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Die Hoffnung war mal grün Aufstieg einer Partei: Das Frankfurter Modell von Göpfert, Claus-Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.10.2016
  • Verlag: Westend Verlag
eBook (ePUB)
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Die Hoffnung war mal grün

Was wird aus den GRÜNEN? Ein Blick zurück nach vorn. Um zu verstehen, was die Grünen heute treibt, muss man ihre Wurzeln und frühen Auseinandersetzungen kennen. In Frankfurt fing alles an. Hier lernten sich in den 1970er Jahren die späteren GRÜNEN Joschka Fischer, Jutta Ditfurth und Daniel Cohn-Bendit beim Kampf gegen Atomkraftwerke kennen. Hier trugen Fundi-Ökologen und Realos ihre hitzigen Debatten aus und entwickelten die Grundlagen für die erste rot-grüne Landesregierung mit 'Turnschuhminister Fischer' 1985 in Hessen und die erste rot-grüne Stadtregierung 1989 im Römer. Claus-Jürgen Göpfert erzählt von dieser Zeit des Aufbruchs. Von großen Hoffnungen und bitteren Enttäuschungen. Er hat mit Joschka Fischer, Jutta Ditfurth, Daniel Cohn-Bendit und vielen prägenden Personen dieser Zeit gesprochen. Ein authentischer wie bilderreicher Rückblick, der auch die Frage nach der Zukunft der Grünen und ihrer Rolle bei der Bundestagswahl 2017 stellt. Claus-Jürgen Göpfert, geboren 1955 in Wiesbaden, Studium der Politologie, Soziologie und Volkswirtschaft in Frankfurt und Köln, schreibt seit 1980 über Politik und Kultur in Frankfurt und anderswo, seit 1985 für die Frankfurter Rundschau.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 04.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864896316
    Verlag: Westend Verlag
    Größe: 7355 kBytes
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Die Hoffnung war mal grün

Prolog

Der Andrang der Journalisten, der Kamerateams, ist ungewöhnlich groß an diesem Abend im Frankfurter Römer. Die letzten Minuten vor der Schließung der Wahllokale verrinnen. Stimmengewirr, Raunen in der Wandelhalle des Rathauses, überall Bildschirme und Computerterminals. Die Spannung ist mit Händen zu greifen. Es steht politisch viel auf dem Spiel bei dieser Kommunalwahl am 6. März 2016. Vor allem für die Grünen. In Frankfurt am Main, der fünftgrößten deutschen Stadt, regiert seit fast zehn Jahren eine Koalition von CDU und Grünen. Ein Rekord für die Bundesrepublik.

Frankfurt ist seit Jahrzehnten eine der Hochburgen der Grünen in Deutschland. 2011 hatte die Partei hier einen Anteil von nicht weniger als 25,8 Prozent der Stimmen erreicht. Auch eine Folge der Atomkatastrophe von Fukushima wenige Tage zuvor. In Frankfurt war damals nur noch die CDU mit 30,5 Prozent stärker. Die Sozialdemokraten waren auf 21,3 Prozent abgestürzt, ihr schlechtestes Ergebnis in der Nachkriegsgeschichte.

Die Zukunft der Grünen, die Perspektive für Schwarz-Grün: Diese Fragen sind es, die an diesem Wahlabend Aufmerksamkeit erregen weit über Frankfurt hinaus. Als nach 18 Uhr die ersten Auszählungsergebnisse über die Bildschirme gehen, wächst die Aufregung unter den anwesenden Medienvertretern und Politikern. Die noch unvollständigen Resultate signalisieren: Absturz der Grünen, Verluste für die CDU, Gewinne der Sozialdemokraten. Die schwarz-grüne Koalition im Römer verliert ihre Mehrheit.

Die führenden Politiker der Grünen brauchen sehr lange an diesem Abend, bis sie sich mit blassen Gesichtern den Journalisten stellen. Gerade noch 15,3 Prozent verbleiben der Partei am Ende in ihrer Hochburg, ein Einbruch um mehr als zehn Prozentpunkte. Eine hilflose Suche nach Ursachen beginnt. Selbstkritik ist bei führenden Grünen in den ersten Tagen nicht angesagt. Erst bei einer überfüllten Kreisversammlung am 10. März spricht Bürgermeister Olaf Cunitz von einer "heftigen Wahlniederlage", eine "schallende Ohrfeige" sieht Umweltdezernentin Rosemarie Heilig. Doch über mögliche Gründe und Konsequenzen für den politischen Kurs der Grünen wird immer noch kaum gesprochen. Am Ende der Koalitionsverhandlungen, Anfang Juni, retten sich die Grünen noch einmal als kleinster Partner in eine Regierungskoalition mit CDU und SPD.

Es ist ein Kreis, der sich 2016 schließt. Von Frankfurt am Main aus hatten die Grünen 35 Jahre zuvor ihren politischen Siegeszug durch Deutschland angetreten. Bei der Kommunalwahl am 22. März 1981 war die Partei zum ersten Mal ins Frankfurter Stadtparlament gelangt, mit 6,4 Prozent. Sechs radikalökologische Stadtverordnete, darunter die spätere Bundessprecherin der Partei, Jutta Ditfurth, zogen in den Römer ein, während der Studentenführer Daniel Cohn-Bendit unten am Tor des Rathauses rüttelte und vergeblich Einlass begehrte. Und CDU-Stadtverordnete wütend auf das "Pack" schimpften, das da die alte, vertraute Ordnung störte.

Frankfurt war die zweite deutsche Großstadt nach Bremen, in der es die Grünen ins Parlament schafften. Jahrzehntelang bildete Frankfurt so etwas wie das politische Labor der Partei für die gesamte Bundesrepublik. Von hier kam Fischer, der 1985 in Wiesbaden erster Minister einer ersten rot-grünen Landesregierung wurde. In Frankfurt bildete sich 1989 eine rot-grüne Stadtregierung mit Modellcharakter für ganz Deutschland, mit einem Dezernat für multikulturelle Angelegenheiten etwa, das später viele Kommunen nachahmten. In Frankfurt trugen Realpolitiker und Radikalökologen in den Grünen beispielhaft ihre Auseinandersetzungen aus, die am Ende die Realos als Sieger sahen. Auch und vor allem in Frankfurt war die Hoffnung einmal grün.

Hoffnungsvoller Aufbruch:
Programmkongress 1980 Offenbach

Die Grünen sind aus sozialen Bewegungen entstanden. Aus den Bürgerinitiativen, die ge

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