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Der Freiheit eine Gasse Was es heute zu verteidigen gilt

  • Erscheinungsdatum: 14.06.2016
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
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Der Freiheit eine Gasse

Freiheit - ein hoher Wert, den es auch heute immer wieder aufs Neue zu verteidigen gilt. Im Rahmen der Münsteraner Diskussionsreihe DomGedanken, auf der dieser Band basiert, debattieren Experten aus Wissenschaft und Gesellschaft unter dem Titel 'Der Freiheit eine Gasse', wo Freiheit bedroht, wie Freiheit gelebt und wann Freiheit errungen wurde. Mit Beiträgen von Lothar de Maizière, Udo Di Fabio, Markus Gabriel, Hermann Parzinger, Annette Schavan und Rüdiger von Voss.

Michael Rutz, Jahrgang 1951, ist politischer Journalist und war u.a. Chefredakteur des Fernsehsenders Sat.1 und der Wochenzeitung Rheinischer Merkur. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Fernsehfilme.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 14.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451808579
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 3564kBytes
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Der Freiheit eine Gasse

Hermann Parzinger

Wider die Barbarei

Kunst-, Kultur- und Meinungsfreiheit sind für Demokraten nicht verhandelbar

Die Freiheit der Kunst ist in Deutschland ein Grundrecht und in Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes festgeschrieben. Geschützt wird dabei die künstlerische Betätigung, also der "Werkbereich", ebenso wie die Darbietung und Verbreitung von Kunst, der "Wirkbereich". Zur Kunstfreiheit gehört das Verbot, auf Methoden, Inhalte und Tendenzen künstlerischer Tätigkeiten einzuwirken, insbesondere den künstlerischen Gestaltungsraum einzuengen oder verbindliche Regeln für den künstlerischen Schaffensprozess vorzuschreiben. Kunst ist als unmittelbarster und direktester Ausdruck der Persönlichkeit des Künstlers also nicht an traditionelle Formen gebunden, sondern durch einen subjektiven schöpferischen Prozess gekennzeichnet, der im Ergebnis vielfältige Interpretationsmöglichkeiten zulässt.

Oder einfacher ausgedrückt: Kunst ist das, was der Künstler als Kunst bezeichnet, auch wenn andere möglicherweise darüber streiten, ob dies Kunst ist. Eine solche Offenheit ist unerlässlich, um Kreativität nicht zu verhindern, denn gerade die avantgardistische Kunst hat immer danach gestrebt, die Grenzen dessen, was als Kunst gilt, unentwegt zu erweitern. Kennzeichnend für die Freiheit der Kunst ist, dass sie vorbehaltlos gewährleistet wird. Trotzdem ist Kunstfreiheit nicht schrankenlos, insbesondere dann, wenn sie mit den Persönlichkeitsrechten anderer kollidiert.

Dort, wo diese oder vergleichbare Regeln herrschen, wie etwa bei uns, scheint die Welt halbwegs in Ordnung, was die Freiheit von Kunst und Kultur betrifft. Ob es ausnahmslos so ist, werden wir noch sehen. Doch sieht man sich in der Welt um, so scheint der Geltungsbereich eines so weitgefassten Freiheitsbegriffs in der Kunst so kontinuierlich abzunehmen wie Land untergeht, wenn der Meeresspiegel steigt.

Erst jüngst haben die barbarischen Zerstörungstaten des sogenannten "Islamischen Staats" in den alten Zentren der mesopotamischen Hochkultur in Syrien und dem Irak wieder eindrucksvoll vor Augen geführt, dass es selbst in unserer globalisierten Gesellschaft des frühen 21. Jahrhunderts nicht weit her ist, wenn wir an die Freiheit der Kunst und der Kultur denken. Sie wird ebenso mit Füßen getreten, wie man Menschenrechte, ja das Recht auf Leben missachtet. Die Welt ist moderner, schneller, vernetzter, aber moralisch nicht viel besser geworden. Diese Erkenntnis mag banal sein, doch nach der Überwindung des Nationalsozialismus und der Teilung Deutschlands und Europas schien gerade uns Deutschen die Welt endlich heil und in Ordnung. Doch was seit 1990 an Unordnung entstanden ist, nimmt inzwischen immer bedrohlichere Ausmaße an, sowohl für Kunst und Kultur als auch für den Menschen.
I Bücherverbrennungen - ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte

Wie sagte schon Heinrich Heine: "... dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen" 1 . Wer hätte damals gedacht, dass dieser eine Satz das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte kurz vor der Mitte des 20. Jahrhunderts so prophetisch und präzise zugleich vorwegnimmt. Heine lässt dies den Moslem Hasan zu Almansor ben Abdullah sagen, die das noch muslimische Granada verzweifelt gegen die christlichen Ritter verteidigen, die die Stadt belagern und immer fester im Griff haben.

Heine lässt die beiden Muslime vorhersehen, was ihm als historische Tatsache bekannt war: Nach der Eroberung der Stadt durch die Christen unter dem inquisitorischen Kardinal Gonzalo Jiménez de Cisneros war es tatsächlich zur Verbrennung des Korans gekommen. Die Geschichte der Koran-Verbrennungen ist lang: Erst 2012 verbrannten US-Soldaten auf einer Müllkippe im afghanischen Bagram mehrere Koran-Exemplare. Als die Aktion bekannt wurde, kam es in ganz Afghanistan zu gewalttätige

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