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Die Besserkönner Was die Schweiz so besonders macht von Koydl, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2014
  • Verlag: OrellFüssli
eBook (ePUB)
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Die Besserkönner

EU-Bürger können nicht selbst über ihre Steuerlast entscheiden, Russen dürfen nicht mal einen Toaster produzieren und in Belgien oder auf dem Balkan gehen sich die Völker an die Kehle. Die Schweiz hat all dies und noch viel mehr im Griff: Konsens, Kommerz, Konfliktvermeidung. Was ist ihr Erfolgsgeheimnis? Kann man das exportieren? Bei einer Antwort helfen Denker wie Adolf Muschg, Martin Walser und Alain de Botton, Intellektuelle wie Peter von Matt, Publizisten wie Roger Köppel, Roger Schawinski und Roger de Weck, Banker wie Oswald Grübel und Josef Ackermann und Politiker von Ruth Dreifuss bis zu Christoph Blocher. Der findet, wenn es um das Modell Schweiz geht, sogar einen gemeinsamen Nenner mit Jean Ziegler. Wolfgang Koydl, Jahrgang 1952. Ein Leben lang Journalist, in diversen Ländern: England, Österreich, Ägypten, Sowjetunion, Türkei, USA und in der Schweiz. Die letzten 23 Jahre für die Süddeutsche Zeitung. Entstanden sind dabei mehrere Bücher: "Gebrauchsanweisungen" für Deutschland und Ägypten, türkische Anthologien, amerikanische Nachhilfewerke, und persönliche Erfahrungsberichte aus England und der Schweiz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 01.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783280038079
    Verlag: OrellFüssli
    Größe: 525 kBytes
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Die Besserkönner

Einleitung

Was, ausgerechnet die Schweiz? Besonders soll sie sein? Ja, vielleicht besonders gut darin, Schwarzgeld zu verstecken und Steuerhinterzieher zu decken. Ganz zu schweigen von ihrer besonders ausgeprägten Fähigkeit, die Augen vor den eher unansehnlichen Episoden ihrer Vergangenheit zu verschließen. Na, und wie sie mit Ausländern umgeht ... Die dürfen noch nicht mal ins Freibad. Unerhört!

Kritik an der Schweiz war zu allen Zeiten wohlfeil. Was hat man sie nicht alles geschimpft - Trittbrettfahrer, Rosinenpicker, Kriegsgewinnler. Zuweilen fragt man sich, was erschreckender ist: Wie hasserfüllt die Kritik ausfällt, oder auf welch geringem Kenntnisstand sie beruht.

Natürlich ist die Schweiz nicht frei von Fehlern oder Schuld. Schweizer sind nicht perfekt, und unfehlbar ist ja nicht einmal mehr der Papst. Schweizer waren nie die ganz bösen Schurken, die fremde Völker unterjocht, ermordet oder eingekerkert haben. Aber sie waren auch nie die Engel, als die sie als Erfinder von Milchschokolade, Älplerromantik und Rotem Kreuz gern verklärt werden.

Wahr ist aber auch: Obwohl die Schweiz so bekannt ist, dass die meisten Erdenbürger von ihr gehört haben dürften, haben noch nicht einmal ihre nächsten Nachbarn eine Vorstellung davon, wie sie funktioniert und was sie ticken lässt. Entweder süßliches Heidi-Idyll oder steinerner Hort habgieriger Geld-Gnome: Zwischen diesen Extremen pendelt die Wahrnehmung.

Dabei hat die Schweiz viel mehr zu bieten als Uhren und Schokolade, Nummernkonten und Rohstoffhändler sowie eine majestätische Bergwelt, in der man für fürstliche Summen Ski fahren oder wandern kann. Ob Lebensart, Lebensqualität oder Lebensstandard: Die Schweiz und die Schweizer liegen bei allen einschlägigen internationalen Umfragen an der Spitze. Konsens, Kommerz, Konfliktvermeidung: Sie haben alles gut im Griff.

Deshalb lohnt es sich, über Rhein, Rhone und den Tessin hinweg hinter die Grenzen der Alpenrepublik zu lugen, um sich etwas von deren Bewohnern abzugucken - von ihrem Fleiß und ihrem Freiheitsdurst, von ihrer Innovationskraft und ihrem Individualismus, von ihrem Gemeinsinn und ihrer Gesetzestreue, von ihrem Sinn für Konsens und Kompromiss, und nicht zuletzt von ihren Institutionen und ihrem politischen System.

Denn warum sollen nur Schweizer Wählerinnen und Wähler an der Wahlurne Gesetze absegnen oder auf den Weg bringen dürfen? Warum haben nur sie das Recht, selbst zu entscheiden, wie viel Steuern sie zahlen wollen und wofür der Staat ihr Geld ausgeben darf? Sind Deutsche, Franzosen oder Amerikaner unmündig oder unreif? Oder misstraut ihnen die eigene Regierung?

Warum exportiert dieser rohstoffarme Kleinstaat konkurrenzlose Spitzenprodukte von Käse über Turbinen und Textilien bis zu Nanotechnologie und Dienstleistungen, derweil eine Großmacht wie Russland nicht einmal einen formschönen und funktionierenden Toaster hervorbringt? Haben Russen zwei linke Hände? Oder erstickt die eigene Regierung Tatendrang und Unternehmensgeist ihrer Bürger?

Warum schaffen es Schweizer, vier Religionen, vier Volksgruppen mit vier Sprachen und 26 verbissen auf ihre Eigenständigkeit bedachte Kleinstaaten friedlich und zum gegenseitigen Vorteil unter einem Dach zusammenzuhalten, während sich in Belgien oder auf dem Balkan die Völker mal verbal, mal handgreiflich an die Kehle gehen? Schlummert in Flamen, Wallonen, Serben oder Kroaten ein Aggressivitätsgen? Oder schüren verantwortungslose Politiker nationale Vorurteile?

"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er von der Schweiz spricht: "Der deutsche Mensch, dessen Staat knapp die Hälfte des Bruttoinlandproduktes kassiert, kommt aus dem Erstaunen nicht heraus: Helvetiens Staatsquote liegt bei einem Drittel, die Staatsschuld bei 35 Prozent vom Wirtschaftsauskommen. Und doch funktioniert die Schweiz mindestens so gut wie Deutschland - und bedeutend besser als Frankreich, Italien und Spani

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