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Die Frau Müller hat mir schon wieder die Zähne geklaut! Aus dem bewegten Leben einer Altenpflegerin - aufgeschrieben von Carina Heer von Mann, Stefanie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.04.2015
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Die Frau Müller hat mir schon wieder die Zähne geklaut!

Ein Porträt des Altenheimlebens - Nahaufnahmen einer eigenen Welt Altenpflegerin ist ihr Traumberuf. Schwester Stefanie liebt ihren Job, weil sie die Alten liebt - mit all ihren Schrullen und Macken. Ob bettlägerig und kaum noch in der Lage, sich zu rühren, oder so dement, dass sie weder sich selbst noch die Familie erkennen: Stefanie Mann kann mit den Bewohnern lachen und streiten, Scherze machen und traurig sein. Denn noch im bemitleidenswertesten Pflegefall steckt ein Fiesling oder auch ein Schatz, und das spiegelt sich in den Geschichten, die Stefanie erzählt. Die sind mal witzig, mal derb und auch mal krass, aber immer voller Zuneigung und Lebenslust - so komisch und berührend wie das Leben selbst. Stefanie Mann, geboren 1988, tätowiert, gepierct, ist eigentlich gelernte Autolackiererin. Doch schon bald entschied sie sich, eine ganz andere Leidenschaft zum Beruf zu machen, und absolvierte eine Ausbildung zur Altenpflegefachkraft. Heute übt sie ihren Traumberuf aus und erlebt mit 'ihren Alten' so manches Abenteuer. 'Stefanie Mann' ist ein Pseudonym. Carina Heer ist freie Autorin und Lektorin und war unter anderem für Random House und die Münchner Verlagsgruppe tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 14.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641146504
    Verlag: Heyne
    Größe: 409 kBytes
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Die Frau Müller hat mir schon wieder die Zähne geklaut!

Guten Morgen, liebe Sorgen

Eigentlich hätte ich es mir ja denken können. Für die erfahrene Altenpflegerin ist manchmal schon bei geschlossener Tür zu erkennen, was der Tag wieder so an Überraschungen für sie bereithält - für den erfahrenen Altenpfleger natürlich auch. (Ich sag jetzt hier trotzdem einfach mal Altenpflegerin. Frauen sind ja doch in diesem Beruf eindeutig in der Überzahl. Dabei könnten die körperlichen Belastungen, die diese Tätigkeit mit sich bringt, sicherlich viel besser von einem Mannsbild mit einem Kreuz so breit wie eine Tür ausgehalten werden. Aber die Bezahlung ist schlecht, da ist es nur folgerichtig, dass die bessere Hälfte der Weltbevölkerung in diesem Beruf arbeitet.)

Nun, hätte ich meine Nasenlöcher offen gehalten, dann hätte ich sicherlich schon am Geruch erkennen können, dass Gerd mir mal wieder ein ganz besonderes Geschenk machen möchte. Dass ich nicht vorgewarnt war, lag wohl daran, dass ich in Gedanken noch immer mit meinem Schicksal gehadert habe. So krass wie heute hat es mich nur selten erwischt: Um 5 Uhr angerufen zu werden, ist dann doch eher die Ausnahme. Ich hatte mir für den Vortag extra Frühschicht geben lassen und für den Tag nach meinem Geburtstag Spätschicht, sodass ich fast 48 Stunden frei gehabt hätte - na ja, Pech gehabt. Wenn eines in unserem Job sicher ist, dann die Tatsache, dass man sich auf seine Dienstpläne nie wirklich verlassen kann. Dabei hatte mir der freie Tag sowieso zugestanden, und zwar als Ausgleich für Mariä Himmelfahrt, den 15. August, an dem ich auch gearbeitet habe, übrigens wieder als Ersatz.

Für jeden Feiertag und Sonntag, an dem man arbeitet, steht einer Pflegekraft nämlich ein freier Tag zu. Bei einem Sonntag muss der Ausgleich innerhalb von zwei Wochen erfolgen, bei einem Feiertag innerhalb von acht Wochen. Wir haben jetzt Anfang Oktober. So viel dazu. Aber was beklage ich mich überhaupt noch? So oft, wie hier mal geschoben und da getauscht wird, hat sowieso keiner mehr den Überblick. Den Begriff "Wochenende" kennen wir in der Pflege sowieso nicht, weshalb viele meiner Freunde häufig ziemlich angepisst sind, wenn ich für langfristige Wochenendplanungen nicht zu haben bin. Bezeichnenderweise müssen wir laut Gesetz auch nur fünfzehn Sonntage im Jahr freihaben. Aber genug gejammert. Jetzt heißt es ackern bis halb zwei - und eigentlich war es ja doch eine ganz nette Überraschung.

"Vielen Dank, Gerd. Das ist lieb von dir! Das nehm ich gleich mal mit!"

Ich drücke ihm einen dicken Schmatzer auf seine trockene Wange, die ganz zart nach Kölnisch Wasser duftet, und werfe danach ein bisschen wehmütig die wirklich sehr schöne Wurst in die Toilette, wo sie hingehört.

Jetzt ist detektivisches Geschick gefragt. Was muss alles gereinigt und gewaschen werden? Normalerweise müsste ich hier nur auf den Pflegeplan zurückgreifen, in dem genau steht, welche "Dienstleistungen" an welchem Bewohner erbracht werden müssen. Säuberlich aufgelistet findet sich hier alles, von der Körper-, Haar- und Zahnpflege über den Toilettengang bis zum richtigen Umgang mit den Alten. Frau Huber ist dement und derzeit auf dem Stand ihres 12-jährigen Ich. Sie wird daher mit Franziska angesprochen. Sogar das Betreten des Raumes und Begrüßen des Bewohners ist hier genauestens festgehalten. Lachen Sie nicht! Für manche rüpelhafte Pflegerin ist das ein wichtiger Hinweis. Außerdem können sich neue Kollegen mithilfe des Pflegeplans optimal auf die jeweiligen Bewohner einstellen, bei einer mündlichen Übergabe können schließlich viele Informationen verloren gehen. Mit dem Plan fällt nichts unter den Tisch. Wenn man sich allerdings wie ich schon seit über zwei Jahren annähernd jeden Morgen um Gerd kümmert, ist man auf diesen Plan nicht mehr angewiesen, außer Gerd bekommt mal wieder ein neues Pülverchen, das vor Dienstbeginn für ihn vorbereitet werden muss.

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