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Deutschland. Meine Option? Junge Migranten am Start

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
10,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Deutschland. Meine Option?

In ihrem neuen Buch porträtiert die Journalistin Ruth-Esther Geiger eine bunt gemischte Gruppe junger Erwachsener aus Migrantenfamilien, die über Ausbildung und Studium unterwegs zu einer beruflichen Karriere sind. Sie lässt die begabten Studentinnen, Trainees, Praktikanten auch selbst zu Wort kommen, schildern, wie ihnen ihr Start ins Leben gelungen ist (oder noch nicht). Wie sie die Gesellschaft, in die sie hineinwachsen, wahrnehmen. Ob sie sich für ihre migrantischen Altersgenossinnen engagieren. Werden sie bleiben? Ist ihnen das Thema Integration wichtig? Oder bietet ihnen Deutschland in diesen Zeiten der Globalisierung das Sprungbrett für eine internationale Karriere? Es geht um Pioniere der Integration: um ihre Chancen hierzulande und um das Potenzial, das sie für ein leistungsstarkes und kreatives "Deutschland der Vielfalt" darstellen. Alle Beteiligten sind ehemalige Schüler- Stipendiaten der START-Stiftung, die am Zustandekommen dieses Buchs beteiligt ist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 267
    Erscheinungsdatum: 22.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518792001
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1798 kBytes
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Deutschland. Meine Option?

"Alles fing mit einem Lehrer an"

Mohamed Rhounan

Fing wirklich alles mit einem Lehrer an? Oder nicht eher mit den Schülern? Mohamed aus Ratingen bei Düsseldorf wollte schon als Schüler Lehrer werden, und zwar Spanischlehrer. Heute studiert er Spanisch und Englisch im zweiten Semester und hat gerade sein erstes vierwöchiges Schulpraktikum hinter sich. Schon seine Mitschüler sagten: "Ey Mohamed, du musst Lehrer werden, du kannst echt mitreißen!" Was bringt einen großen, sportlich schlanken jungen Mann dazu, sich, kaum ist er der Schule entronnen, wieder der Schule zu widmen? "Ich möchte das, was ich bekommen habe, weitergeben", sagt er, ohne länger zu grübeln. Was war denn so begeisternd an der Schule?

"Ich hatte einige Lehrer, die an mich glaubten, die mein Talent erkannt und mich von der Hauptschule über die Realschule bis ins Gymnasium gefördert haben." Bei denen scheint der junge Deutsche mit dem braunen gewellten Haar und dem leicht gebräunten Teint zum Glück an die Richtigen geraten zu sein. Er lächelt fast versonnen, wenn er von ihnen erzählt, während er stolz mit mir durch sein Ratingen schlendert. "Das kenne ich wie meine Westentasche", sagt er, als wir zum Schreibwarenladen seiner Kindheit kommen, der noch genauso aussieht wie in den 90er Jahren, mit Schulmappen und Buntstiften, Tuschkästen vor der Tür, der 50er-Jahre- Schrift auf dem Schaufenster. "Mein Vater hat in mir die Begeisterung für diese kleine Stadt mit der schönen Altstadt geweckt." Sie wohnen am Rande der Altstadt.

Mohamed Rhounan

Mohamed, dessen Eltern aus Marokko stammen – Vater Bergarbeiter und Baggerfahrer, Mutter Hausfrau und Reinigungshilfe –, hat schon früh die Gabe entwickelt, seine Umwelt genau zu beobachten und von ihr zu lernen. Seine Eltern können wenig Deutsch, er aber ist im evangelischen Kindergarten von den Sprösslingen des Vororts Hösel, in dem sie damals wohnten, sprachlich sehr bald kaum zu unterscheiden.

Die Mutter ist von Anfang an in der Familie die Innen- und Bildungsministerin. Sie hat nie Deutschunterricht erhalten, da sie in Deutschland nicht berufstätig war, außer als Putzhilfe im Kindergarten, in den Mohamed vor der Schulzeit ging, als zweites von zwei Ausländerkindern in den 90er Jahren. Die Mütter dieser beiden Kinder, eine Türkin und Latifa, Mohameds Mutter, wurden von der damaligen Erzieherin Frau Weinszieher angesprochen, ob sie nicht aushelfen könnten beim Kita-Reinigen.

Latifa (übersetzt: die Sanftmütige) hatte in Marokko das Abitur bestanden und zwei Jahre als Erzieherin gearbeitet. Nun kam sie endlich aus ihrer häuslichen Isolation heraus und nahm den Job mit Freude an. So konnte sie ein nahes Verhältnis zu der neuen Bezugsperson ihres Sohnes aufbauen, was ihr gelegen kam. Denn Mohameds Mutter war eine sehr behütende Mutter. Zuerst wollte sie dem Kleinen verbieten, an größeren Ausflügen teilzunehmen. Erst als die Erzieherin ihr erklärte, wie wichtig das für Entwicklung und Integration der Kinder in die Gruppe sei, gab sie nach. "Aber nur, wenn Sie besonders auf ihn aufpassen!" "Und seitdem habe ich eben eine besondere Beziehung zu Sohn und Mutter aufgebaut", sagt die Erzieherin. "Er ist auch ein bisschen mein Sohn geworden." "Und sie ist wie eine Schwester für mich", sagt Latifa lachend, die fünfzigjährige resolute und herzliche Marokkanerin mit der Hornbrille, dem langen hochgebundenen Haar und dem jung gebliebenen Gesicht.

Ihr Mann ist zwanzig Jahre älter. Mohamed hat aber damit keinen alten Vater gehabt, sondern er spielte mit ihm Handball, wanderte mit ih

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