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Charakter Die Kunst, Haltung zu zeigen von Brooks, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.11.2015
  • Verlag: Kösel
eBook (ePUB)
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Charakter

Wir leben in einer Gesellschaft, die zielorientierte Egoisten hervorbringt. Sie belohnt Verhalten, das zum Erfolg führt, und befördert Kalkül und Eigennutz: eine regelrechte Ich-an-erster-Stelle-Kultur, die uns wettbewerbsfähig machen soll. Aber macht sie uns auch zu wertvollen Persönlichkeiten? Nein, sagt David Brooks. Vielmehr müssen wir wieder lernen, die Welt nicht zu erobern, sondern uns ihr zu verpflichten. Der amerikanische Bestseller-Autor folgt damit der Spur einer großen moralischen Tradition und beweist, dass wir alle nur gewinnen können, wenn wir eine einfache Wahrheit verinnerlichen: Willst du dich selbst verwirklichen, musst du dich auch selbst vergessen können. Eine packende Lektüre für alle, die der oberflächlichen Selfie-Kultur überdrüssig sind. David Brooks, geboren 1961 in Toronto, wuchs in New York auf. Nach seinem Geschichtsstudium und Stationen bei der Washington Times und dem Wall Street Journal ist er heute die konservative Stimme der New York Times. Für Das soziale Tier (2012) wurde der populäre Kolumnist in der internationalen Presse viel gelobt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 02.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641180584
    Verlag: Kösel
    Originaltitel: The Road to Character
    Größe: 1034 kBytes
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Charakter

EINLEITUNG

Adam II

In letzter Zeit habe ich über den Unterschied nachgedacht zwischen den Tugenden, die in Lebensläufen erwähnt werden, und jenen Tugenden, die in Trauerreden herausgestellt werden. Die Lebenslauf-Tugenden sind diejenigen, die wir in unserer Vita auflisten, die Kompetenzen und Qualifikationen, mit denen wir uns um eine Stelle bewerben und die zu unserem Erfolg in einem äußeren Sinne beitragen. Die in einer Trauerrede hervorgehobenen Tugenden hingegen reichen tiefer. Es sind die persönlichen Vorzüge, über die bei unserer Beerdigung gesprochen wird und die das Wesen unserer Person ausmachen - ob wir liebenswürdig, mutig, aufrichtig oder treu gewesen sind und welche Beziehungen wir aufgebaut und gepflegt haben.

Die meisten von uns würden sagen, dass die Trauerrede-Tugenden wichtiger sind als die Lebenslauf-Tugenden, aber ich muss gestehen, dass ich über lange Phasen meines Lebens mehr über letztere als über erstere nachdachte. Unser Bildungssystem fördert Lebenslauf-Tugenden zweifellos stärker als Trauerrede-Tugenden. Und das gilt auch für die Lebensratgeber-Literatur - die Selbsthilfetipps in Zeitschriften, die Ratgeber-Bestseller. Die meisten von uns haben eine klare Strategie für den beruflichen Erfolg, nicht dagegen für die Entwicklung eines tiefgründigen Charakters.

Ein Buch, das mir geholfen hat, über diese beiden Arten von Tugenden nachzudenken, ist Lonely Man of Faith (1965) von Rabbi Joseph Soloveitchik. 1 Soloveitchik wies dort darauf hin, dass das Buch Genesis (1. Buch Mose) zwei Schöpfungserzählungen enthalte und dass diese von den beiden gegensätzlichen Seiten der menschlichen Natur handelten, die er Adam I und Adam II nannte.

Wenn wir Soloveitchiks Kategorien ein wenig modernisieren, könnten wir sagen, dass Adam I die karriereorientierte, ehrgeizige Seite unserer Natur ist. Adam I ist der äußere Adam, wie er in unserem Lebenslauf zum Vorschein kommt. Adam I will aufbauen, erschaffen, herstellen und Entdeckungen machen. Er strebt nach einem hohen sozialen Status und will sich im Wettbewerb gegen andere durchsetzen.

Adam II ist der innere Adam. Adam II will gewisse moralische Eigenschaften verkörpern. Adam II strebt nach innerer Gelassenheit, einem ruhigen, aber gefestigten Bewusstsein von Recht und Unrecht - nicht nur um Gutes zu tun, sondern auch um gut zu sein. Adam II will innig lieben, sich für andere aufopfern, gemäß einer transzendenten Wahrheit leben, eine Seele besitzen, die mit sich selbst in Einklang steht und ihre schöpferischen Kräfte und Möglichkeiten entfaltet.

Während Adam I die Welt erobern will, will Adam II der Berufung folgen, der Welt zu dienen. Während Adam I kreativ ist und aus dem, was er leistet, ein tiefes Gefühl der Befriedigung zieht, verzichtet Adam II um eines höheren Zieles willen manchmal bewusst auf weltlichen Erfolg und gesellschaftliche Anerkennung. Während Adam I fragt, wie Dinge funktionieren, fragt Adam II, weshalb Dinge existieren und was der tiefere Sinn unseres Daseins ist. Während Adam I sich ins Unbekannte vorwagt, will Adam II zu seinen Wurzeln zurückkehren und die Wärme eines Mahls im Kreis der Familie genießen. Während das Motto von Adam I "Erfolg" ist, erlebt Adam II das Leben als ein moralisches Drama. Sein Motto lautet "Barmherzigkeit, Liebe und Erlösung".

Soloveitchik behauptete, unser Leben werde durch den Widerstreit zwischen diesen beiden Adamen bestimmt. Der äußere, selbstherrliche Adam und der innere, demütige Adam lassen sich nicht völlig miteinander versöhnen. Wir sind zeit unseres Lebens in einem inneren Konflikt gefangen. Wir sind dazu berufen, beide Personae zu verwirklichen, und wir müssen die Kunst beherrschen, fortwährend im Spannungsverhältnis zwischen diesen beiden Naturen zu leben.

Ich möchte hinzufügen, dass das Schwierige an diesem Widerstreit die Tatsache ist, dass Adam I und Adam II unterschiedlichen Logik

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