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Die Stadt, in der ich lebe ORF-Korrespondenten erzählen

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2014
  • Verlag: Verlag Kremayr & Scheriau
eBook (ePUB)
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Die Stadt, in der ich lebe

Tagtäglich berichten sie in den Nachrichten von der großen Politik - in diesem Buch zeigen sich die ORF-Korrespondenten von einer anderen Seite: Persönlich, anekdotisch und pointiert erzählen sie von der Mentalität der Menschen, von lokalen Besonderheiten, von Problemen des Alltags und dem Pulsieren 'ihrer' Stadt. Touristische Geheimtipps, etwa zum originellsten Museum, zum spannendsten Markt und zum schönsten Park, ergänzen diese Städteporträts der anderen Art. Bettina Prendergast - London; Eva Twaroch - Paris; Cornelia Primosch - Brüssel; Peter Fritz - Berlin; Josef Manola - Madrid; Mathilde Schwabeneder - Rom; Ernst Gelegs - Budapest; Christian Wehrschütz - Belgrad; Carola Schneider - Moskau; Christian Schüller - Istanbul; Karim El-Gawhary - Kairo; Ben Segenreich - Tel Aviv; Hannelore Veit - Washington; Jörg Winter - Peking Walter Erdelitsch, 1972 Schulabschluss am United World College of the Atlantic, Großbritannien. Ausgedehnte Studien- und Wanderjahre. Ab 1989 ORF-Auslandsreport. 1991-96 aktuelle Berichterstattung und Dokumentationen (BBC) auf dem Balkan. Danach in verschiedenen Funktionen bei Dokus und Magazinen im ORF und bei 3sat. Seit 2011 Redaktionsleiter des ORF-Weltjournal.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 26.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783218009454
    Verlag: Verlag Kremayr & Scheriau
    Größe: 8099 kBytes
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Die Stadt, in der ich lebe

Mein London

Bettina Prendergast

30 Millionen Besucher im Jahr können nicht irren. Rote Doppeldeckerbusse, Big Ben, St. Paul's Cathedral und die Tower Bridge. London ist eine Stadt, die jeder einmal gesehen haben sollte und an der man bei jedem Besuch neue Seiten entdeckt. London ist immer in Bewegung und hält zugleich seine 2000-jährige Geschichte lebendig. Sie ist das Zuhause von 270 Nationen, über 300 Sprachen werden in der Stadt gesprochen. Die Metropole an der Themse ist ständig im Blick der Weltöffentlichkeit. Sie war Schauplatz der Finanzkrise 2008, Kulisse für die Königliche Hochzeit 2011 und Gastgeberin der Olympischen Sommerspiele 2012. London hat aber viel mehr zu bieten, als das Touristenauge wahrnimmt. Erst wenn man in dieser Stadt lebt und arbeitet, öffnet sich London wirklich und zeigt seine vielen Gesichter.

Mich verbindet mit London eine leidenschaftliche Hassliebe, London kann an einem Tag laut, hektisch und schmutzig sein und ist 24 Stunden später elegant, tolerant und unterhaltsam. Es ist eine Stadt der Gegensätze. Man lernt mit der Zeit diese Launenhaftigkeit, damit ist nicht nur das Wetter gemeint, geduldig wie alle anderen Londoner zu ertragen.
Der unterirdische Moloch

Die größte Hürde im Alltag beginnt gleich am frühen Morgen, dann zehrt London bereits an den Energiereserven seiner Bewohner. Wer in London wohnt, ist immer in Eile und meistens damit beschäftigt, einen Bus, einen Zug oder ein freies Taxi zu erwischen. Das größte öffentliche Verkehrsnetz Europas befördert Pendler an ihre Arbeitsplätze, mehr als eine Million Menschen strömen von außerhalb in die Stadt, Hauptschlagader des öffentlichen Verkehrs ist die 150 Jahre alte U-Bahn. Die "Tube", wie sie von den Londonern genannt wird, ist ein fast unüberschaubares Labyrinth an Tunneln. Sie befördert die Pendler bis weit über die Stadtgrenzen hinaus in die umliegenden Grafschaften. Londons unterirdische Welt sorgt dafür, dass die Stadt nicht stillsteht, eine Meisterleistung, wenn die Linien funktionieren, ein Albtraum im Falle einer Panne. Es ist schon schlimm genug, zusammengepfercht mit Hunderten anderen in einem stickigen U-Bahn-Zug eine halbe Stunde durch die Stadt zu fahren, bleibt die "Tube" jedoch stehen, ist Nervenstärke gefragt. Ich denke mit Bewunderung an die Leute in einem U-Bahn-Zug zurück, die eine sehr nervöse junge Frau beruhigten, als wir wegen eines technischen Defekts 40 Minuten bei brütender Hitze festsaßen - die meisten von uns standen. Die Frau hatte 2005 die Bombenanschläge auf die U-Bahn miterlebt, die Panne hat wohl diese traumatischen Ereignisse wieder an die Oberfläche gebracht und sie begann zu hyperventilieren. Ein Plastiksack zum Aus- und Einatmen und gutes Zureden haben geholfen, diese Panikattacke abzuwehren. Notfälle wie dieser setzen auch das ungeschriebene Gesetz außer Kraft, dass man unter gar keinen Umständen mit fremden Personen in der U-Bahn ein Wort wechselt.
Die Gesetze der Höflichkeit

Eine weitere eiserne Regel ist die Höflichkeit. Es ist selbstverständlich, in fast jeden zweiten Satz ein "Sorry" oder "Excuse me" einzuflechten. Ganz egal, ob man nun wirklich einen Fehler gemacht hat oder nicht. Es genügt schon, im Supermarkt einem anderen Einkaufswagen etwas zu nahe zu kommen, dann ist ein "terribly sorry" mehr als angebracht. Tut man das nicht, muss man aber keine Rüge fürchten, der Londoner ist viel zu höflich, um sich über schlechte Manieren zu beschweren. Nur in einem Fall sind lautstarke Proteste vorprogrammiert. Es ist in der Tat eine Todsünde, sich in einer Schlange vorzudrängeln, sei es nun bei der Bushaltestelle oder vor der Imbissstube. Ob Lord oder Lagerarbeiter, keiner wird bevorzugt. Sollte es aus irgendeinem unerfindlichen Grund einmal keine Schlange geben, fragt der gelernte Londoner, wo die nächste Schlange sei. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sie gerne anstehen, im Gegensatz zur U-Bahn ist ein re

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