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Der arabische Frühling Als die islamische Jugend begann, die Welt zu verändern von Bröckers, Mathias (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2011
  • Verlag: Westend Verlag
eBook (ePUB)
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Der arabische Frühling

Wohin entwickeln sich die arabischen Staaten? Im Frühjahr 2011 hat die islamische Jugend begonnen, die politische Ordnung vieler arabischer Länder auf den Kopf zu stellen. Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Syrien, Bahrain-die Probleme in diesen Ländern ähneln sich, es herrschen politische Unterdrückung, Korruption, Polizeifolter, Arbeits- und Perspektivlosigkeit der sehr jungen Bevölkerung. ARD-Korrespondent Jörg Armbruster zeigt, wie sich diese jungen Menschen nun als Hoffnungsträger für eine bessere Zukunft erweisen. Jörg Armbruster berichtet für das ARD-Fernsehen schon seit vielen Jahren aus dem Nahen Osten; dennoch war auch er überrascht von der Wucht des Aufstandes, den er in Ägypten und Libyen hautnah miterleben konnte und der die alte Ordnung hinweggefegt hat. Er sprach mit Organisatoren des Aufstandes, mit ehemaligen politischen Gefangenen und mit Politikern, die vielleicht die Zukunft der Region mitbestimmen werden, und er beantwortet folgende Fragen: Wie wird es nun weitergehen? Wie verhalten sich die alten politischen Kräfte, das Militär, die Reichen, die alten Politiker, die alle viel zu verlieren haben? Kommt nach dem bunten Frühling ein heißer Sommer? Kann der demokratische Aufbruch noch scheitern? Jörg Armbruster, ARD-Auslandskorrespondent für den Nahen und Mittleren Osten und früherer Moderator des ARD-Weltspiegels, wurde Zeuge der Zeitgeschichte, als der Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Mubarak am 11. Februar während einer Live-Schaltung der Tagesschau zu Armbruster bekannt wurde. Er kommentierte die plötzlich aufkommenden Jubelschreie vom Balkon, während die Kamera in die Menge schwenkte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 01.08.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783938060735
    Verlag: Westend Verlag
    Größe: 303 kBytes
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Der arabische Frühling

2 Der 25. Januar - Tag des Zorns in Ägypten

Der 25. Januar 2011 begann abends am 7. Juni 2010. An jenem Juniabend sitzt der 28-jährige Khaled Said in einem Internetcafé im Stadtteil Kleopatra der Mittelmeerstadt Alexandria und schreibt an seinem Blog. Da betreten zwei Männer in Zivil das Cybercafé und verlangen seinen Personalausweis. Als er sich weigert, auf ihren rüden Ton einzugehen, und seinen Ausweis nicht zeigt, fackeln die Männer nicht lange: Sie packen ihn und prügeln auf ihn ein. Sie verdrehen seine Arme auf den Rücken, reißen an seinen Haaren und schlagen seinen Kopf immer wieder auf einen Marmortisch. Dann schleppen sie ihn vor das Kaffeehaus und prügeln weiter auf ihn ein. Er schreit um Hilfe. Vergeblich.

Der Kaffeehausbesitzer Hassan Mesbah traut sich nicht, ihm beizustehen, beschreibt aber später sein Entsetzen.

"Als er tot war, haben sie seinen Körper weggeschafft wie den Kadaver eines Schafes", erzählt er einer Oppositionszeitung.

Spätestens als die beiden Polizisten in Zivil den Kopf Khaleds gegen ein Eisengitter hämmerten und wie von Sinnen auf ihn eintraten, starb er. Nach zwanzig Minuten Prügel war sein Körper so entstellt, dass sich ägyptische Oppositionszeitungen weigerten, die Bilder zu veröffentlichen. Sie seien den Lesern nicht zumutbar, erklärten sie. Khaleds Kinn ist mehrfach gebrochen, Zähne eingeschlagen, das ganze Gesicht entstellt.

Die Polizei Alexandrias behauptete zwar sofort, er sei drogenabhängig und habe versucht, ein Päckchen mit Drogen zu verschlucken. Daran sei er erstickt. Doch niemand glaubte ihr. Erst als auch von Menschenrechtsorganisationen im Ausland Proteste und Fragen kamen, nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die beiden Polizisten auf: wegen "exzessiver Gewaltanwendung" und wegen "ungerechtfertigter Festnahme". In Ägypten steht auf solche Polizeidelikte eine Gefängnisstrafe von höchstens einem Jahr. Verurteilt ist bislang keiner der beiden Totschläger. Eine der üblichen Reaktionen im autoritären Ägypten.

Eines hatte das Regime nicht bedacht. Die tägliche Einschüchterung kann zwar verhindern, dass es in den Straßen von Alexandria zu Dauerprotesten kommt, sie kann aber die Geschichte dieses 28-Jährigen nicht aus dem Internet löschen. Twitter und Facebook werden zur Klagemauer in Sachen Khaled Said und zu friedlichen Waffen gegen das Regime Mubaraks.

Am 25. Januar 2011 ist der tote Khaled die Hauptperson des ersten großen Massenprotests des Jahres. Die Demonstranten tragen Plakate durch Kairo, auf denen sein geschundenes Gesicht abgebildet ist, als Heldenikone gegen Unterdrückung und Polizeiwillkür. "Wir alle sind Khaled Said" hatte sich die Bewegung genannt, die zu dieser Demonstration aufgerufen hat, und auf deren Facebook-Seite sich bald über 400 000 Unterstützer eingeschrieben haben sollen. Die "6.-April-Bewegung" und "National Association for Change" von Friedensnobelpreisträger Mohammed el-Baradei haben sich dem Aufruf angeschlossen.

Der 25. Januar ist erst der Anfang. Hunderttausende gehen auf die Straße. Es sind nicht nur die zornigen Jungen, auch alte Männer schließen sich an, aus den Armenvierteln kommen sie, aber auch gutbürgerliche Ägypter beteiligen sich an der Demonstration, Bürger also, von denen man kaum einen solchen Mut erwartet hätte.

"Ich tue dies, damit meine Kinder es einmal besser haben", erzählt uns der Besitzer eines gutgehenden Reisebüros. Lehrer schließen sich an, weil sie gegen ihre überfüllten Klassen protestieren wollen. Bis zu fünfzig Kinder muss ein einziger Lehrer an manchen Schulen unterrichten. Der 25. Januar, das ist der Protesttag der zornigen Jugend, der verzweifelten Armen, der resignierten Staatsbeamten und des desillusionierten Bürgertums. Sie alle haben ein Ziel: Mubarak und sein System müssen weg. Sonst kann es nicht besser werden.

Kaum einer hatte mit einer solchen massenhaften Teilnahme gerechnet. Von jenem Dienstag an si

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