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Die kreative Macht der Maschinen Warum Künstliche Intelligenzen bestimmen, was wir morgen fühlen und denken von Volland, Holger (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.02.2018
  • Verlag: Beltz
eBook (ePUB)
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Die kreative Macht der Maschinen

Leben oder gelebt werden? Immer klügere Algorithmen beeinflussen, wen wir lieben, welche Nachrichten wir lesen und ob wir einen Kredit bekommen. Bilder malen wie Rembrandt, preisgekrönte Romane schreiben oder Musik komponieren - Algorithmen scheinen einfach alles zu können. Holger Volland beschreibt, wie sich Künstliche Intelligenz bereits in unser Leben und unsere Kultur eingeschlichen hat - und was das mit uns macht. Sind Algorithmen kreativer als wir? Was können wir sie getrost für uns machen lassen - und was besser nicht? Wo lauert Gefahr für uns? Anhand vieler Beispiele aus unserem Alltag erklärt er, wo und wie KI uns persönlich betrifft. Er beschreibt, wie sie uns davon abhält, zur Wahlurne zu gehen oder wie sie psychische Krankheiten an der Telefonstimme erkennt. Und genauso entschieden sagt er uns, wo wir auf Kontrolle und Einflussnahme achten müssen - weil wir nur so selbst über unser zukünftiges Leben bestimmen und Herr im (digitalen) Haus bleiben können. Holger Volland ist Gründer des digitalen Kulturfestivals THE ARTS+ und Vizepräsident der Frankfurter Buchmesse. Schon immer waren Hochkultur und digitale Avantgarde gleichermaßen Teil seines Lebens. Als Buchhändlersohn wuchs er inmitten von Büchern und Geschichten auf. Er studierte Informationswissenschaft und arbeitete als Internetpionier bei Pixelpark, einer der ersten Multimediaagenturen, in Berlin und New York. Danach gründete Holger Volland ein Beratungsunternehmen und führte die New Economy Business School. Parallel lehrte er an der Hochschule Wismar Gestaltung und kuratierte große Ausstellungen der Gegenwartskunst in Argentinien und Deutschland. Holger Volland lebt in Frankfurt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 253
    Erscheinungsdatum: 12.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407865267
    Verlag: Beltz
    Größe: 3110 kBytes
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Die kreative Macht der Maschinen

Sprache
Maschinen lesen Shakespeare, damit sie unser Leben steuern können

Als Kind durfte ich manchmal meine Mutter bei der Arbeit besuchen, die in einer Buchhandlung in der Innenstadt von Nürnberg arbeitete. Meine Oma, die Sie ja schon kennengelernt haben, begleitete mich auf dem Weg dahin. Schon von Weitem sah ich in den beleuchteten Auslagen der Schaufenster Plakate mit schön gestalteten Buchtiteln oder Autorenporträts. Ich konnte es kaum erwarten, in den Laden hineinzugehen, wo mir der Geruch von Büchern entgegenströmte. Die deckenhohen Regale mit enggestellten Buchrücken waren für mich eine Schatzkammer voller Geheimnisse. Und in dieser Schatzkammer konnte ich stundenlang auf einem Stuhl sitzen und mir ein Buch nach dem anderen ansehen. Bilderbücher mochte ich natürlich besonders gerne, nahm aber auch medizinische Fachbücher mit gruseligen Zeichnungen von irgendwelchen Körperteilen, Reiseführer voller Bilder aus fernen Ländern oder die extrem schweren Bildbände mit ihren hochglänzenden, bunten Seiten voll von Kunstwerken. Für einen Buchhändlersohn wie mich waren Bücher natürlich von klein auf sowohl sehr vertraut als auch kostbar.

In den ersten Jahren interessierten mich vor allem die Bilder. Ich besaß einige dicke Bände über die Landschaften der Erde und all die Menschen und Tiere, die dort lebten. Da ich selbst noch nicht lesen konnte, zwang ich bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit meine Eltern oder die vielen Gäste, die bei uns zu Hause aufschlugen, zum Vorlesen. Als ich endlich selbst lesen konnte, fesselte mich eine spannende Geschichte oft so sehr, dass ich mich von dieser aufregenden Welt tagelang nicht lösen konnte. Später, ich war schon im Gymnasium, begann ich mich auch für die Sprache hinter den Geschichten zu interessieren. Hermann Hesse begeisterte mich ebenso wie Thomas Mann, später sein Sohn Klaus oder Jean Cocteau. Sie erschufen mit ihrer Art zu schreiben nicht nur eine Erzählung, sondern benutzten dafür auch Wörter, Sätze und Strukturen, die Inhalte zum Klingen, Leuchten, Duften oder Glühen bringen konnten. Sprache, so ging mir auf, war eine unerschöpfliche Ressource, um daraus neue Welten erschaffen und beschreiben zu können. Ich begann damit, in den Büchern Sätze anzustreichen, die mir besonders gefielen: "... sein Herz, er fühlte es in der Brust innen frieren wie ein kleines Tier, einen Vogel oder einen Hasen, als er sah, wie allein er sei." Das war eine solche Stelle aus dem Siddhartha , die damals das intensive Bild eines verängstigten Tieres im tiefen Schnee einer endlosen Landschaft vor meinem geistigen Auge entstehen ließ. Dazu war Sprache also fähig: Gefühle zu vermitteln, die weit über die Bedeutung von Wörtern hinausgingen!

Wieder einige Jahre später fand ich heraus, wie es ist, in fremden Sprachen, vor allem auf Englisch und Spanisch, zu lesen. Es eröffnete sich eine weitere Dimension von Sprache für mich. Alleine durch den anderen Satzbau, die ungewohnte Melodie der Silben und die fremdartige Bedeutung von Wörtern und Begriffen hatte ich das Gefühl, ein wenig die unbekannten Eigenarten eines anderen Volkes verstehen zu können. Die fremden Sprachen ermöglichten mir auch neue Formen des Denkens, weil zum Beispiel Begriffe fehlten oder es plötzlich viele Wörter mit feinsten Unterscheidungen gab für eine Sache, die im Deutschen nur durch ein Wort repräsentiert wird.

Die kluge Schriftstellerin und Apothekerin Marie von Ebner-Eschenbach schrieb einmal: "Der Geist einer Sprache offenbart sich am deutlichsten in ihren unübersetzbaren Worten." 1 Denn diese zeigen, dass es Dinge gibt, die nicht zu unserer Kultur gehören und für die wir deshalb keinen Begriff brauchen. Auch der fremde Klang von Wörtern scheint Dingen eine neue Bedeutungsebene zu geben. Kennt man nur das deutsche Wort "Schmetterling", wirkt das entsprechende Tier eben sehr viel weniger exaltiert, als wenn man

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