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Eingemischt! Zwischenrufe eines älteren Herrn von Reuter, Edzard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.10.2015
  • Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
eBook (ePUB)
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Eingemischt!

Edzard Reuter hat sich immer eingemischt - und mit diesem Buch macht er es wieder. Er ist ein intellektueller Widerspruchsgeist, der sich weder beirren noch so leicht zum Schweigen bringen lässt.. .. und er hat eine Meinung, eine Haltung, die man unter ehemaligen und aktuellen Wirtschaftsführern allzu oft vermisst, was der politischen Kultur in diesem Lande nicht gerade dienlich ist. Orientierungslosigkeit, Gleichgültigkeit und Ignoranz gegenüber den zentralen politischen Herausforderungen sind für ihn die Totengräber einer demokratischen, teilhabenden und empathischen Gesellschaft. Ähnelt Deutschland zunehmend einem 'politischen Friedhof', auf dem die emanzipatorischen Pflänzchen bereits wieder welken? Dreht sich der Mainstream an den rechten Rand? Droht eine Spaltung der Gesellschaft durch das Auseinanderklaffen zwischen extremem Reichtum auf der einen, zunehmend privater und öffentlicher Armut auf der anderen Seite? Ezard Reuter sucht keine abschließenden Antworten, besitzt keine endgültigen Wahrheiten. Er beobachtet - und analysiert. Er erinnert daran, dass es nie zuvor in der Geschichte gleichzeitig eine solche Vielzahl von krisenhaften Konflikten gegeben hat wie heute. Nie zuvor waren daran so unberechenbare Akteure, so radikalisierte ethnische oder religiöse Gruppen beteiligt wie in der Gegenwart. Und nie zuvor bestand die Gefahr, dass der Zusammenbruch großer Staaten oder Finanzunternehmen ein unübersehbares Chaos auslösen könnte. Der Sozialdemokrat Reuter bietet keine wohlfeilen Lösungen an. Er würde einen solchen selbstgestellten Anspruch auch als anmaßend empfinden. Seine 'Zwischenrufe' versteht er als Mahnung, den längst gestellten Wecker nicht zu verschlafen.

Geboren 1928 in Berlin als Sohn des Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter. Aufgewachsen in Ankara (Türkei). Studium der Mathematik, Physik und Rechtswissenschaften. Ab 1956 Tätigkeit in Wirtschaftsunternehmen. Von 1964 an in leitenden Funktionen bei der Daimler-Benz AG in Stuttgart, ab 1973 Vorstandsmitglied und von 1987 bis 1995 Vorstandsvorsitzender des Automobilherstellers. Edzard Reuter ist Ehrenbürger von Berlin und Autor mehrerer Bücher, in denen er Stellung zu gesellschaftspolitischen Themen nimmt. Der Sozialdemokrat engagiert sich in zahlreichen kulturellen, wissenschaftlichen und medialen Gremien und lebt mit seiner Frau Helga in Stuttgart. Mit ihr 1995 Gründung der 'Helga und Edzard Reuter-Stiftung' für gesellschaftliche Integration.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 188
    Erscheinungsdatum: 26.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863512552
    Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
    Größe: 575 kBytes
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Eingemischt!

Moden

Irgendwann während des Überganges vom 20. zum 21. Jahrhundert muss es geschehen sein. Hierzulande brach eine bis dahin unbekannte Seuche aus. Zuerst befiel sie nur eine (wenn auch nicht kleine) Minderheit. Für jedermann sichtbar trat sie zunächst in Teilen des Gesichts auf. Oft genug breitete sie sich jedoch mit der Kraft eines Tsunami bis weit an den Hals aus, vereinte sich vorn mit den Brusthaaren und erreichte nach hinten die Ohren. Betroffen waren nur männliche Mitbürger. Die Frauen blieben verschont. Für die befallenen Zeitgenossen hat sich bis heute kein wirksames Gegenmittel gefunden. Unbekannt, wie die Krankheit bis zu ihrem Ausbruch gewesen war, trug sie zuerst auch keine - jedenfalls allgemein verbreitete - medizinische Bezeichnung. Das hat sich inzwischen geändert: Die Rede ist von "pestilentia communis barbaricorum", vulgo: der "gemeinen Bartsucht". Angespielt werden soll mit diesem Begriff offenbar auf die Kennzeichnung als Barbar, den nicht nur die alten Griechen, sondern auch noch die alten Römer verwendeten, wenn ihnen jemand begegnete, bei dem es sich nach ihrem Verständnis um einen fremden, ganz und gar unkultivierten Menschen handelte.

Freilich blieben auch unsere weiblichen Zeitgenossinnen nicht vom Befall mit einer Seuche verschont. Sie ist nicht minder geheimnisvoll als die gemeine Bartsucht. Der virale Erreger war zwar schon seit längerer Zeit bekannt, aber offensichtlich über eine längere Wegstrecke hinweg "eingeschlafen". Im Gegensatz zu ihrer männlichen Spielart sprießt diese weibliche Krankheit nicht von innen heraus, sondern wirkt sich als zwanghafte Verunstaltung des eigenen Körpers aus. Nach dem erstmaligen Befall wird die Verstümmelung zwar erst mit jahrelanger Verzögerung sichtbar, doch gleich nach der anfänglichen Infektion mit dem Virus überfällt sie die Patientin mit einer rätselhaften Versuchung.

Im alten, vorkommunistischen China soll ein offensichtlich verwandter Erreger dazu geführt haben, die Füße junger Mädchen durch rigoroses Einschnüren zu verkrüppeln. Das galt als Schönheitsmerkmal und verbesserte die Heiratschancen. Hierzulande wurden dagegen die Frauen ganz plötzlich von einem unwiderstehlichen Drang überfallen, ihre Beine durch das Tragen seltsamer Schuhe zu verlängern. Von Modesaison zu Modesaison wuchsen die Absätze in ungeahnte Höhen, während sie zugleich immer schmaler wurden. Rasant beleben sie auf diese Weise einen offensichtlich neidgetriebenen Wettstreit unter den Trägerinnen - die wohl gleichermaßen von dem Bestreben erfasst werden, möglichst alle Blicke auf sich zu ziehen, wie durch den sportlichen Ehrgeiz, die Grenze herauszufinden, bis zu der man sich noch vorwärts oder rückwärts bewegen kann, ohne das Gleichgewicht zu verlieren und im Krankenhaus zu landen.

Ich habe nicht das Geringste einzuwenden, wenn George Clooney oder vergleichbar attraktive Männer es bevorzugen, mit einem Dreitagebart herumzulaufen. Genauso wenig bekomme ich allein schon deswegen einen Lachanfall, weil mir ein oberbayerisches Mannsbild über den Weg läuft, das meint, seine Männlichkeit durch das Tragen eines sorgfältig gestutzten Vollbarts samt eines sorgfältig gezwirbelten Schnauzers beweisen zu müssen. Noch einmal anders geht es mir, wenn ich nicht mehr umhin kann, vor Neid zu erblassen - etwa dann, wenn mich die wie aus dem Ei gepellte Bartfrisur von Kai Diekmann bewusst macht, wie wenig es doch Laien wie mir ansteht, daran zu zweifeln, dass alles überragende intellektuelle Modernität ganz zwangsläufig mit solcher männlichen Schönheit einhergehen muss.

In der Mehrzahl aller Fälle ergeht es mir freilich durchaus anders. Regelmäßig frage ich mich dann, warum wohl diejenigen, die von der Seuche betroffen sind, beim Blick in den Spiegel nicht auf die Idee kommen, dringend ärztlichen Rat in Anspruch zu nehmen. Nicht selten ekelt mich sogar der Anblick, kaum weniger als derjenige von Bettlern, die mittels äußerlicher Ver

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