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Die Bessermacher Die Schweiz kann's einfach besser von Koydl, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.04.2016
  • Verlag: OrellFüssli
eBook (ePUB)
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Die Bessermacher

Die sonst so zurückhaltenden Schweizer packen aus! Anders als die verschlossenen Bauern aus der Appenzeller-Käse-Werbung, verraten sie ihre Erfolgsrezepte. Wolfgang Koydl schreibt ein lebendiges und einfühlsames Porträt der Menschen, die hinter der "Superschweiz" stehen und gewährt nachdenkliche und humorvolle Einsichten in ein geheimnisvolles Land.

Wolfgang Koydl, Jahrgang 1952. Ein Leben lang Journalist, in diversen Ländern: England, Österreich, Ägypten, Sowjetunion, Türkei, USA und in der Schweiz. Die letzten 23 Jahre für die Süddeutsche Zeitung. Entstanden sind dabei mehrere Bücher: "Gebrauchsanweisungen" für Deutschland und Ägypten, türkische Anthologien, amerikanische Nachhilfewerke, und persönliche Erfahrungsberichte aus England und der Schweiz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 22.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783280039199
    Verlag: OrellFüssli
    Größe: 429 kBytes
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Die Bessermacher

Einleitung

Wenn man die Schweizer EU-Botschaft in Brüssel anruft und sich mit einem Gesprächspartner verbinden lässt, ertönt während der Wartezeit eine schmissige Melodie: Gioachino Rossinis Ouvertüre zur Oper "Wilhelm Tell". Eine tolle Wahl, denkt man instinktiv, besser könnte man die Schweiz in der verbürokratisierten EU-Metropole akustisch gar nicht darstellen: Jeder kennt die fetzenden Akkorde, dynamisch und vorwärtspreschend sind sie und so populär, dass die Melodie schon fast ein Ohrwurm ist. Eindeutig besser als Kuhglocken und Alphörner.

Doch während man in der Warteschleife hängt und den stampfenden Trompetensoli lauscht, schleichen sich Zweifel ein. Was man hört, ist letztlich die Musik eines italienischen Komponisten, der das Drama eines deutschen Schriftstellers über eine Person vertont hat, deren mythische Ursprünge irgendwo in Dänemark liegen. Was ist daran denn schweizerisch?

Die Antwort ist einfach: nichts - und zugleich alles. Die Schweiz und die Schweizer sind weder so feurig wie Rossinis Kadenzen noch sind sie weltanschaulich so hoffnungslos romantisch verbohrt wie Friedrich Schillers deutsche Helden. Aber die Schweiz und die Schweizer sind gleichzeitig auch alles, was die Welt auf sie projiziert - die guten wie die schlechten Vorurteile.

Zumindest mit den positiven Klischees, die weltweit über sie in Umlauf sind, leben die Schweizer ganz gerne. Sie wissen schon, das Übliche: Berge, Schokolade, Uhren, Zuverlässigkeit. Die Außensicht auf die Schweiz ist oft so schmeichelhaft, dass es dumm wäre, sie infrage zu stellen, selbst wenn man selber Zweifel hätte. Das gilt auch für den Multikulti-Nationalhelden Wilhelm Tell: Er mag zwar ein Import gewesen sein, aber als Freiheitskämpfer und Tyrannenmörder hat er als nationaler Mythos mehr Hollywood-Format als ein verträumter, grüblerischer Loser wie etwa Siegfried bei den Germanen nebenan.

Welcher Schweizer wollte diesem Auslandsbild widersprechen. Fremde behandelt man ohnehin grundsätzlich freundlich. Sie sind schließlich potenzielle Kunden, denen man etwas verkaufen kann - Tabletten aus Basel, Skiliftabos in Gstaad, Finanzderivate in Zürich, oder ganz schlicht ein paar Riegel Vollmilch-Nuss. Die ansonsten streng republikanische Eidgenossenschaft ehrt nur einen einzigen König: den Kunden.

Die wahre Schweiz wird von Klischees selbstverständlich nicht erfasst, weder von den positiven noch von den negativen. Darin unterscheidet sie sich nicht von anderen Nationen und Völkern. Aber was ist die wahre Schweiz überhaupt? Ist sie eine Ausgeburt der Fantasie wie Tell, das Heidi und der Gotthard-Mythos? Oder ist sie harte, abstoßende Realität in Gestalt kalt kalkulierender Rohstoffhändler, raffgieriger Banker oder dubioser Treuhänder?

Ich lebe seit mehr als vier Jahren in diesem Land und kann die Frage weniger denn je endgültig beantworten. Die ersten drei Jahre war es meine Hauptaufgabe, die Schweiz zu beobachten, zu analysieren, zu kommentieren - mit Blick auf meine deutschen Leser, die in ihrer Zeitung etwas erfahren und vielleicht sogar ein bisschen lernen wollten über dieses mitunter merkwürdige Land.

Ich glaubte, die Schweiz einigermaßen gut zu kennen, schließlich hatte ich mich sogar mehreren Initiationsriten unterzogen, die kein Schweizer auf sich nehmen würde: Ich ließ mich beim Nationalsport Schwingen "bodigen", lernte - ansatzweise - Jodeln und Schweizerdeutsch, blies das Alphorn und trieb die Kühe von der Alp. Deutsche Freunde begannen bereits, sich Sorgen um mich zu machen. Ich verwies sie an Friedrich Dürrenmatt, der einmal geschrieben hatte, dass "die Welt entweder untergehen oder verschweizern" werde, war mir aber nicht sicher, ob das wirklich zu ihrer Beruhigung beitrug.

Es war nur konsequent, dass ich eines Tages in eine Schweizer Redaktion wechselte, quasi als ein weiterer entscheidender Schritt zu Verschweizerung und Einbürgerung. Doc

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