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Fantasyland 500 Jahre Realitätsverlust - Die Geschichte Amerikas neu erzählt von Andersen, Kurt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.09.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Fantasyland

"Das postfaktische Zeitalter ist kein unerklärliches und verrücktes neues Phänomen. Im Gegenteil: Was wir jetzt sehen, ist nur die Spitze des Eisberges", schreibt Kurt Andersen in seinem aufsehenerregenden Buch Fantasyland. Der Hang zum Magischen und Fantastischen, so der preisgekrönte Kulturjournalist, ist tief in die kollektive DNA der Amerikaner eingeschrieben. Er entstand, als europäische Siedler erstmals den Boden der "Neuen Welt" betraten, im Gepäck vor allem eins: ausgeprägten Individualismus und Lebensträume und Fantasien von epischem Ausmaß. Mitreißend und eloquent erzählt Andersen vom großen amerikanischen Experiment - und warum es so spektakulär scheiterte. Wer verstehen will, wie die Grenze zwischen Realität und Illusion derart verrutschen und ein Mann wie Donald Trump es ins Weiße Haus schaffen konnte, muss dieses Buch lesen. Kurt Andersen ist amerikanischer Journalist und Mitbegründer des legendären 'Spy-Magazins'. Er schreibt für 'The New Yorker' und das 'Time Magazine' und moderiert die in Amerika sehr populäre Radiosendung 'Studio 360'. Sein erster Roman 'Tollhaus der Möglichkeiten' erschien 2000 im Karl Blessing Verlag. Andersen lebt mit seiner Frau und seinen Töchtern in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 736
    Erscheinungsdatum: 17.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641231835
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Fantasyland. How America Went Haywire. A 500-Year History
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Fantasyland

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Auf nach Fantasyland!

DIE IDEE ZU diesem Buch ist über einen langen Zeitraum in mir gekeimt. Schon ein paar meiner Artikel aus den späten Neunzigern gingen in die Richtung - Artikel über die amerikanische Politik, die immer mehr zum Showbusiness geriet, über Babyboomer, die sich alle Mühe gaben, für immer jung zu bleiben, über haltlose Verschwörungstheorien, die sich immer stärker etablierten, und über die explosionsartige Verbreitung von Talkradio -Sendungen, in denen es mehr und mehr vor allem um die haarsträubenden Ansichten der Moderatoren ging. 1999 erschien ein Roman von mir über einen Fernsehproduzenten, der zwei zukunftsweisende Serien auf den Markt bringt: eine Krimiserie, bei der die fiktiven Charaktere mit der echten Polizei zusammenarbeiten und echte Verbrecher hinter Gitter bringen, und ein Nachrichtenformat, dessen Zuschauer auch Szenen aus dem Privatleben des Nachrichtensprechers zu sehen bekommen.

Wirklich greifbar wurden meine Ideen und Thesen zu Fantasyland aber erst in den Jahren 2004 und 2005. Damals prägte Karl Rove, politischer Mastermind der Regierung George W. Bush, den bemerkenswerten Ausdruck reality-based community. Die Menschen "in der auf Fakten basierenden Gesellschaft, in der reality-based community, wie wir sie nennen", sagte er gegenüber einem Reporter, "denken, dass sie zu Lösungen kommen, indem sie die wahrnehmbare Realität penibel studieren. Aber so läuft das nicht mehr in der Welt." Natürlich sagte er das nicht ganz ironiefrei - doch zugleich war es auch sein voller Ernst. Ein Jahr später ging The Colbert Report 1 auf Sendung. In den ersten Minuten der ersten Folge führte Stephen Colbert in seiner Rolle als rechtsgerichteter, populistischer Kommentator ein wiederkehrendes Feature ein, das er "The Word" nannte und in dem er jeweils einen bestimmten Ausdruck auf die Schippe nahm. Der Begriff der ersten Sendung war truthiness (etwa: gefühlte Wahrheit), ein von Colbert neu geprägter Begriff in Anlehnung an das Wort truth:

"Jetzt melden sich bestimmt gleich wieder ein paar 'Wortpolizisten', ein paar Vertreter der Webster 2 -'Wort-Fetischisten' und rufen: 'Hey, das ist doch gar kein richtiges Wort!' Tja, wer mich kennt, weiß, dass ich kein besonders großer Fan von Wörterbüchern oder Nachschlagewerken bin. Ich finde das elitär, immer diese Vorgaben, was wahr sein soll und was nicht. Oder was wirklich geschehen sein soll und was nicht. Wer ist die Britannica 3 schon, dass sie mir verklickern will, der Panamakanal sei 1914 fertiggestellt worden? Wenn ich behaupten will, dass er 1941 fertig wurde, dann ist das mein gutes Recht! Ich traue keinen Büchern ... immer nur Fakten, null Gefühl ... Sehen wir der Wahrheit doch ins Auge, Leute: Wir sind eine gespaltene Nation. Es gibt die, die mit dem Kopf denken, und es gibt die, die mit dem Herzen wissen ... denn genau von da kommt sie doch, die Wahrheit, meine Damen und Herren - aus dem Bauch."

Wow - genau das ist es, dachte ich. In dem Moment wurde mir klar, auf welch seltsame Art sich Amerika in dieser Hinsicht verändert hatte. Die Begriffe truthiness und reality-based community hätten vor den Zweitausendern nicht im Geringsten das Zeug zum Witz gehabt.

Wie es zu diesem Wandel gekommen war, wurde mir ein paar Jahre später noch einmal klarer, als ich anfing, an meinem neuen Roman zu arbeiten. Darin geht es um einen Freundeskreis von Kindern, die in den frühen 1960ern James-Bond-Geschichten nachspielen, und später dann, 1968, als Collegestudenten im echten Leben eine Bond-mäßige regierungsfeindliche Versc

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