text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der schwarze Tiger Was wir von Afrika lernen können von Stoisser, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.11.2015
  • Verlag: Kösel
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der schwarze Tiger

Noch ist Europa der stärkste Wirtschaftsraum der Welt. Doch Afrika boomt. Selbst wenn es nur noch halb so schnell wächst wie in den letzten Jahren wird es die Wirtschaft Europas bis 2050 überholt haben.

Wie absurd unsere Entwicklungshilfen in Afrika sind, wie veraltet unser Afrika-Bild vom Kontinent der Armut und Katastrophen ist und welche dramatischen Folgen das für Europa hat, zeigt Hans Stoisser anhand verblüffender Fakten und persönlicher Beobachtungen.

Hans Stoisser studierte Volkswirtschaftslehre und Internationale Beziehungen. Der Gründer und Geschäftsführer der Managementberatung ECOTEC ist seit 30 Jahren auf dem afrikanischen Kontinent als Unternehmer und Berater tätig. Stoisser lebt in Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 02.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641161927
    Verlag: Kösel
    Größe: 489 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der schwarze Tiger

2 Der abgehängte Kontinent

"Entschuldigung für die Verspätung!", keucht Maria Tavares. Während sie mit der rechten Hand die Tür hinter sich zuzieht, wirft sie mit der linken routiniert ihre Tasche auf den dafür bestimmten Platz neben dem Schreibtisch und beginnt Laptop, Kabel und Papiere herauszuholen. Dabei fällt mir auf, sie hat sich tatsächlich die Computertasche von Tumi gekauft, die ich ihr letztens empfohlen hatte. Viel zu teuer, aber dafür unglaublich haltbar. Und vor allem versperrbar. Bei Flügen mit kleineren Maschinen muss ja auch das Handgepäck eingecheckt werden.

Jetzt hat Maria die gesuchten Dokumente gefunden und kommt damit zu mir zum kleinen Besprechungstisch. Die Sekretärin schaut herein, wir bestellen zwei Tassen Kaffee.

"Ich wollte Sie gestern Abend noch anrufen, aber dann hatte mein Flieger Verspätung und ich bin erst nach Mitternacht heimgekommen. Heute Morgen musste ich kurzfristig bei der Klassenlehrerin meiner Tochter vorsprechen. Mein Mann hat das im letzten Moment an mich abgeben: In seiner Firma wird gerade das EDV -System umgestellt und jetzt stehen alle Kopf. Aber bitte, lassen Sie uns beginnen!"

An diese Besprechung kann ich mich noch gut erinnern, obwohl sie schon knapp zehn Jahre her ist. Obwohl sie inhaltlich überhaupt nichts Besonderes, sondern eine ganz normale Unterhaltung über den Ausbau der Wasserversorgung in einer Provinz war. Aber als ich österreichischen Freunden zufällig davon erzählte, konnten sie es nicht glauben. Der Grund war nicht das Meeting, sondern das Setting.

Ja, Maria Tavares war Abteilungsleiterin im Bautenministerium. Allerdings nicht in Wien, Berlin, Bern oder Lissabon, sondern in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks im südlichen Afrika. In einer Region, die damals noch als Herd der Armut galt, und wo meine österreichischen Freunde so ziemlich alles vermutet hätten, nur keine EDV -Systeme, kein Internet und keine erfolgreiche Abteilungsleiterin mit der Doppelbelastung von Beruf und Familie.

Mehr als hundertmal bin ich von Arbeitsreisen aus Mosambik, Südafrika, Simbabwe, Angola, Tansania, Kenia, Uganda, Äthiopien, Kap Verde und anderen afrikanischen Ländern nach Europa zurückgekehrt, und jedes Mal, wenn ich davon erzählte, was ich dort gemacht hatte, wurde ich mit einem ungläubigen Blick gemustert. Denn sobald Deutsche, Österreicher oder Schweizer das Wort "Afrika" hören, stellen sie sich eine andere Welt vor, als die, von der ich berichte. Es ist, als ob beim Stichwort "Afrika" automatisch ein Film im Kopf meiner Gesprächspartner ablaufen würde. Ein Film über einen armen, krisenbehafteten, abgehängten Kontinent.

Wie nimmt nun Europa die neue Rolle Afrikas auf der Welt wahr? Und wie entwickeln sich die Beziehungen der Europäer zu den Afrikanern des 21. Jahrhunderts? Das möchte ich in diesem Kapitel zeigen.

Der Kontinent der Katastrophen

"Dürre bedroht 10 Millionen Afrikaner" - "Brennpunkt Afrika - Kontinent der Flüchtlinge" - "Mali, ein weiterer Krieg in Afrika" - "Afrika wird arm regiert!" - "Afrika droht neue humanitäre Katastrophe". Und so weiter und so fort. Von diesen Schlagzeilen über afrikanische Länder gibt es mindestens so viele wie Radio- und Fernsehbeiträge. Falls jemand nicht direkt mit einem afrikanischen Land zu tun hat - dort arbeitet oder Freunde oder Familie hat - sind diese Schlagzeilen seine einzigen Informationen über Afrika. Und weil die Mehrheit der Europäer diese Beziehungen nicht hat, trägt diese "veröffentlichte Meinung" entscheidend zu unserem Afrikabild bei. Besser gesagt: Sie prägt unser Afrikabild.

Dass auch Menschen in Maputo täglich ins Ministerium zur Arbeit gehen, in Dar-es-Salam erfolgreiche Reisebüros betreiben, in Nairobi modernste Telefongesellschaften aufbauen, in Kampala oder Addis Abeba in kleinen gewinnbringenden Fabriken arbeiten und auch in all den vielen anderen Städten Afrikas ihren ganz no

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen