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Everybody's Gypsy Popkultur zwischen Ausgrenzung und Respekt von Reinhardt, Dotschy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.04.2014
  • Verlag: Metrolit Verlag
eBook (ePUB)
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Everybody's Gypsy

Dotschy Reinhardt erzählt von der 'Gypsy-Kultur' und von den falschen Bildern, die es davon gibt. Sie erklärt, wie sich Sinti und Roma selbstbewusst gegen Ausgrenzung und die Aneignung ihrer Kultur behaupten. Und sie nimmt uns mit auf einen Roadtrip durch die Zentren der Popkultur mit Geschichten über Musik und Mode, Literatur und Kunst, Film, Fernsehen und Alltag. Der sogenannte Gypsy-Style ist fest in unserem Alltag, vor allem in der Popkultur, verankert. In Musik, Film, Fernsehen, Literatur und Mode bedient man sich gerne bei alten und falschen Klischees, die den 'Gypsys' zugeschrieben werden - sie versprechen Freiheit, Sinnlichkeit und Emotionen. 'Everybody's Gypsy'? Jedenfalls manchmal. Dabei haben Sinti und Roma seit Jahrhunderten auf ganz unterschiedliche Weise unsere Kultur bereichert. Dotschy Reinhardt widmet sich diesen Phänomenen, hat Musiker, Filmemacher, Autoren und andere Kulturschaffende von Berlin bis New York besucht. Sie zeigt wie gelebte Erinnerung zukunftsweisend ist. Und warum man besser kein 'Zigeunerschnitzel' bestellt. "Dotschy Reinhardt kann nicht nur singen, sondern auch in witzigen Anekdoten über ihre nicht ganz normale Kindheit als Sinteza in Süddeutschland berichten." WDR 5 "Everybody's Gypsy - ein sehr persönliches Buch, das so manch neuen Blickwinkel eröffnet. Danke dafür!" Puzzle, BR "Ein bisschen wild, etwas ungeordnet, durchaus auch mal dozierend, vor allem aber impulsiv und mit Herzblut verfasst [...]. Gerade das macht den Charme dieses Buches aus." Münchner Merkur "Dotschy Reinhardt [bietet] keine kultursoziologischen Ausführungen über Sinti und Roma, sondern die Selbstbeschreibung einer Sinteza in Deutschland [...]. Durch ihre Augen, streckenweise in tagebuchartiger Intimität, werden sowohl die leidvolle Ausgrenzung als auch das Bedürfnis nach Respekt eindringlich nachvollziehbar." Deutschlandradio Kultur "Reinhardt gelingt es also, diskriminierende Strukturen zu benennen und dennoch das Positive hervorzuheben." Aviva "Wenn du dich also für die Geschichte der kulturellen Schöpfungen von Sinti und Roman interessierst, dann lass dir dieses Werk nicht entgehen. Es räumt mit falschen Vorurteilen auf und öffnet dir in vielerlei Hinsicht die Augen." Zuckerkick.de

Dotschy Reinhardt, geboren 1975, lebt und arbeitet als Jazzmusikerin in Berlin. 2008 erschien ihr Buch 'Gypsy. Die Geschichte einer großen Sinti-Familie'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 03.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783849303013
    Verlag: Metrolit Verlag
    Größe: 3682 kBytes
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Everybody's Gypsy

Everybody's Gypsy
"Feuer im Blut" – Ugly Gadjo
Ich kenne die Männer, die an der Bar sitzen. Es sind die bekanntesten "Manouche-Gitarristen", die der "Gypsy-Swing" zurzeit zu bieten hat: das Rosenberg-Trio etwa, Dorado Schmitt und der Jazzgitarrist Biréli Lagrène. Die meisten von ihnen sind Franzosen oder Belgier, so wie ihr großes Idol, der Sinti-Gitarrenvirtuose Django Reinhardt, der in den dreißiger bis fünfziger Jahren für großes Aufsehen in der internationalen Musikwelt sorgte und bis heute zu den bekanntesten Jazzmusikern der Welt zählt. Sie haben weltweit Karriere gemacht. Jeder verdient meinen Respekt, das gilt auch für die anderen, weniger bekannten "Django-Anhänger" und selbstverständlich für die "Hobby-Gypsys". Letztere zeigen sogar einem echten Sinto oder Rom, wie man die unvermeidlichen Klischees als "Gypsy" gefälligst auszufüllen hat: eben möglichst "authentisch" ...
"Du bist keine Zigeunerin", sagt der Geiger an der Bar zu mir. Diesmal ist es eine andere Bar, in der ich – selbst Jazzmusikerin – gerade mein Konzert erfolgreich beendet habe. "Ick bin en Zigeuner, ich hab Feuer im Blut. Als Zigeunerin musste doch heiß und leidenschaftlich sein." Damit ich wenigstens nicht in den Bereich seiner bierverpesteten Fahne gerate und auch kein weiteres meiner Sinnesorgane von ihm belästigt wird, drehe ich mich noch weiter von ihm weg. Der Teller Boudoir Noir mit Kartoffelstampf, den der Kellner vorsichtig zwischen meine auf dem Tresen aufgestützten Ellbogen schiebt, und mein Wein werden mich schon ganz schnell in wohligere Geschmacksebenen katapultieren, weit weg von diesem Menschen und seinem Zigeunergefasel. "Du bist keine Zigeunerin!", sagt er erneut und betrachtet mich mit einem fast verächtlichen Blick, dabei unsicher auf den Füßen. Er ist betrunken und wütend, und er fühlt sich betrogen wie so viele andere, weil ich seiner Vorstellung einer "feurigen Zigeunerin" nicht entsprochen habe.
Als mein innerliches Wutthermometer plötzlich von null auf hundert hochschießt, möchte ich mich am liebsten zu diesem "ugly Gadjo" 1 umdrehen, um ihm einen ordentlichen verbalen Faustschlag zu verpassen, der sich für seinen zukünftigen Psychiater als finanzieller Glücksfall herausstellen könnte. Es hätte nur noch gefehlt, dass er sagt: "Du bist keine von uns!" Ja, das Gefühl kennen ich und viele Sinti und Roma nur zu gut: nicht dazuzugehören.
Aber in einem Punkt hatte er zumindest recht: Ich bin keine Zigeunerin, ich bin Sinteza.
"Spiel, Zigeuner"
Etwas abwesend nehme ich am nächsten Morgen, eingehüllt in einen Nebel nachwirkender Traumatisierung, einen ersten Schluck von einem viel zu schwach aufgebrühten Kaffee. Während ich diesen nur Sekunden später mit einer unkontrollierten Bewegung über den ganzen Tisch schütte, stellt sich mir die Frage: "Dürfen wir wirklich nur dazugehören, wenn wir die Vorstellungen dieser Mehrheitsgesellschaft erfüllen?"
Yasmin reagiert nicht. Auch gut, es war ohnehin eher eine rhetorische Frage an meine Freundin, die gerade voll konzentriert damit beschäftigt ist, den Kaffeesee auf unserem Tisch mit einem halben Küchentuch aufzuwischen. Das würde ja bedeuten, dass Sinti und Roma, die zu ihren Wurzeln als solche stehen und ihre Herkunft nicht verstecken, keine künstlerische Freiheit in Anspruch nehmen dürften. Somit gäbe es für sie kaum Freiräume zur Entfaltung und zur künstlerischen Selbstverwirklichung. Freiräume, die andere Menschen ganz se

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