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Die Grünen Höhenflug oder Absturz? von Güllner, Manfred (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.11.2014
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Die Grünen

Vor einem Jahr sah es noch so aus, als ob der Zeitgeist grün wäre. Eine missglückte Jamaika-Koalition, eine unangenehme Abstimmung über Stuttgart 21 und einige unglücklich verlaufende Landtagswahlen später ist das Bild widersprüchlicher. Wohin geht es mit einer Partei, deren Stammwähler, meist staatlich besoldete Besserverdiener, langsam ins Rentenalter kommen, und die gegen die Piraten auch sonst ziemlich alt aussieht? Manfred Güllner, Prof., geb. 1941, Gründer und Geschäftsführer von Forsa, einem der führenden deutschen Meinungsforschungsinstitute.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 04.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451803888
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 7248 kBytes
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Die Grünen

2. Die Wähler der Grünen

Die Wahlen in den alten Bundesländern: 1979 bis 1987

Die erste bundesweite Wahl, an der sich die Grünen beteiligten, war die Europawahl 1979, bei der in den damaligen neun Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft zum ersten Mal die Abgeordneten des Europäischen Parlaments direkt gewählt wurden. Zuvor hatten verschiedene grüne, bunte bzw. alternative Listen bei regionalen Wahlen kandidiert (so z.B. 1976 bei der Kommunalwahl in Niedersachsen, 1978 bei der Kommunalwahl in Schleswig-Holstein, der Bürgerschaftswahl in Hamburg oder den Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen). Durch die hohe Aufmerksamkeit, die diese ersten Kandidaturen ausgelöst hatten, fühlte sich ein Teil der grünen Bewegung ermuntert, bei der Europawahl auch bundesweit zum ersten Mal zu kandidieren. Initiiert vom "Bundesverband Bürgerinitiative Umweltschutz" (BBU), dem Dachverband der Bürgerinitiativen, in dem 1978 ca. 100 Bürgerinitiativen mit ca. 300.000 Mitgliedern zusammengeschlossen waren, konstituierte sich im März 1979 ein Listenbündnis aus verschiedenen grünen Netzwerken unter dem Namen "Sonstige Politische Vereinigung/Die Grünen" (SPV Die Grünen), um an der Europawahl am 10. Juni teilzunehmen. (Nur am Rande sei angemerkt, dass die 300.000 Bürger, die sich irgendwann und irgendwie einmal an einer Initiative beteiligt hatten und deshalb Ende der 1970er Jahre schon als "Massenbewegung" gewertet wurden, sich mehr als relativieren, wenn man bedenkt, dass während einer Spielzeit der ersten Fußball-Bundesliga deren Vereine jedes Wochenende im Durchschnitt 400.000 Zuschauer mobilisieren!)

Die Rahmenbedingungen der ersten Europawahl waren für die neue grüne Gruppierung relativ günstig.

Der in Gang gekommene europäische Vereinigungsprozess wurde zwar - wie bis heute - von einer Mehrheit der Deutschen für richtig befunden; doch konkrete, für die Menschen eingängliche und nachvollziehbare politische Konturen hatte die damalige Europäische Gemeinschaft so wenig wie heute die viel größere Europäische Union. Und über die Aufgaben, die Kompetenzen und die Arbeitsweise des Europäischen Parlaments wusste - ebenfalls wie heute - kaum ein Bürger Bescheid. Zudem gab es - anders als bei Bundestagswahlen - keine den Wahlkampf (sofern er überhaupt richtig stattfand oder wahrgenommen wurde) beherrschenden Themen. Der neuen grünen Gruppierung konnte man deshalb bei der Europawahl gewissermaßen probeweise einmal die Stimme geben, ohne besonders illoyal gegenüber den bisher bei anderen, in ihrer Bedeutung für die Bürger überschaubaren und wichtigeren Wahlen gewählten Parteien zu werden.

890.000 Wahlberechtigte (2,1 %) gaben dann auch am 10. Juni 1979 den Grünen ihre Stimme. Da die Wahlbeteiligung bei der ersten Europawahl mit knapp 66 Prozent im Vergleich zur vorhergehenden Bundestagswahl 1976, als sich fast 91 Prozent der Wahlberechtigen an der Wahl beteiligten, und der nachfolgenden Bundestagswahl 1980 mit einer Wahlbeteiligung von gut 89 Prozent aus damaliger Sicht sehr niedrig war, waren 890.000 Stimmen bzw. 2,1 Prozent aller Wahlberechtigten für 3,2 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen gut. (Heute wäre man ja über eine Beteiligung wie an der ersten Europawahl froh, denn 2004 und 2009 betrug die Wahlbeteiligung an den Europawahlen nur noch 43 Prozent.) Mit 3,2 Prozent der gültigen Stimmen konnte das erste bundesweite grüne Bündnis zwar keinen Abgeordneten ins Europäische Parlament entsenden, aber man errang einen entsprechend wahrgenommenen und gewürdigten Achtungserfolg.

Noch wichtiger für die weitere Entwicklung der Grünen war aber, dass das grüne Bündnis eine Wahlkampfkostenerstattung in nicht unerheblicher Höhe kassieren konnte. Von der damals vom Bundespräsidenten berufenen Sachverständigen-Kommission zur Neuordnung der Parteienfinanzierung ist in ihrem 1983 vorgelegten Bericht vermerkt worden, dass die Grünen 1979 98,2 (bzw. unter Einschluss weiterer "gr

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