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Gefährliche Bürger Die neue Rechte greift nach der Mitte von Bednarz, Liane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.08.2015
  • Verlag: Carl Hanser Fachbuchverlag
eBook (ePUB)
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Gefährliche Bürger

Die Pegida-Märsche in vielen Städten und der Aufstieg der AfD sprechen eine deutliche Sprache: Es ist wieder salonfähig geworden, gegen eine vermeintliche 'Überfremdung' zu wettern und Minderheiten zu diskriminieren. Gezielt werden die Ängste der bürgerlichen Mitte geschürt, um den Zorn der Wut- und Frustbürger auf die Schwächsten zu lenken: Ausländer und Homosexuelle müssen um ihre Sicherheit fürchten, Übergriffe gegen Juden nehmen zu. Wir dürfen diesem Treiben nicht länger zusehen, sondern sollten ihm mit guten Argumenten Einhalt gebieten. Liane Bednarz und Christoph Giesa analysieren, wie die 'neue Rechte' arbeitet, welche Strategien sie verfolgt - und was die Gesellschaft dagegen tun kann!

Liane Bednarz, Jahrgang 1974, ist Juristin und Publizistin. Zahlreiche Veröffentlichungen in der "Tagespost", im "Tagesspiegel", in "Christ & Welt"/DIE ZEIT, im "European" und auf den Autoren-Blogs "Starke Meinungen" und "CARTA". 2014 wurde sie mit dem Feuilletonpreis "Goldener Maulwurf" ausgezeichnet. Sie lebt in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 24.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446444621
    Verlag: Carl Hanser Fachbuchverlag
    Größe: 290 kBytes
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Gefährliche Bürger

EINLEITUNG

Irgendetwas ist anders als früher. Es war ein schleichender Prozess, aber das Ergebnis ist eindeutig: Die Stimmung in der Gesellschaft hat sich eingetrübt. Die großen politischen Debatten werden mit einer lange nicht erlebten Emotionalität geführt. Spott und Häme, gar Hass und eine bisher ungekannte Aggressivität prägen den Diskurs. Vielfach werden gar grundsätzliche Errungenschaften unserer demokratischen Gesellschaftsordnung in Frage gestellt. Wer darf zu unserem Gemeinwesen gehören? Wer hat welche Rechte? Wer darf mitreden und wer nicht? Die Repolitisierung weiter Teile der gesellschaftlichen Mitte ist deutlich zu spüren - aber sie hat sich anders vollzogen, als wir uns das erhofft hätten. Nicht etwa mehr Engagement oder steigende Wahlbeteiligungen sind zu beobachten. Es sind harsche Emotionen, die viel Widerhall im vorpolitischen Raum, etwa auf Lesungen und Vorträgen, bei Demonstrationen und Mahnwachen, in Internetforen und in den sozialen Medien finden. Dort kann man das Wiederaufflammen eines von rechts kommenden Menschenhasses erkennen - gerichtet gegen jeden, der irgendwie für "das System" steht oder von diesem geschützt wird. Egal ob es sich dabei um Politiker oder Journalisten handelt, um Muslime oder Juden, ausländische Fachkräfte oder Asylbewerber - die Brutalität und die Offenheit, mit der auf Veranstaltungen und im Internet radikale Positionen vertreten werden, erschreckt. Ähnlich wie während der Pogrome in Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda Anfang der 1990er-Jahre schämt man sich seines Hasses nicht, im Gegenteil. Es scheint, als fühle man sich mit seinen Äußerungen sogar im Recht.

Was ist also los in unserer Gesellschaft? Handelt es sich nur um ein vorübergehendes Phänomen? Oder steckt mehr dahinter? Wer sind diese Menschen, die sich rechtes Gedankengut bewusst oder unbewusst zu eigen machen und es verbreiten? Ist das, was lange ganz rechts außen gärte, in der Mitte der Gesellschaft angekommen, salonfähig geworden?

Diese Fragen beschäftigen uns seit geraumer Zeit. Die Idee zu diesem Buch entwickelten wir bereits Anfang 2014. Zu diesem Zeitpunkt standen die ersten Wahlerfolge der Alternative für Deutschland (AfD) noch aus. Und als der Verlagsvertrag unterzeichnet wurde, gab es Pegida, die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" noch gar nicht. Diese Entwicklungen überraschen uns und viele andere aufmerksame Beobachter allerdings nicht; sie zeigen vielmehr, dass wir uns nicht getäuscht hatten und sich das rechte Milieu für eine Infiltration der bürgerlichen Mitte rüstet. Es war nur eine Frage der Zeit, bis erste Erfolge zu verzeichnen waren und die jahrzehntelange Vorarbeit sich auszahlte.

Die Protagonisten einer neuen rechten Denkschule haben ihre passive Haltung aufgegeben. Sie waren nie wirklich gänzlich tatenlos. Aber nun beschränken sie sich nicht mehr auf das, was sie in ihren Kreisen "Brauchtumspflege" oder "Bewahrung von Traditionen" nennen, um doch etwas ganz anderes zu meinen: nämlich den Fortbestand einer völkischen, nationalen Deutschland-Idee im Unter- oder Hintergrund. Inzwischen treten sie zunehmend aus den weithin unbeleuchteten Nischen der Gilden, Burschenschaften, Salons und Gesprächszirkel, Bürgerinitiativen und Jugendorganisationen heraus. Mit dem Ziel, eine aggressive Gegenideologie zu unserer offenen Gesellschaft ins Gespräch zu bringen. Die Zeit dafür scheint reif. Denn ihr "Feind" - ebenjene offene Gesellschaft, die sich den Idealen der Aufklärung verpflichtet fühlt - befindet sich ganz offensichtlich in einer Sinnkrise.

Wer sind diese Menschen, deren Parolen und Überzeugungen in den gesellschaftlichen Diskurs eingesickert sind? Wie ticken sie, was ist ihnen wichtig und was haben sie vor?

Um diese Fragen beantworten zu können, ist es notwendig, sich mit ihren Vordenkern auseinanderzusetzen, ihre Diskussionen zu belauschen und die Publikationen zu lesen

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