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Das Traumjob-Experiment 30 Jobs in einem Jahr von Stöhr, Jannike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.02.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das Traumjob-Experiment

Dieser sehnsüchtige Blick aus dem Fenster, wenn einmal mehr der Kollege nervt, der PC abstürzt, der Alltag langweilt, und man sich fragt, ob man nicht besser Surflehrer geworden wäre. Oder Biobauer.

Jannike Stöhr hat genug vom Träumen und testet innerhalb eines Jahres dreißig Jobs. Sie ist Freizeitparkbetreiberin, Pathologin, Hebamme, lernt Menschen kennen, die ihrem Job mit Leidenschaft nachgehen. Sie nimmt den Leser mit auf ihre Reise, begleitet von Zweifeln, Überraschungen, Durchhängern und Erfolgen. Was sie findet, ist viel wertvoller als das, was sie gesucht hat. Manchmal braucht es nur den Mut, loszulassen, dann geschieht der Rest von ganz alleine.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 269
    Erscheinungsdatum: 12.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732523672
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1130kBytes
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Das Traumjob-Experiment

1

Erzieherin

Gleich am ersten Tag komme ich angepisst nach Hause. Etwas naiv hatte ich angenommen, jetzt würde alles anders werden. Nun ja, etwas anders ist es schon. Dieses Mal ist es nämlich wörtlich zu nehmen.

Um einen ersten Erfolg verbuchen zu können, starte ich mit einem leichten Job und nehme die Einladung von Julia, der Schwägerin einer ehemaligen Arbeitskollegin, an, eine Woche als Erzieherin in einer Kindertagesstätte in Lehrte bei Hannover zu verbringen. Mit Ein- bis Dreijährigen sollte ich klarkommen.

Am Sonntagabend reise ich an. Couchsurferin Susanne ist im Alter meiner Mutter und wohnt in einem rund zwanzig Kilometer entfernten Nachbarort. Ich bin ihr erster Gast, und es soll mir an nichts fehlen. Sogar ein eigenes Zimmer habe ich bekommen. Gemeinsam mit ihren Freunden verfolgen wir auf dem Sofa vor dem Fernseher, wie Deutschland Weltmeister wird. Ob mein Vater sich über den Sieg gefreut hätte?

Immer wieder schrecke ich in der Nacht hoch. Werde ich den Weg finden und pünktlich sein? Sind die Kollegen nett und nehmen mich gut auf? Werden sie mich an ihrem Arbeitsalltag teilhaben lassen? Ob eine Woche ausreicht, um ein Gefühl für den Job zu bekommen? Um sechs Uhr erlöst mich der Wecker. Als ich leise die Tür hinter mir schließe, befinden sich Hausschuhe in der Tasche, die ich auf Wunsch von Kita-Leiterin Jennifer Müller mitgebracht habe. Die Vorstellung, wie ich mit Hausschuhen in meinem alten Büro sitze, lässt mich schmunzeln.

Ich schwinge mich auf das Fahrrad, das mir Susanne am Vorabend zur Verfügung gestellt hatte. Ein Feldweg führt mich vorbei an Kornfeldern zum örtlichen Bahnhof, der Sonnenaufgang kann noch nicht lange her sein. So schön still. Der Zug bringt mich nach Lehrte, von dort fahre ich die letzten Kilometer mit dem Fahrrad zur Kita. Zwanzig Minuten vor Arbeitsbeginn komme ich an einer Krippe an. Allerdings nicht bei der Kita, in der man mich diese Woche erwartet, das verrät mir das Türschild. Mist. Trotz alledem schaffe ich es, pünktlich am verabredeten Ort zu sein. Ich erkenne das Gebäude von einem Foto im Internet wieder.

Ich rüttle an der verschlossenen Tür, klingle. Nichts passiert. Eine Mutter mit kleinem Kind kommt auf mich zu und verrät mir das Geheimnis: Gleichzeitig auf Schalter und Tür drücken. Die Mutter übernimmt, als ich es trotz Anleitung nicht hinbekomme, und bringt mich zu Hindernis Nummer zwei, einem Flurgitter. Ähnlich unvermögend scheitere ich am Öffnen und lasse der jungen Mutter den Vortritt. Wie soll meine Woche nur werden, wenn ich bereits am Eingang kläglich scheitere? Was habe ich mir überhaupt gedacht? Ich gehöre nicht in die freie Wildbahn des Arbeitsmarktes, ich gehöre in ein Büro. Ein Büro, für dessen Tür ich einen Schlüssel habe, mit einem Schreibtisch, Computer, Telefon und zwei Mülleimern, der eine für Papier, der andere für Restmüll. Dort finde ich mich zurecht. Dort kann ich zeigen, was ich kann.

Ein Wand-Tattoo empfängt die Besucher der Kita hinter der Eingangstür. Es ist ein Zitat von Reformpädagogin Maria Montessori: "Der Mensch ist darauf ausgelegt, neugierig die Welt zu erkunden." Lauter kleine Bänke stehen ringsum an den Wänden des Flurs, über ihnen Regale und Kleiderhaken für die Jacken und Schuhe der Kinder. Namensschilder geben ihre Besitzer bekannt.

Wie bei Besichtigungen frisch renovierter Wohnungen stehen hier Einwegüberzieher in einer Kiste für die Eltern bereit. Keine Straßenschuhe in den Aufenthaltsräumen.

Wo soll ich mich eigentlich melden, frage ich mich und schaue mich unschlüssig um. Der Himmel schickt Praktikantin Hannah um die Ecke. Sie ist in der Ausbildung zur Sozialassistentin und schon seit fast einem Jahr blockweise in der Kita. Kurz darauf kommt auch die Kita-Leiterin hinzu. "Sie sind also Jannike!", begrüßt mich Frau Müller und nimmt mich mit auf einen Rundgang. Es gibt zwei Etagen. Unten Krippe, oben Kindergarten. Neben zwei Spielräu

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