm in den Keller zu folgen. "Aber ich verpasse meinen Flug!", protestierte Bobby. "Das wissen wir", herrschte der Beamte ihn an. Wärter führten ihn durch einen langen, schmalen, schlecht beleuchteten Korridor. Bobby verlangte zu erfahren, was denn los sei. "Wir wollen nur mit Ihnen reden", antwortete der Beamte. "Worüber reden?", fragte Bobby. "Einfach reden", lautete die Antwort. Da weigerte sich Bobby weiterzugehen. Ein Übersetzer wurde geholt, um Missverständnisse auszuschließen. Bobby redete auf Englisch und Spanisch auf ihn ein. Weitere Sicherheitsleute kamen zu Hilfe, bis der ehemalige Schachweltmeister von einem guten Dutzend grimmig blickender, stummer Männer umringt war.

Schließlich kam ein weiterer Beamter hinzu und zeigte Bobby einen Haftbefehl. Darin hieß es, Fischer reise mit einem ungültigen Pass und stehe deswegen unter Arrest. Bobby beteuerte, seine Papiere seien völlig in Ordnung und noch zweieinhalb Jahre gültig. "Sie dürfen einen Vertreter der amerikanischen Botschaft anrufen und um Hilfe bitten", beschied man

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