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Die große Entzauberung Vom trügerischen Glück des heutigen Menschen von Haberl, Tobias (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.11.2019
  • Verlag: Blessing
eBook (ePUB)
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Die große Entzauberung

Vor einhundert Jahren beklagte Max Weber die "Entzauberung der Welt" - den "Glauben daran, dass es prinzipiell keine geheimnisvollen unberechenbaren Mächte gebe, dass man vielmehr alle Dinge - im Prinzip - durch Berechnen beherrschen könne". Tobias Haberl schreibt in seinem neuen Buch gegen ein solches Unbehagen an, nämlich gegen die zunehmende Entzauberung unseres Lebens. Denn das ist vernünftig, digitalisiert, versichert, vermarktbar, mit moralischem Gütesiegel versehen, glatt und gut beleuchtet. Wir haben alles unter Kontrolle. Aber haben wir auch Freiheit und Glück gefunden? Haberls Polemik wider den Zeitgeist stellt unbequeme Fragen. Könnte es sein, dass wir reicher und gleichzeitig ärmer, sicherer und gleichzeitig ängstlicher, unpolitischer und gleichzeitig radikaler werden? Und Haberl stellt die Werte vor, die unser Leben wieder verzaubern und mit wahrem Glück erfüllen können. Unvernunft und Glamour, Spontanität und Gelassenheit, Natürlichkeit und Nähe. Tobias Haberl, geboren 1975 im Bayerischen Wald, hat in Würzburg und Großbritannien Latein, Germanistik und Anglistik studiert. In den Jahren 2001 und 2002 war er freier Journalist in Berlin, besuchte dann die Henri-Nannen-Schule Hamburg und ist seit 2005 Redakteur im Magazin der "Süddeutschen Zeitung". 2016 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis. Zuletzt legte er die Streitschrift "Die große Entzauberung - Vom trügerischen Glück des heutigen Menschen" vor (2019). Von Tobias Haberl erschienen außerdem "Wie ich mal rot wurde" (2011) und, als Herausgeber zusammen mit Alexandros Stefanidis, "Wir, Ritter der Ehrenrunde" (2016). Der Autor lebt in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 11.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641239114
    Verlag: Blessing
    Größe: 1213 kBytes
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Die große Entzauberung

Vielfalt

"Diversity ist mir natürlich extrem wichtig.

Denn Vielfalt ist momentan das Thema in der Fashionwelt."

Heidi Klum

Seit einiger Zeit kann man dem Lobpreis der Vielfalt nicht entkommen: Google hat in den letzten Jahren mehr als 250 Millionen Dollar für Vielfalt-Initiativen ausgegeben 22 , die Bundeskanzlerin zeigt sich fortwährend stolz auf die Vielfalt der deutschen Zivilgesellschaft, ein Münchner Aktionsbündnis nennt sich "Vielfalt schlägt Einfalt", es gibt Kondome, die "Bunte Vielfalt" heißen, eine "Charta der Vielfalt", die "Lidl-to-go-Vielfalt" und Kinderkrippen, die "Vielfalt" heißen.

Oft wird sie in einem Atemzug mit Toleranz und Meinungsfreiheit genannt, manchmal versteckt sie sich hinter einem anderen Wort wie Diversität, Pluralismus oder Multikulti, am Ende meint alles das Gleiche: Wir sind rasend stolz darauf, wie individuell und gleichzeitig tolerant wir gegenüber allen anderen Daseinsformen sind: Männer in Highheels, Frauen mit Dreitagebart, Behinderte in Führungspositionen, Topmodels mit einem Bein, Intersexuelle, die heute Frau und morgen Mann sind.

Man kann schon sagen, dass die Vielfalt in den letzten Jahren eine rasante Karriere hingelegt hat: Was noch vor ein paar Jahren als skurril empfunden oder skeptisch zur Kenntnis genommen wurde, ist heute ein bedeutender Beleg für die Mannigfaltigkeit der menschlichen Natur. Zum Start der letzten Staffel von Germany's next Topmodel hieß es in der FAZ :

"Zur Neueröffnung des Unterhaltungsgemischtwarenladens stehen zwar immer noch die gleichen Produkte in den Regalen, wurden aber umgetauscht und mit neuen Schildchen versehen. Statt 'Geil, was ist denn das für ein Freak' heiße es jetzt: 'Die ist aber auch schon eine Erscheinung', aus 'exotisch' werde 'extravagant' im Sinne von bisexuell, transgender, schwarz oder nicht normschlank." 23

Auf Demonstrationen sieht man Schilder, auf denen "Vielfalt", "Ich bin bunt" oder einfach nur "Mehr Liebe" steht. Keine Umfrage kommt mehr ohne Menschen mit Migrationshintergrund, keine Modekampagne ohne asiatisches, schwarzes, behindertes Model, kein Werbespot für Sextoys ohne homosexuelles Paar aus, das begeistert davon erzählt, wie rasant sich sein Sexleben durch diesen neuen Dildo aus medizinischem Silikon entwickelt habe. Wer sich in den letzten Jahren nach Aufmerksamkeit sehnte, musste eigentlich nur den Finger heben und sich als irgendwas outen, was nicht der Norm entspricht - ein Interview, eine Fotostrecke oder eine Einladung in die nächste Talkshow waren ihr oder ihm so gut wie sicher. Hauptsache nicht gewöhnlich und ganz wichtig: nicht männlich, mittelalt, heterosexuell und womöglich festangestellt, also ein Repräsentant dessen, was seit der MeToo-Debatte das "toxische Geschlecht" genannt wird.

Das alles wäre eine begrüßenswerte Entwicklung, wenn sich die Forderung nach Vielfalt dabei nicht zu einer Erlösungsstrategie entwickelt hätte, die nach einer kulturkapitalistischen Logik funktioniert und sämtliche Ungleichheiten leugnet, die es zwischen Menschen nun mal gibt, während sie das Ideal der Gleichheit verabsolutiert. Es scheint eine Tendenz von liberalen Demokratien zu sein, ungleiche Menschen in einem falschen Verständnis von Gerechtigkeit gleich behandeln zu wollen. Sind erst mal alle Konflikte und Reibungsflächen im Namen der Vielfalt abgeschliffen, so die Illusion, müsste eine friedliche Gesellschaft möglich sein; dabei ist Dissens kein Kollateralschaden, sondern die Voraussetzung von Demokratie.

2019 sorgte der Rapper Samy Deluxe für Schlagzeilen, als er öffentlich gestand, dass Fußball für ihn der "Inbegriff von Rassismus" sei, weil Fans ihren Verein pauschal über einen anderen stellten. Mit derselben Logik, so der Musiker, könne man auch meinen, dass die eigene "Rasse" einer anderen überlegen sei. 24 M

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