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Der Präventivstaat Warum Gesundheits-, Kontroll- und Verbotswahn Freiheit und Demokratie gefährden von Gensing, Patrick (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.09.2013
  • Verlag: Helmut Lingen Verlag
eBook (ePUB)
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Der Präventivstaat

Unser Leben wird immer sicherer, doch die Angst zu leben immer größer: Der medizinische Fortschritt ist unaufhaltsam, schwere Kriminalität seit Jahren auf dem Rückzug. Doch die 'gefühlte' Bedrohungslage ist eine ganz andere. Wie kommt es zu der neuen Sicherheitsideologie, die quer durch alle Parteien geht? Eine Streitschrift gegen das Primat der Prävention als Weg in einen Überwachungs- und Sicherheitsstaat, in eine fanatische Sittenwächtergesellschaft. EDITION LINGEN STIFTUNG - Publikationen für politisch interessierte Bürger

Patrick Gensing ( 1974) lebt in Hamburg und arbeitet als Nachrichtenredakteur bei tagesschau.de. Gensing schreibt für verschiedene Medien, unter anderem die taz und die Jüdische Allgemeine. 2009 wurde er in der Kategorie Internet mit dem 3. Platz des Axel-Springer-Preises für junge Journalisten ausgezeichnet. Gemeinsam mit Andrej Reisin betreibt er das Blog Publikative.org, das aus dem Watchblog NPD-BLOG.INFO hervorging. Publikative.org wurde 2013 mit dem Alternativen Medienpreis ausgezeichnet, gewann den Publikumspreis bei den 'BOBS' der Deutschen Welle und wurde für den Grimme Online Award in der Kategorie Information nominiert. Das Buch 'Der Präventivstaat' ist Gensings drittes Buch: 2009 veröffentlichte er im dtv den Titel 'Angriff von rechts - die Strategien der Neonazis' und 2012 im Rotbuch-Verlag das Buch 'Terror von rechts - die Nazi-Morde und das Versagen der Politik'. Andrej Reisin ( 1977) ist in Berlin aufgewachsen und lebt seit 1997 in Hamburg, wo er ein Studium der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Journalistik und Germanistik absolvierte, das er mit einer Magisterarbeit über den deutsch-jüdischen Philosophen Theodor Lessing abschloss. Er arbeitet seit 1996 als Freier Journalist, unter anderem für die taz, Spiegel Online und die Welt. Seit 2002 arbeitet er vor allem im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks (NDR), zunächst für tagesschau.de, später für NDR Kultur und seit 2009 für das ARD-Politmagazin Panorama. Er betreibt gemeinsam mit Patrick Gensing das Blog Publikative.org, das 2013 den Alternativen Medienpreis und den Publikumspreis der Best of Blog Awards (BOBS) der Deutschen Welle gewann, sowie für den Grimme Online Award nominiert war. Der 'Präventivstaat' ist seine erste Buchveröffentlichung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 29.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783942453585
    Verlag: Helmut Lingen Verlag
    Größe: 1005 kBytes
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Der Präventivstaat

2.2. Wird die Jugend immer schlimmer?

Sich selbst erfüllende Prophezeiungen und negative Folgen für die gesamte Gesellschaft sind auch in der Kriminalitätsforschung bekannt: Pflanzt man den Menschen erst einmal in den Kopf ein, überall lauerten Gefahren und Überfälle, kann dies weitreichende Konsequenzen haben:

Mögliche Folgen bestehen in einer Verringerung des Vertrauens in Mitmenschen, der Reduzierung der Beteiligung am öffentlichen Leben, aber auch der Unterminierung des Vertrauens in staatliche Institutionen – also in Veränderungen, die nicht nur individuell als Beschränkung und Beeinträchtigung der Lebensqualität empfunden werden, sondern die auch für die Funktionsfähigkeit einer Gesellschaft, das soziale Zusammenleben insgesamt, sehr abträglich sind. Hier besteht eine Gefahr von Aufschaukelungsprozessen, negativen Verstärkerspiralen im Sinne sich selbst erfüllender Prophezeiungen: Wenn zunehmend mehr Menschen solche Gebiete als beunruhigend ansehen und nicht mehr aufsuchen, können so allmählich öffentliche Räume entstehen, die deshalb irgendwann tatsächlich – aufgrund der Abwesenheit sozialer Kontrollen – für kriminelle Aktivitäten besonders attraktiv sind. 6

Besonders die Mär von der Jugend, die "immer mehr" Alkohol trinke, Drogen nehme, Straftaten begehe, gewalttätig sei, Computer spiele und verdumme, hält sich in vielen öffentlichen Debatten. Dieser Eindruck einer immer schlimmeren Jugend war in der Menschheitsgeschichte schon vielfach präsent und entspricht wohl eher dem eigenen Kulturpessimismus als realen Entwicklungen. Doch da die Jugend in Zukunft angeblich ganze Horden von Rentnern finanzieren muss, wächst die Furcht vor der angeblich drohenden demografischen Katastrophe weiter, wenn die Lage durch eine verrohte, versoffene und verblödete Jugend noch dramatischer wirkt. Viele Medien tragen maßgeblich dazu bei, dieses Bild zu verbreiten und zu verfestigen.

"Schüler bedrohen Schüler. Sie sind 13, 14 Jahre alt. Kaum strafmündig. Manchmal fallen sie schon als Zehnjährige mit ersten Straftaten auf. Dann rotten sie sich zusammen, fühlen sich stark wie kleine Asphalt-Gangster – und verbreiten Angst. So wie kürzlich zwischen Beuel und Oberkassel, als eine Bande von Jugendlichen auf offener Straße den Terror inszenierte und erst mit einiger Verspätung gestoppt werden konnte."

Jugendliche Gangster, die sich zusammenrotten, um Terror zu inszenieren – derart überzogen wird nicht selten in deutschen Medien über Jugendkriminalität berichtet. In diesem Fall war es die "Bonner Rundschau", die im Mai 2013 über Probleme mit Jugendbanden schrieb. Dies wurde mit dem Ruf nach härteren Strafen garniert, angeblich von Volkes Stimme erhoben; eine Quelle findet sich allerdings nicht, wenn das Blatt schreibt:

In dieser Situation wurde der Ruf nach einer schnellen Justiz, die hart durchgreift, unüberhörbar: Die kriminellen Protagonisten müssten hinter Gitter, heißt es dann. Weg von der Straße, ganz, ganz schnell. [...] Bei der zunehmenden Zahl jugendlicher Straftäter brauchen die Gerichte naturgemäß mehr Zeit. Auch weil die Prozessführung oft schwieriger geworden sei: Wachsende Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten, erkennbar schamloses Lügen von Zeugen, gepaart mit aggressivem Unterton. 7

Die Zeitung entwirft ein Szenario, wonach eine schnelle Verurteilung der Jugendlichen gar nicht mehr möglich sei, weil die Zahl der Straftäter stetig anwachse. Dies mag zwar für einzelne Gerichte zutreffen, generell aber nimmt die Jugendkriminalität keineswegs "immer mehr&ldquo

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