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Das Falschwörterbuch Krieg und Lüge im 21. Jahrhundert von Nagel, Ivan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.10.2010
  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Das Falschwörterbuch

In einer Reihe von brillant scharfsinnigen Essays zeigt Ivan Nagel, einer der gewichtigsten Kulturkritiker unserer Zeit, wie die "Falschwörter" der internationalen und der deutschen Politik uns eine Zukunft von Konflikten, Aggressionen und Kriegen bescheren - und mit welchen fatalen Folgen George W. Bush zuerst die Welt, dann sich selbst belog.

Ivan Nagel wurde 1931 in Budapest geboren. Er studierte in Heidelberg und Frankfurt am Main, arbeitete als Kritiker und Dramaturg in München, leitete von 1972 bis 1979 das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, lebte von 1981 bis 1983 in New York, begründete das "Theater der Welt", war Chef des Stuttgarter Schauspiels und lehrt seit 1988 als Professor für Ästhetik und Geschichte der darstellenden Künste in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 09.10.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827071842
    Verlag: Berlin Verlag
    Größe: 955kBytes
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Das Falschwörterbuch

EINLEITUNG (2004)

Ein kursiv gesetzter Kommentar (wie dieser) wurde jedem Teil des Buches vorangestellt. Er ergänzt die 2001-2004 entstandenen Texte mit Zitaten, Daten, mit einer Erinnerung an die damalige Stufe und Wendung des Geschehens. Die Texte wurden in der Folge ihrer Entstehung angeordnet; Tag und Ort ihrer Publikation sind vermerkt. Die drei Reden (Friedenspreis, Ernst-Bloch-Preis, Mosse Lecture) tragen das Datum ihres Vortrags, nicht des - gekürzten - ersten Abdrucks.

Die wenigen Korrekturen für diese Sammlung haben einige Worte verändert, nirgends die Thesen und Argumente. Das Buch hat kein Motto. Beim Schreiben dachte ich oft an Martin Luther Kings Sätze, die er während des Vietnam-Kriegs, am 4. April 1967, in New York sprach: "Die Zeit kommt, in der Schweigen Verrat ist. Wir sind gefordert, für die Schwachen zu sprechen, die keine Stimme haben: für die Opfer unserer Nation, die sie 'Feinde' nennt."

Die Reden, Aufsätze, Briefe dieses Buches wurden ab April 2002 niedergeschrieben, teils auch gedruckt. Entstanden sind sie aber, im Erschrecken, Hinschauen, Nachdenken, seit dem 11. September 2001. Ihr Impuls war, trotz polemischer Dringlichkeit, Trauer. Ein böses Versäumnis der reichen wie der armen Welt ließ es zu, dass 2001 statt 1989 zum Einschnitt der Geschichte wurde - die Katastrophe statt der Hoffnung.

Mit der "Aktualität" dieser Texte ist es seltsam bestellt. Ihre Erwägungen hätte jeder machen und aussprechen können. Zu meiner Überraschung, Verlegenheit, auch Betrübnis wurden sie bei ihrem Erscheinen für "mutige Stellungnahmen" gehalten: als seien Wahrnehmung und Veröffentlichung des Offensichtlichen eine aussterbende höhere Tugend - nicht Gabe und Pflicht des alltäglichen Menschenverstands.

Dieser schiefe Erfolg verlangte nach Erklärung. Dem Teppichbombardement eines fremden Volkes mit Raketen geht jedes Mal das Teppichbombardement des eigenen Volkes mit Lügen voraus. Es zerstört Beobachtung, Urteil, Mitteilung in einem furchterregenden Maße. Vorkriegszeiten sind Zeiten der Ausschaltung artspezifischer, lebenserhaltender Fähigkeiten des homo sapiens . Darum gilt dann, was normal ist, schon als "mutig".

Aktualität manches Gedankens heißt hier also nicht, dass er in den vergangenen Monaten verblüffend neu war - nur dass er, leider, in den kommenden Jahren nicht veralten wird. Was vom September 2001 bis Februar 2004 geschah, hat noch lange kein Ende; vermutlich war es der erste Anfang. Schicksalsergebenheit und Zweckoptimismus sind trotzdem zwei gleichermaßen verfehlte Antworten auf die Bedrohung, die auf uns zukommt.

Protest durch Denken und Sagen, auch durch eine öffentliche Bewegung: er allein bleibt die Gegenkraft, die die fortdauernde Aggressionsgefahr aufdecken, vielleicht vermindern kann. Diese Gegenkraft ist kein stolzer Besitz Europas. Sie sollte Europa mit Amerika verbinden: gegen jene Verfälschung der Wirklichkeit, die Demokratie - Lebensform eines urteilsfähigen Volkes - täglich weiter aushöhlt. Darüber hier mehr.
1.

Weihnachten 2001 und Neujahr 2002 verbrachte ich in Brasilien; jeden Tag regnete es mindestens eine Stunde. Im Hotelzimmer stand ein Fernseher, dessen englisches Programm aus CNN und Fox News bestand. Man war nachrichtensüchtig in jenen Wochen. Bald sah ich nur noch Fox News : gewürgt von Ekel und Entsetzen, die ich so nur als Kind vor dem Radio der Hitler-Zeit gespürt hatte; dann nochmals vor den Osteuropasendern in Stalins letzten Jahren. Ich lernte damals: Wer lügt, der mordet. Wir müssen das neu lernen.

Plötzlich, in Fox' Einbettung, wurden die täglichen Reden Bushs, Cheneys, Rumsfelds verständlich. Was ihre Worte kaum verhüllten, ihre Physiognomien herzeigten: Die imperiale Anmaßung dieser erfolggestählten Verfügenden über M

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