text.skipToContent text.skipToNavigation

Der Weg in den neuen Kalten Krieg von Scholl-Latour, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.08.2011
  • Verlag: Ullstein HC
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Weg in den neuen Kalten Krieg

Nach dem Ende des Kalten Krieges trat der Westen als Sieger der Geschichte auf. Frühzeitig hatte Peter Scholl-Latour vor der Isolation Russlands, der Explosivität des Nahen Ostens und der Herausforderung durch China gewarnt. Auch die aktuellen Konflikte im Kaukasus, in Pakistan oder im Iran hatte er lange vorausgesehen. Sie alle sind die Vorzeichen eines neuen Kalten Krieges, den der Westen nur verlieren kann. Entdecken Sie auch das Hörbuch zu diesem Titel!

Peter Scholl-Latour, geboren 1924 in Bochum. Promotion an der Sorbonne in Paris in den Sciences Politiques, Diplom an der Libanesischen Universität in Beirut in Arabistik und Islamkunde. Er war in vielfältigen Funktionen als Journalist und Publizist tätig, unter anderem als ARD-Korrespondent in Afrika und Indochina, als ARD- und ZDF-Studioleiter in Paris, als Programmdirektor des WDR-Fernsehens, als Chefredakteur und Herausgeber des STERN und als Vorstandsmitglied von Gruner + Jahr. Seine TV-Sendungen erreichten höchste Einschaltquoten, seine Bücher haben ihn zu Deutschlands erfolgreichstem Sachbuchautor gemacht. Zuletzt erschienen bei Propyläen "Die Welt aus den Fugen" (2012) und "Der Fluch der bösen Tat" (2014). Peter Scholl-Latour verstarb am 16. August 2014.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 12.08.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843701785
    Verlag: Ullstein HC
    Größe: 6841kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Weg in den neuen Kalten Krieg

PROLOG

Zum "greisen König der Unken" hat mich einmal ein wohlgesinnter Kollege gekrönt. Ein solches Renommee sollte man pflegen, zumal wenn der Warner – wie die viel zitierte Cassandra beim Fall von Troja – mit seinen Voraussagen Recht behielt. Die übliche Kritik wird auch dieses Mal nicht ausbleiben, wenn ich ohne jede Emotion feststelle, dass wir in den "Kalten Krieg" zurückgefallen sind. Die Beschwichtigung von Politikern und von Publizisten, die sich daran gewöhnt haben, harte Realitäten zu leugnen oder schönzureden, bis das Unheil über sie hereinbricht, kann daran nichts ändern. Im Schwarzen Meer lagen sich auf dem Höhepunkt der Ossetien-Krise russische und amerikanische Flottenverbände gegenüber. Im September 2008 nahm eine von Moskau ausgesandte Armada, geschart um den Kreuzer "Peter der Große", Kurs auf die Karibik und die Küste Venezuelas. Wenn das Pentagon in Ost-Polen ein Raketen-System aufbaut, das vom Kreml als Provokation, ja als Bedrohung aufgefasst wird, soll sich niemand wundern, wenn demnächst auf dem Boden von Belarus und jenes Oblast Kaliningrad, das einst Königsberg hieß, auch russische Lenkwaffen mit Nuklearsprengköpfen eingebunkert werden.

Gemessen an den Spannungen, die unsere gegenwärtige Situation einer enthemmten strategischen Globalisierung kennzeichnen, mag uns der "Kalte Krieg von gestern" – nachdem einmal der apokalyptische Höhepunkt der Kuba-Krise überwunden war – als eine relativ verlässliche Kohabitation von zwei konträren Machtsystemen erscheinen. Diese lieferten sich zwar in irgendwelchen entlegenen Gegenden Stellvertreterkriege – "war by proxies" –, aber gleichzeitig bewährte sich eine Übung der gegenseitigen Konsultation und Mitteilung, die gelegentlich an Komplizenschaft grenzte. Im Schatten des Potenzials atomarer Vernichtung, über das die beiden Supermächte verfügten und das ein strategisches Patt erzwang, genossen die übrigen Staaten niederen Ranges ein beachtliches Maß an Sicherheit und Stabilität. Die Westeuropäer zumal konnten sich in Ruhe der Häufung ihres Wohlstandes widmen und sich auf mehr oder minder schnöde Weise jeder schicksalhaften Verantwortung entziehen.

Dieser Zustand hat sich von Grund auf geändert, seit die Sowjetunion in sich zusammenbrach und zehn Jahre später die Todesengel einer finsteren, weit verzweigten Verschwörung die Wahrzeichen des westlichen Kapitalismus in Manhattan selbstmörderisch zum Einsturz brachten. Der Kalte Krieg von heute verfügt nicht mehr über die angespannte Verlässlichkeit des bipolaren Antagonismus zwischen Washington und Moskau. Auch die kurze Übergangsphase einer ausschließlich amerikanischen Hegemonie und die damit verbundene Hoffnung auf eine "pax americana", die sich nach dem siegreichen Abschluss des ersten Irak-Krieges "Desert Storm" unter George Bush senior einstellte, haben nur eine Dekade gedauert. Der Begriff "new cold war", vor dessen Formulierung die meisten zurückscheuen, bezieht seine Berechtigung nicht allein aus dem Wiederaufleben der gewohnten Gegnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und einem wieder erstehenden russischen Imperium. Dieser jetzige Kalte Krieg ist multipolar, besser gesagt, multilateral geworden, entzieht sich jedem Kalkül und jeder heimlichen Abstimmung.

Die neue Weltmacht China, die im Begriff steht, den Status quo im ostasiatisch-pazifischen Raum aus den Angeln zu heben, wäre ja noch einzuordnen in irgendeine Form von vorsorglicher Kooperation, die den Absturz in den Abgrund verhindert. Der scheidende amerikanische Präsident hat jedoch Feinde einer ganz

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen