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Die Macht der Ehrlichen Eine Provokation von Bueb, Bernhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.09.2013
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Die Macht der Ehrlichen

Ob in der Politik, im Job oder in den sozialen Netzwerken - wir lügen, um uns Vorteile zu verschaffen. Welch katastrophale Folgen das hat, können wir jeden Tag beobachten: Dopingaffären, Bankenkrise oder der Fall Guttenberg. Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der man einander misstrauen muss? Bernhard Bueb fordert, dort etwas zu verändern, wo das Übel seinen Ausgang nimmt: bei der Erziehung der Kinder. Sie sollen früh erfahren, wie mächtig die Ehrlichen sind, wenn sie Mut zeigen.

Bernhard Bueb, 1938 in Tansania geboren, studierte Philosophie und katholische Theologie. Von 1974 bis 2005 war er Schulleiter der Eliteschule Schloss Salem am Bodensee. Seine Buchveröffentlichungen, Lob der Disziplin (2006) und Von der Pflicht zu führen (2008), waren wochenlang auf der Bestsellerliste. Bueb ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 27.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843706247
    Verlag: Ullstein
    Größe: 717 kBytes
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Die Macht der Ehrlichen

Das Ende der Aufrichtigkeit

In der Mitte des Dorfes liegt der Marktplatz, hier befinden sich nicht die Wohnhäuser, nicht die Kirche und nicht das Rathaus. Wie phantasievoll, wie anstrengungsbereit und wie klug die Teilnehmer des Marktes ihren Vorteil suchen, entscheidet über die Lebendigkeit des Dorfes. Ob die Dorfbewohner aber ein gutes Leben führen können, hängt davon ab, wie ehrlich Verkäufer und Käufer miteinander umgehen, wenn sie ihren Vorteil suchen. Der Wert der Ehrlichkeit ergibt sich nicht aus dem Markt. Menschen streben von Natur aus nach Ehrlichkeit, die Religion lehrt Ehrlichkeit als oberste Tugend, und die Politik (das Rathaus) setzt sie voraus. Doch der Trieb, seinen eigenen Vorteil zu suchen, ist so stark, dass er den Trieb zur Wahrhaftigkeit ständig gefährdet. Wenn daher der Marktplatz die Werte diktiert und der Primat der Wahrhaftigkeit nicht mehr selbstverständlich ist, gerät das Leben des Dorfes aus den Fugen.

Aus der Sicht von Wissenschaftlern und fachkundigen Journalisten ist die Welt längst aus den Fugen geraten: Der homo oeconomicus, der eigennützig denkende, auf seine Vorteile bedachte Mensch, begründe die Werte unserer Zeit. Er sei ursprünglich eine von der Wissenschaft entwickelte Kunstfigur, die dazu diene, Theorien aufzubauen und Vorhersagen zu machen. Nun aber habe sie die Denklaboratorien der Wirtschaftswissenschaft verlassen und entfalte in der wirklichen Welt eine eigene Macht. Sie sei zur Leitidee der Märkte geworden.

Bereits 2008 verurteilte Bundespräsident Horst Köhler, ein Wirtschaftsfachmann, in einem Interview das Gebaren der internationalen Finanzmärkte: Sie hätten sich zu einem »Monster« entwickelt, das in seine Schranken gewiesen werden müsse. Die Politik müsse wieder die Vorherrschaft über die Märkte gewinnen. Heute wird in Talkshows, in Zeitungskommentaren und täglichen Gesprächen die Ökonomisierung unseres gesamten Lebens für die vielen Missstände und sozialen Katastrophen verantwortlich gemacht - ein Dauerverdacht, der inzwischen selbst zur Realität, zu einer self-fulfilling prophecy geworden ist. Wie reagieren wir auf die Kassandrarufe der Fachleute? Und welche Sorgen und Ängste quälen uns?

Das Ideal des ehrbaren Kaufmanns bildete einmal das Leitbild der Wirtschaft. Seine Geschichte ist die Geschichte eines Glaubens an den absoluten Wert von Wahrhaftigkeit. Es war für Kaufleute eine Ehrensache, der Versuchung zu widerstehen, um wirtschaftlicher Vorteile willen unehrlich zu handeln. Diese Haltung machte den Stolz auf ihren Beruf aus und schaffte das Vertrauen, das wirtschaftliches Handeln zum Erfolg führt. Niederlagen vermochten die feste Burg ihrer Ethik nicht zu erschüttern. Ist das ein vergangenes Ideal?

Das heute weitverbreitete Vorteilsdenken gefährdet das ethische Handeln von Kaufleuten immens. Doch nicht nur Kaufleute sind gefährdet, auch Menschen, die Dienstleistungen »verkaufen«. Ärzte lassen sich verführen, Operationen vorzunehmen, weil sie Geld eintragen; selbst eine Autoreparaturwerkstatt könnte versucht sein, Kfz-Teile auszutauschen, die gar nicht verschlissen sind. Wer aber anfängt, solchen Versuchungen nachzugeben, wird das Ethos der Wahrhaftigkeit aufgeben.

Der Zeitgeist, der einst den ehrbaren Kaufmann stützte, scheint sich der Wahrhaftigkeit nicht mehr verpflichtet. Die Vatikanbank reiht sich in den Reigen der Lügenbanken ein. Der angesehene Präsident des FC Bayern, Uli Hoeneß, geschätzt als Mann des Gemeinwohls, hinterzieht Steuern. Bankberatern trauen wir nicht mehr über den Weg, weil sie den Kunden zu Anlagen raten, die vor allem der Bank nützen. Sie verschweigen versteckte Kosten und die Tatsache, dass mögliche Provisionen ein Motiv der Beratung sind. Wir fühlen uns Internetriesen wie Amazon ausgeliefert, die Menschen unter schlechten Arbeitsbedingungen ausnutzen, um ihren Profit zu vermehren. Berichte über solche Machenschaften nähren unser Misstrauen. Lebensmittelskandale

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