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Einer von uns Die Geschichte eines Massenmörders von Seierstad, Åsne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.04.2016
  • Verlag: Kein & Aber
eBook (ePUB)
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Einer von uns

Wie konnte sich Anders Breivik, der im wohlhabenden Westen aufwuchs, zu einem perfiden Terroristen entwickeln? Åsne Seierstads ausgezeichnetes Buch ist gleichzeitig psychologische Studie und literarisches True Crime, gleichzeitig Würdigung der Opfer und eine messerscharfe Analyse einer Tat, die sich jederzeit und überall wiederholen könnte. Åsne Seierstad, geboren 1970 in Oslo, als Korrespondentin und Kriegsberichterstatterin für verschiedene internationale Zeitungen und ist Autorin mehrerer Sachbücher. Sowohl als Journalistin als auch für ihren weltweiten Bestseller "Der Buchhändler aus Kabul" (2002) wurde sie vielfach ausgezeichnet. Sie lebt in Oslo.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 28.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783036993294
    Verlag: Kein & Aber
    Größe: 2908 kBytes
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Einer von uns

Ein neues Leben (1979)

"Man will geliebt werden, mangels dessen bewundert, mangels dessen gefürchtet, mangels dessen gehasst und verachtet. Man will irgendein Gefühl in den Menschen wecken. Die Seele schreckt vor der Leere zurück und sucht um jeden Preis Kontakt." 1

Hjalmar Söderberg, Doktor Glas (1905)

Es war einer jener klaren, kalten Wintertage, an denen Oslo funkelt. Die Sonne, die die Menschen schon fast vergessen hatten, ließ den Schnee glitzern. Passionierte Skiläufer blickten sehnsüchtig durchs Bürofenster auf die weißen Berge, die Sprungschanze und den blauen Himmel.

Stubenhocker verfluchten die zwölf Minusgrade, denn wenn sie hinausmussten, zitterten sie in dicken Pelzjacken und gefütterten Stiefeln. Die Kinder trugen mehrere Schichten Wolle unter den Schneeanzügen, Schreie und Quietschen tönten von den Rodelhügeln der Kindergärten, die wie Pilze aus dem Boden geschossen waren, seit immer mehr Frauen zur Arbeit gingen.

Vor der alten Klinik im Norden der Stadt hatten die Räumfahrzeuge Berge von Schnee aufgetürmt. Er knirschte unter den Füßen der Besucher.

Es war ein Dienstag, der 13. Februar.

Am Haupteingang fuhren Autos vor, aus denen werdende Mütter stiegen, gestützt von werdenden Vätern. Sie waren ganz in ihr persönliches Drama vertieft, gespannt auf das neue Leben, das zu ihnen kommen würde.

Seit den frühen Siebzigerjahren durften auch Väter der Geburt in norwegischen Kliniken beiwohnen. Anstatt auf dem Gang hin und her zu laufen und auf Schreie zu warten, durften sie nun zusehen, wie der Kopf ihres Babys herauskam. Sie rochen das Blut und hörten den ersten Schrei ihres Kindes. Die Mutigsten unter ihnen bekamen von der Hebamme eine Schere in die Hand gedrückt, um die Nabelschnur zu durchtrennen.

Die Gleichstellung der Geschlechter und eine neue Familienpolitik waren typische Slogans des Jahrzehnts. Haus und Kinder waren keine reine Frauensache mehr, die Väter waren von Anfang an in die Erziehung involviert, schoben Kinderwagen und kochten Babybrei.

Auf einem der Zimmer litt eine Frau große Schmerzen. Die Wehen waren heftig, aber das Baby wollte nicht kommen. Sie war schon neun Tage über dem Termin.

"Nimm meine Hand!", stöhnte sie zu dem Mann, der am Kopfende stand. Er ging zu ihr, ergriff ihre Hand und hielt sie fest. Es war sein erstes Mal. Zwar hatte er drei Kinder aus einer früheren Ehe, aber damals war er folgsam draußen geblieben, bis er die Kinder sauber eingewickelt in Empfang nehmen durfte - zwei in Hellblau, eines in Rosa gehüllt.

Die Frau keuchte, der Mann hielt ihre Hand.

Sie hatten sich vor einem Jahr in der Waschküche eines Mietshauses in Frogner kennengelernt. Sie wohnte in einer Einzimmerwohnung im Erdgeschoss zur Miete, er besaß eine größere Wohnung im ersten Stock. Er - ein frisch geschiedener Diplomat auf Heimatdienst nach zwei Stationierungen in London und Teheran. Sie - Krankenpflegehelferin und alleinerziehende Mutter einer vierjährigen Tochter. Er war dreiundvierzig Jahre alt, mager und hatte schütteres Haar, sie war elf Jahre jünger, schlank, hübsch und blond.

Kurz nach ihrer ersten Begegnung war sie schwanger. Sie heirateten in der norwegischen Botschaft in Bonn, wo er an einer Konferenz teilnahm. Er verbrachte eine Woche dort, sie nur zwei Tage, während eine Freundin auf ihre Tochter aufpasste.

Am Anfang freute sie sich über die Schwangerschaft, aber nach ein oder zwei Monaten überkamen sie Zweifel, und sie wollte das Kind nicht mehr haben. Immer, wenn seine drei Kinder zu Besuch kamen, wirkte er kühl und distanziert. Der Mann schien keine Freude an Kindern zu haben - sollte sie wirklich noch ein Kind mit ihm in die Welt setzen?

Im selben Monat, als sie schwanger wurde, hatte das norwegische Parlament mit einer Stimme Mehrheit für das Recht auf selbstbestimmte Abtreibung gestimmt. Das neue Gesetz sah di

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