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Der Fall Beluga Ein Unglück auf der Ostsee und wie es vertuscht wurde von Schmidt, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.10.2014
  • Verlag: Das Neue Berlin
eBook (ePUB)
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Der Fall Beluga

Zwei Journalisten decken auf - vor 15 Jahren, wenige Wochen vor dem Balkan-Krieg, erfolgte in der Ostsee ein Manöver von NATO-Staaten. Ein Kutter aus Sassnitz sank, drei Fischer kamen ums Leben. Militärs, Politiker, Juristen und Gutachter bemühten sich eifrig und erfolgreich, einen kausalen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen zu bestreiten. Die beiden NDR-Journalisten Schmidt und Riemann recherchierten, weil sie den offiziellen Darstellungen nicht glaubten. Inzwischen fanden sie Beweise, dass ihre These stimmte. In der Neufassung ihres Buches von 2001 geht es nicht mehr nur um die Schuldfrage, sondern um die Mechanismen und Motive, mit denen die Öffentlichkeit getäuscht und belogen wurde. Michael Schmidt, geboren 1954 in Schwerin, Diplomjournalist, Redakteur für Publizistik beim DFF, 1989/91 Moderator bei Ak II und Spätjournal, seit 1992 Redakteur beim NDR. Lutz Riemann, geboren 1940 in Stettin, Schiffbauerlehre in Wolgast, Schauspielstudium an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg. Bekannt durch Rollen in mehreren DEFA-Filmen und als Oberleutnant Zimmermann in der Reihe 'Polizeiruf 110' des DFF. War seit 1991 als freier Autor des NDR tätig, seit Mitte der 2000er Rentner.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 18.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783360500786
    Verlag: Das Neue Berlin
    Größe: 13261 kBytes
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Der Fall Beluga

Kapitel 2

"Sonst hat Frank jeden Tag angerufen"

Erst nur leichte Kopfschmerzen und eine triefende Nase, nun auch noch Fieber ... Martin Senfft fühlt sich miserabel. Eigentlich müsste sich der 17-jährige Azubi krankschreiben lassen. Kommt überhaupt nicht in Frage. Frank Schneider, der Kapitän, und Hartmut Gleixner, der Maschinist, würden es zur Not auch ohne ihn schaffen. Aber sie haben ihn telefonisch gebeten, sich aufzuraffen. Die BELUGA müsse nach Bornholm. Sie brauchen ein neues Fischereigeschirr, die amtliche Überprüfung des Rettungsfloßes ist fällig, und dann soll auch noch Eis übernommen werden.

Ein langer Tag, da wird jede Hand gebraucht.

Martin packt seine Sachen und geht zur Bushaltestelle in Tribsees. Kopfschüttelnd sieht die Mutter ihrem hochgewachsenen Sohn nach. Nicht mal "Tschüss" hat er gesagt. Margrit Senfft pfeift ihm hinterher. Er dreht sich um, lacht und winkt. Dann ist er weg. Zum Fischkutter BELUGA, das ist seine Welt. Die Frau ist froh, dass ihr Sohn einen Beruf gefunden hat, der ihn begeistert, und Kollegen, die ihn mögen. Martin ist ein richtiger Mann geworden.

Der Kapitän und sein Maschinist freuen sich, als ihr dritter Mann im Hafen auftaucht. Natürlich, wenn Martin krank wäre, müsste er zu Hause im Bett bleiben. Aber so schlimm wird es schon nicht sein. Außerdem fällt die meiste Arbeit erst auf Bornholm an. Bis dahin ist er vielleicht wieder an Deck.

Am Mittwoch, dem 17. März 1999, heißt es morgens Maschine an, Leinen los - die SAS 104 BELUGA tuckert gemächlich aus dem Hafenbecken.

Ein Stückchen weiter südlich wird der Hafen von Mukran angesteuert. Im Auftrag eines Instituts werden Bodenproben vom Grund der Ostsee geholt. An Land soll ein neues Fischverarbeitungszentrum entstehen, die Umweltuntersuchungen sind Bestandteil der Planungsphase. Alles läuft wie am Schnürchen, der Kran auf dem hinteren Aufbaudeck der BELUGA funktioniert wie immer ohne Probleme, die Arbeit ist pünktlich erledigt. Gegen 12 Uhr legt die BELUGA mit den Bodenproben wieder in Sassnitz an.

Bis zur nächsten Ausfahrt bleibt noch Zeit. Die Männer klaren an Bord herum, essen was und halten einen Schnack mit den Kollegen auf den anderen Fischkuttern. Alles ist so wie an jedem anderen Tag im Hafen, nichts Besonderes.

Gut eine halbe Stunde vor Mitternacht wird der Diesel wieder angelassen, die BELUGA legt ab. Ordnungsgemäß meldet sich Kapitän Frank Schneider beim Hafendispatcher von Sassnitz Port ab. Diensthabender in der Hafenzentrale ist Jürgen Stange, sein Schwiegervater. Der schreibt ins Hafen-Tagebuch: 17. März 1999, 23.21 Uhr, Ausgang von SAS 104, BELUGA.

Die See ist ruhig bei Windstärke drei bis vier, die Sicht gut. Der Seewetterbericht hat vermeldet, dass es so bleiben werde. Die Maschine arbeitet gleichmäßig, das Schiff gleitet ruhig durch die Wellen. Kapitän Schneider übernimmt die Wache, Maschinist Gleixner und Lehrling Senfft ruhen in ihrer Kammer ab.

Die dänischen Kollegen in Nexö auf Bornholm erwarten sie gegen 8 Uhr morgens. Eine unspektakuläre Überfahrt steht bevor.

Der Fischereihafen in Sassnitz mit Mole

Am Tag danach, Donnerstag, 18. März. Kurz nach 10 Uhr klingelt bei Wolfgang Henckel, dem Geschäftsführer der Genossenschaft der Sassnitzer Seefischer, das Telefon. Die Kollegen auf Bornholm wollen wissen, wo Frank Schneider bleibe. Sie würden seit zwei Stunden auf die BELUGA warten.

"Ist bestimmt noch unterwegs", sagt Henckel. Er ist überfragt. Ihm liegt keine Meldung vom Schiff vor.

"Hat er sich nicht per Funk gemeldet?"

Nein, habe er nicht, sagen die Dänen, darum habe man sich schließlich bei ihm gemeldet.

Beate Schneider in Sellin wird von einer Unruhe erfasst, die ihr fremd ist. Ihr Mann meldet sich sonst regelmäßig bei ihr per Handy. Man spricht über dies und das, nur um miteinander zu reden. Am Nachmittag

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