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Die Mutter aller Fragen von Solnit, Rebecca (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.11.2017
  • Verlag: Tempo
eBook (ePUB)
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Die Mutter aller Fragen

"Warum haben Sie keine Kinder?" Diese "Mutter aller Fragen" wird Rebecca Solnit hartnäckig von Journalisten gestellt, die sich mehr für ihren Bauch als für ihre Bücher interessieren. Warum gilt Mutterschaft noch immer als Schlüssel zur weiblichen Identität? Die Autorin findet die Antwort darauf in der Ideologie des Glücks und tritt dafür ein, lieber nach Sinn als nach Glück zu streben. Außerdem erklärt sie in ihren Essays, warum die Geschichte des Schweigens mit der Geschichte der Frauen untrennbar verknüpft ist, warum fünfjährige Jungen auf rosa Spielzeug lieber verzichten, und nennt 80 Bücher, die keine Frau lesen sollte. Sie schreibt über Männer, die Feministen und Männer, die Vergewaltiger sind, und setzt sich gegen jegliches Schubladendenken zur Wehr. Wenn Männer mir die Welt erklären sorgte weltweit für Furore - in ihren neuen Essays setzt Rebecca Solnit ebenso scharfsichtig wie humorvoll ihre Erkundung der heutigen Geschlechterverhältnisse fort. Ein wichtiges, Mut machendes Buch aus dezidiert feministischer Perspektive, über und für alle, die Geschlechteridentitäten infrage stellen und für eine freiere Welt eintreten. Rebecca Solnit, Jahrgang 1961, ist eine der bedeutendsten Essayistinnen und Aktivistinnen der USA. Seit den 1980er Jahren beschäftigt sie sich vor allem mit Menschenrechtsfragen und Problemen des Umweltschutzes. Sie studierte Journalismus in San Francisco und Berkeley, ist Herausgeberin des Magazins Harper's und schreibt regelmäßig Kolumnen für den Guardian . Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise. Rebecca Solnit lebt in San Francisco.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 17.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455001785
    Verlag: Tempo
    Größe: 2110 kBytes
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Die Mutter aller Fragen

1 Das Schweigen wird gebrochen

Eine kurze Geschichte des Schweigens

"Was ich am meisten bereute, war mein Schweigen. Und es gibt so viele Schweigen zu brechen."

Audre Lorde

I . Der Ozean rund um den Archipel

Schweigen ist Gold - so hieß es doch immer, als ich noch klein war. Später änderte sich alles. "Schweigen ist gleich Tod!" riefen die queeren Aktivist innen auf den Straßen, als sie gegen Ignoranz und Unterdrückung rund um das Thema Aids kämpften. Das Schweigen ist der Ozean des Ungesagten, des Unsagbaren, Unterdrückten, Ausgelöschten und Ungehörten. Er umspült die versprengten Inseln, gebildet von jenen, denen es erlaubt ist, zu sprechen, von dem, was gesagt werden kann, und von jenen, die zuhören. Das Schweigen tritt aus vielen Gründen und in vielen verschiedenen Arten auf; jede r hat sein oder ihr ganz persönliches Meer aus unausgesprochenen Wörtern.

Das Englische ist voll von Wörtern, deren Bedeutungen sich überlagern, aber in diesem Essay soll silence , das "Schweigen", als etwas betrachtet werden, das Menschen auferlegt wird, wohingegen quiet , die "Stille", etwas ist, das aktiv gesucht wird. Zwar ist die Ruhe eines stillen Ortes, die Beruhigung der Gedanken im stillen Rückzug von den Worten und der Betriebsamkeit akustisch das Gleiche wie das Schweigen der Einschüchterung oder der Repression. Psychisch und politisch sind das aber zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Was ungesagt bleibt, weil jemand Stille und Introspektion sucht, unterscheidet sich von dem, das nicht gesagt wird, weil es massive Drohungen oder viel zu hohe Hürden gibt. Es ist wie der Unterschied von Schwimmen und Ertrinken. Stille verhält sich zum Lärm wie Schweigen zur Kommunikation. Die Stille der Zuhörer in macht dem Sprechen anderer Platz, und die Stille der Leser in nimmt das auf einer Seite Geschriebene auf wie weißes Papier die Tinte.

"Wir sind wie Vulkane", bemerkte Ursula K. Le Guin einmal. "Wenn wir Frauen unsere Erfahrungen als unsere Wahrheit verkaufen, als eine menschliche Wahrheit, ändern sich sämtliche Landkarten. Neue Berge entstehen." Die neuen Stimmen brechen wie unterseeische Vulkane im offenen Meer aus, und neue Inseln entstehen - was eine gleichermaßen heftige wie erschütternde Angelegenheit ist. Die Welt verändert sich. Schweigen führt dazu, dass Menschen ohne Zuflucht leiden, dass Heuchelei und Lügen wachsen und gedeihen und Verbrechen ungestraft bleiben. Wenn unsere Stimme ein zentraler Aspekt unseres Menschseins ist, bedeutet das Stimmlos-gemacht-Werden die Entmenschlichung beziehungsweise die Exklusion von der eigenen Menschlichkeit. Und die Geschichte des Schweigens ist für die Geschichte der Frauen eine ganz zentrale.

Worte bringen uns zusammen, das Schweigen dagegen trennt uns und beraubt uns der Unterstützung, Solidarität oder auch schlicht der Gemeinschaft, die das Sprechen stiftet oder erzeugt. Manche Baumarten entwickeln ein unterirdisches Wurzelsystem, das die einzelnen Stämme miteinander verbindet und die Bäume zu einem so stabilen Ganzen verwebt, dass sie nicht mehr so schnell vom Wind umgeweht werden können. Geschichten und Unterhaltungen sind wie diese Wurzeln. Über ein ganzes Jahrhundert hinweg war die menschliche Reaktion auf Stress und Gefahr definiert als "Kampf oder Flucht". In einer im Jahr 2000 durchgeführten Studie stellten mehrere Psycholog innen an der University of California, Los Angeles, fest, dass die diesbezügliche Forschung größtenteils auf Testreihen an männlichen Ratten und Männern basierte. Die Untersuchung von Frauen brachte sie auf eine dritte, ebenfalls oft angewandte Möglichkeit, sich angesichts von Stress und Gefahr zu verhalten: sich solidarisch zusammenzuschließen, sich zu unterstützen, sich g

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