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Geht's noch! Warum die konservative Wende für Frauen gefährlich ist von Hirn, Lisz (eBook)

  • Verlag: Molden Verlag
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Geht's noch!

Es ist wieder schick, konservativ zu sein. Die neuen Biedermänner und Biederfrauen propagieren ein Weltbild, durch das alle verlieren werden: ein Gesellschaftsideal der 1950er-Jahre, das Männer und vor allem Frauen in alte Rollenbilder drängt. Kinder statt Karriere, Mutter statt Managerin? Damit nehmen nicht nur die Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern zu. Die Philosophin Lisz Hirn zeigt auf, wie diese Entwicklung unsere offene, demokratische Gesellschaft bedroht. Und liefert Ideen, wie wir uns dagegen zur Wehr setzen können.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 144
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990405109
    Verlag: Molden Verlag
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Geht's noch!

DIE KONSERVATIVE OFFENSIVE

Die Menschen sind am konservativsten,
wenn sie am wenigsten tatkräftig sind
und am üppigsten.
Nach dem Essen ist man konservativ.

RALPH WALDO EMERSON

WIE KANN man sich also dagegen wehren? Woran erkennt man den Biedermann, die Biederfrau? Wie durchschaut man das Theater der Brandstifter? Indem wir uns zuerst bewusst machen, dass die "westliche" Gesellschaft, die sich für emanzipiert und kosmopolitisch hält, nie ihrem Ruf gerecht wurde. Sie hatte auch nie vollständig ihre konservativen Rollenbilder abgelegt. Frauen müssen in dieser Welt noch immer Männern gefallen, um in ihrem Frauenleben erfolgreich zu sein. "Eine Frau, die sich der herrschenden Vorstellung nicht anpaßt, entwertet sich sexuell und folglich auch gesellschaftlich, da die Gesellschaft die sexuellen Werte integriert hat." 4

BEISPIEL 1:
DER DEKORATIVE AUFPUTZ

Schladming 2018. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz übernimmt den EU-Ratsvorsitz. Zusammen mit Ratspräsident Donald Tusk und dem bulgarischen Premierminister Bojko Borissow posiert Kurz körpernah zwischen drei blonden jungen Frauen für die offiziellen Pressefotos. Während die Herren in legere Anzüge gekleidet sind, tragen die "Dachsteinkönigin" und ihre beiden "Dachsteinprinzessinnen" Dirndl, Schärpe und Tiara.

Und da ist es wieder, diesmal sichtbar für die ganze Weltöffentlichkeit: dieses Frauenbild, das unter der aktuellen Regierung wieder gesellschaftsfähig geworden ist. Es lässt Frauen am liebsten ins politische Rampenlicht, wenn sie die Insignien einer Schönheitskönigin tragen. Lässt sich das Szenario mit umgekehrten Vorzeichen überhaupt denken? Hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel je mit hübschen jungen Männern in Lederhosen in die Kameras gewinkt? Es ist schwer vorstellbar, dass sich ein erwachsener Mann finden lässt, der mit einer Prinzenschärpe ausstaffiert posieren würde. Die Inszenierung der Frau im Namen ihrer Weiblichkeit "... ist das sicherste Mittel, ihr einen schlechten Dienst zu erweisen" 5 und das gewünschte, konservative Rollenbild zu propagieren.

BEISPIEL 2:
SEXUELLE BELÄSTIGUNG 4.0

Sigrid Maurer hatte am 30. Mai 2018 obszöne Privatnachrichten, die vom Facebook-Account eines Wiener Craft-Beer-Geschäftsführers stammten, auf ihrem eigenen Facebook-Account öffentlich gemacht. Nachdem der Geschäftsbesitzer daraufhin von Usern beschimpft wurde und sein Lokal online schlechte Bewertungen erhielt, klagte er Maurer wegen übler Nachrede und bestritt, der Verfasser der Nachrichten zu sein. 6 Angeblich habe es vor dem Lokal herumstehende Männer gegeben, die Maurer immer wieder anzügliche Kommentare hinterherriefen. Der Kommentar des klagenden Anwalts, Frauen könnten schließlich ausweichen und einfach die Straßenseite wechseln, erinnert an den Artikel einer Zeitung der 1950er-Jahre. In diesem wird reihum betont, dass eine Frau, "seine 'kleinen Fehler' auch schon mal lächelnd in Kauf nehmen" muss.

Unter diese "kleinen Fehler" - früher "Kavaliersdelikt" genannt - scheinen also auch sexistische Äußerungen zu fallen. Positiv zu vermerken ist, dass der Fall Maurer eine umfassende gesellschaftliche Debatte und Unterstützung ausgelöst hat, die es so vor einigen Jahrzehnten noch nicht gegeben hätte. Auf der "Sollseite" findet sich allerdings die reformbedürftige Gesetzeslage, die es Cybermobbingopfern - von der sexuellen Spielart sind überwiegend Frauen betroffen - momentan erschwert, gegen die Täter vorzugehen.

Von konservativer Seite werden Proteste von Frauen gegen sexuelle Belästigung und die implizite Reduktion auf ihren Körper übrigens oft als überempfindliche Reaktion spaß- und lustbefreiter "linker Emanzen" abgetan. Doch wie das nächst

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