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Ede und Unku - die wahre Geschichte Das Schicksal einer Sinti-Familie von der Weimarer Republik bis heute von Lauenberger, Janko (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.02.2018
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
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Ede und Unku - die wahre Geschichte

"... eine anrührende, aufrüttelnde und zartbittere Geschichte ..." (Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung) Ede und Unku - mit über 5 Mio Exemplaren eines der meistverkauften Bücher in Deutschland. Die Erstausgabe erschien 1931, das Buch war viele Jahre Schullektüre und erzählt von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Arbeiterjungen Ede und dem Sintimädchen Unku während der Weimarer Republik. Doch was kaum jemand weiß: Schon kurz nach der Machtergreifung Hitlers wurde das Buch verboten und das "Zigeunermädchen" Unku in einem Konzentrationslager umgebracht. Der Musiker Janko Lauenberger ist Unkus Ur-Cousin. Er erzählt in diesem Buch ihre wahre Geschichte und gleichzeitig seine eigene als Sintikind in der ehemaligen DDR und später im wiedervereinigten Deutschland. Zeitgeschichte - persönlich und emotional Ein Stück deutsch-deutscher Nachkriegsgeschichte ZDF plant Dokumentarfilm DDR-Kindheitserinnerungen werden wach Janko Lauenberger, 1976, arbeitet als Musiker in Berlin und hat bereits mit Jazzgrößen wie Ferenc Snetberger gespielt. Ausgebildet hat ihn sein Vater, Gründer der DDR-Kultband 'Sinti Swing Berlin'. Seit seinem 16. Lebensjahr spielt Lauenberger in der Band mit, widmet sich aber auch eigenen musikalischen Projekten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 26.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641221850
    Verlag: Gütersloher Verlagshaus
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Ede und Unku - die wahre Geschichte

2. WIE UNKU IN EIN BUCH GERIET

(1929 BIS 1933)

Die meisten Sträucher und Bäume sind noch kahl. Aber wenn sie die Augen schließt und das Gesicht in die Sonne hält, spürt Unku schon die Kraft ihrer Strahlen. Auch wenn sie noch nicht ausreicht, um den Boden, über dem die nackten Füße des Mädchens baumeln, zu wärmen. Es spürt die Kälte an seinen Zehen. Unku sitzt im Türrahmen des Wohnwagens und atmet die klare Aprilluft ein, die sich mit dem Geruch frischer Farbe vermischt. Ihre Familie hat den Wohnwagen gerade erst grün gestrichen. Wie jeden Frühling. Im Sommer werden sie ihre Pferde davorspannen und Richtung Südosten ziehen. Bis zur Elbe und noch weiter. Erst im Herbst werden sie wieder nach Berlin zurückkehren.

Im Holzstall wiehert Schabati, das gefleckte Pony. Aus dem Brombeergestrüpp nebenan dringt geschäftiges Vogelgezwitscher. Es übertönt die Geräusche der Großstadt. Die bleiben oberhalb des sanft abfallenden Hangs, der die Wohnwagenbewohner an seinem Fuße vor dem Rest Berlins zu schützen scheint - vor der Hast der Menschen, dem Rauch der Fabrikschlote, den Autos und den Straßenbahnen, die bald die letzte Pferdedroschke verdrängen werden. Sogar ihr schrilles Klingeln, das die Fußgänger warnen soll, ist hier nur gedämpft zu hören, obwohl die nächste Haltestelle nicht weit entfernt ist. Auf einem Stück Wiese neben einer Schutthalde zupft eine Ziege das junge Gras. Unkus Blick bleibt an einer Frau hängen, die auf der Anhöhe steht.

Die Fremde sieht sie an, sie beobachtet sie. Für die Neunjährige ist das nichts Ungewöhnliches. Die Gadsche tun das oft, mal mit Neugierde, mal mit Furcht und manche auch mit Hass in den Augen. Und so kümmert sich Unku nicht weiter um die Fremde, sondern hangelt sich stattdessen vom Wagen und läuft hinüber zum Stall. Als sie noch einmal kurz zum Hang schaut, ist die Frau verschwunden.

Unku wird ihr wieder begegnen: Wenige Tage später steht sie mit ihrer Cousine Kaula beim Bäcker an der Ecke, als eine junge Frau den Laden betritt. Unku erkennt sie. Es ist die Fremde vom Hang. Sie bleibt vor den Kindern stehen: "Euch habe ich doch schon einmal gesehen. Wie heißt ihr denn?" "Unku", antwortet Unku. Die Fremde fragt Kaula: "Und du?" "Kaula." Die Frau lächelt. "Schöne Namen habt ihr!", sagt sie und deutet mit ihrer Hand Richtung Stadtrand, wo die Papierstraße in die Laubenpieperkolonie mündet. "Ihr wohnt dahinten in den Wohnwagen, oder?" Die Mädchen nicken. Sie sind verlegen. Was will die Fremde von ihnen? Nicht, dass sie ihnen nicht gefällt - im Gegenteil, ihr gleichmäßiges Gesicht wird von schwarzen Haarwellen umrahmt, die ihre hellen Augen noch heller wirken lassen. Als würden sie unter den fein gezupften Brauen leuchten. Schön ist sie, fast wie ein Filmstar. Grete heißt die Frau.

Aufgewachsen ist sie als Margarete Bernheim in Salzburg. Als der Krieg 1918 endet, bringt der Frieden ihrer Familie kaum Erleichterung. Aus Osteuropa sind jüdische Flüchtlinge in der Stadt gestrandet, die nun verarmt in Barackensiedlungen wohnen. Die Salzburger sehen auf sie herab und bald auch auf die alteingesessenen Juden wie die Bernheims. Die Atmosphäre ist bedrückend, auch daheim: Gretes Vater, ein Verkäufer, ist jahrelang arbeitslos. Sie will nur noch weg. Mit 17 geht sie nach Innsbruck, wo sie in einem Warenhaus ihr erstes Geld verdient. Mit dem kann sie sich schließlich ein kleines Zimmer zur Untermiete leisten, in der Wohnung einer Eisenbahnerfamilie. In dieser Zeit beginnt sie zu schreiben - kurze Texte, nur für sich.

Drei Jahre später folgt sie ihrer älteren Schwester Gertrud nach Berlin. Bevor Grete sich hier ganz dem Schreiben widmet, arbeitet sie als Angestellte im Verlag ihres Schwagers, dem Malik-Verlag, und als Sekretärin in der Sowjetischen Handelsvertretung. Fast alle Menschen um sie herum sind Kommunisten - zumindest jene, die ihr wichtig sind. Grete will ebenso revolutionär wie ihre Freunde sein, sie will für eine ge

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