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Generation Selfie von Oer, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.09.2016
  • Verlag: riva Verlag
eBook (ePUB)
12,99 €
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Generation Selfie

Unsere Welt wird zunehmends digitaler, speziell die junge Generation verbringt einen Großteil ihrer Zeit online und betreibt dabei mehr und mehr eine umfangreiche Selbstinszenierung. Der einzelne Mensch wird zum Ich-Darsteller, sein Leben zu einer nie endenden Show in sozialen Netzwerken, möglichst in Form einer Kette von Höhepunkten - ständig auf der Jagd nach Likes, Beachtung und Applaus. Das inszenierte Leben im Internet hat jedoch seinen Preis: Die 'Generation Selfie' lebt ihr Leben nicht für sich, sondern für andere, verkauft sich der Öffentlichkeit, gibt freiwillig Privatsphäre und Individualität auf - und auf der Jagd nach dem nächsten Like möglicherweise auch ihre Integrität. Die Journalisten Eva Oer und Christian Cohrs unterziehen die selbstverliebte und sensationslüsterne Generation Selfie einer schonungslosen Analyse. Welche Opfer bringen wir unserer digitalen Beliebtheit? Zeigen wir uns einfach nur im Netz, oder stellen wir uns dar wie Schauspieler? Tun wir noch, was wir wollen? Oder eher das, was die anderen liken? Richten wir uns nach der Bewertung anderer anstatt nach unseren eigenen Wünschen? Macht uns die Jagd nach Klicks nicht zunehmend manipulierbar? Was bedeutet die Dauerinszenierung für den Einzelnen und auch für unsere Gesellschaft? Welche Folgen hat sie für uns und unser Zusammenleben? Die Autoren zeichnen ein kritisches Bild der digitalen Generation. Christian Cohrs ist Textchef des Berliner Wirtschafts- und Lifestylemagazins Business Punk. Vor seiner Tätigkeit als Journalist hat er in Bochum Theaterwissenschaft und Germanistik studiert und beschäftigt sich seit Jahren mit Schein und Wirklichkeit menschlicher Selbstinszenierung. Eva Oer hat in Bochum und Perpignan Germanistik und Französisch studiert. Sie lebt in Berlin und arbeitet als Journalistin, unter anderem für die taz.die tageszeitung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 12.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959712606
    Verlag: riva Verlag
    Größe: 608 kBytes
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Generation Selfie

3. #fitspiration
Die Generation Selfie und der Körperkult

"Teenager lässt sich Arm chirurgisch verlängern, um Ganzkörper-Selfies machen zu können", lautete die Schlagzeile. Die Geschichte dazu: Der 17-jährige Marcel Fricke sei unzufrieden mit seiner Physiognomie gewesen, weil auf seinen Selbstporträts immer nur sein Oberkörper zu sehen war. Daher habe er sich den rechten Arm um 38 Zentimeter strecken lassen. Das berichtete Ende 2014 Der Postillon . 1 Na ja, berichtet trifft es nicht ganz, da es sich um eine Satirewebsite handelt. Doch der Ozean aus absurden, aber zum Teil auch vollkommen ernst gemeinten Selfie-Schlagzeilen ist weit. Ein Beispiel? Gerne: "In China geben Menschen 1.000 Dollar für eine Kamera aus, die chirurgisch optimierte Selfies macht." Das titelte im März 2016 Quartz , ein ernsthaftes Online-Nachrichtenportal. 2 Die Überschrift mag etwas reißerisch sein, doch sie trifft den Punkt. Es geht in dem Artikel um eine Digitalkamera, die den Menschen zwar unversehrt lässt, dafür integrierte Make-up-Funktionen hat, die automatisch die Hautfarbe aufhellen, die Augen strahlen lassen, ein breites Kinn spitzer und volle Wangen schmaler machen.

Ganz unwahrscheinlich ist es also nicht, dass es eine Nachfrage für Selfie-OPs geben könnte. Vielleicht keinen Massenmarkt, aber doch interessant für Leute, die ihr Geld mit ihrem Gesicht verdienen. Tatsächlich erklärte etwa die 25-jährige Beauty-Bloggerin Claire-Louise Sheridan gegenüber der britischen Tageszeitung The Telegraph , sie habe bereits an sich herumschneiden lassen: Sie liebe Selfies und habe hohe Wangenknochen auf ihnen haben wollen, "deswegen habe ich meine mit ein wenig Filler betonen lassen". 3

Natürlich lässt sich nur schwer sagen, was genau den Anstoß für ein solches operatives Beauty-Update gibt, doch viel spricht dafür, dass Selfies mittlerweile eine Rolle spielen. In einer Umfrage der American Academy of Facial Plastic and Reconstructive Surgery hat 2014 jeder dritte Schönheitschirurg für Gesichtsbehandlungen angegeben, die Nachfrage für derartige Prozeduren sei gestiegen, weil die Interessenten durch Social Media selbstkritischer auf ihr Aussehen blickten. 58 Prozent der Ärzte berichteten auch, dass es im Vorjahr einen Zuwachs von Eingriffen bei Unter-30-Jährigen gegeben habe. 4

Nicht nur das Gesicht fällt den frankensteinesken Begleiterscheinungen der Selfie-Manie zum Opfer. Das Lifting der Hände gilt als kommender Trend, der faltenfreien Verlobungsring-Fotos wegen. Für ein wirklich perfektes #putaringonit-Selfie reicht Maniküre nicht mehr aus. Es muss schon der zarte Handrücken eines Teenagers sein, selbst wenn die Verlobten deutlich jenseits der Adoleszenz sind. Klar, schon immer haben junge Menschen, selbst Teenager nach Mitteln gesucht, ihr Aussehen zu verbessern. Doch früher war es meist damit getan, sich ein frisches Ei auf dem Kopf aufzuschlagen, um für weichere Haare zu sorgen, oder eine Bierspülung zu machen für mehr Glanz. Die Generation Selfie dagegen greift gerne direkt zum großen Besteck und will Schlauchbootlippen vom Schönheitschirurgen.

Ein Beispiel hierfür ist Kylie Jenner, Instagram-Star mit vielen Millionen Abonnenten und Mitglied des in den USA für seine Reality-TV-Auftritte bekanntgewordenen Kardashian-Clans. Im Sommer 2015 verriet die damals 18-Jährige der New York Times , sie lasse sich regelmäßig die Lippen aufspritzen - und selbstverständlich gehe sie zu jemandem, der die künstlichen Lippen "super-natürlich" aussehen lasse. 5 Nun wirkt die Selfie-versessene Jenner ebenso wie die restlichen Kardashians eh so natürlich wie Analogkäse -

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