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German Power Das Paradox der deutschen Stärke von Kundnani, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.03.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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German Power

Ist ein 'deutsches Europa' die bittere Frucht der europäischen Krise? In vielen europäischen Ländern wird es so wahrgenommen. Angela Merkel wird mit Hitler verglichen, die Rede ist von deutscher 'Hegemonie' und einem neuen deutschen 'Reich'. Doch Deutschland ist heute ein anderes Land als im 19. Oder 20. Jahrhundert. Nur - welches? Einmal mehr könnte es zu einer Quelle der Instabilität im Herzen Europas werden. In German Power geht Hans Kundnani der Transformation Deutschlands seit der Vereinigung 1990 nach und stellt sie in den Kontext der deutschen Geschichte vor 1945. Dabei zeigt er Ähnlichkeiten auf und benennt einige Grundkonflikte - zwischen Kontinuität und Wandel, Ökonomie und Politik, Europa und der Welt. Kundnani kommt in seinem provozierenden Essay zu dem unbequemen Schluss, dass die 'deutsche Frage' wieder zurückgekehrt ist - in geoökonomischer Gestalt. Hans Kundnani ist Senior Transatlantic Fellow des German Marshall Fund und war zuvor Forschungsdirektor am European Council on Foreign Relations in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 08.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406688645
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Originaltitel: The Paradox of German Power
    Größe: 2545 kBytes
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German Power

Einleitung Wiederkehr der Geschichte?

In den letzten beiden Jahrzehnten haben deutsche Historiker die Bundesrepublik der Nachkriegszeit vor allem als Erfolgsgeschichte beschrieben. Sie haben gezeigt, wie aus der Katastrophe von 1945 eine erfolgreiche Demokratie erwuchs, wie das Land Wiedergutmachung für die NS -Vergangenheit leistete und eine liberale politische Kultur entwickelte und wie es Teil eines geeinten und ineinander verflochtenen Europas wurde. Ihren Höhepunkt und ihre Bestätigung erreichte diese Geschichte mit der Wiedervereinigung 1990 - die auf die erste friedliche und erfolgreiche Revolution in der deutschen Geschichte folgte. Das wiedervereinte Deutschland war, wie Heinrich August Winkler es formulierte, "ein postklassischer demokratischer Nationalstaat unter anderen, fest in die atlantische Allianz und die Europäische Gemeinschaft, die werdende Europäische Union, eingebunden".[ 1 ] Deutschland hatte damit endgültig seinen Sonderweg verlassen und, so Winkler, den "langen Weg nach Westen" vollendet. Das war sozusagen die deutsche Entsprechung von Francis Fukuyamas Vorstellung vom "Ende der Geschichte".

Deutschlands Verhältnis zum Westen war stets kompliziert und ambivalent gewesen. Viele der zentralen Ideen dessen, was Winkler das "normative Projekt des Westens" genannt hat, stammten von deutschen Aufklärungsdenkern wie etwa Immanuel Kant. Und doch wies die deutsche Geistesgeschichte auch eine eher düstere nationalistische Strömung auf, die im 19. Jahrhundert entstand, immer stärker anti-westlich wurde und schließlich im Nationalsozialismus und im Holocaust kulminierte - Winkler spricht vom "Gipfelpunkt der deutschen Auflehnung gegen die politischen Ideen des Westens".[ 2 ] Erst nach der Katastrophe des Jahres 1945 wurde Deutschland - oder zumindest seine westliche Hälfte - voll in den Westen integriert und erlangte "westliche Normalität" (Winkler). Deutschland war somit ein Paradox: Es spielte für die Entwicklung des normativen Projekts des Westens eine zentrale Rolle, entwickelte zugleich jedoch auch die radikalste europäische Infragestellung dieses Projekts.[ 3 ]

Was die Wiedervereinigung zur Vollendung dieses "langen Wegs nach Westen" machte, war die Tatsache, dass es sich um eine westliche Lösung der Deutschen Frage handelte. Während des Wiedervereinigungsprozesses hatten manche befürchtet, die sogenannte Berliner Republik werde weniger westlich orientiert sein als die Bonner Republik. Doch zumindest im ersten Jahrzehnt der Einheit bewahrheiteten sich diese Befürchtungen nicht, denn Deutschland bekräftigte seine Bindung an den Westen. Dabei bestand offenbar vor allem zwischen Deutschland und Europa eine symbiotische Beziehung: Die deutsche Wiedervereinigung war nur im Kontext der europäischen Integration möglich und schien den Beweis dafür zu erbringen, dass sich "das deutsche Problem nur unter einem europäischen Dach" lösen lasse, wie Konrad Adenauers berühmte Formulierung lautete. Umgekehrt war die Wiedervereinigung auch ein Katalysator für die weitere europäische Integration und insbesondere für die Einführung des Euro. Im Jahr 2000 konnte Heinrich August Winkler davon sprechen, die Ängste im Hinblick auf Deutschland seien in den zehn Jahren seit der Wiedervereinigung geringer geworden.[ 4 ]

Doch mit Beginn der Euro-Krise im Jahr 2010 bedurfte es eines Epilogs zum triumphalistischen Narrativ der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Krise beförderte Deutschland in eine außergewöhnliche - und in der Geschichte der EU beispiellose - Position. Die gesamte Eurozone blickte auf Deutschland - den größten Gläubiger in einer Krise der Gemeinschaftswährung souveräner Staaten - und erwartete Führungsstärke. Doch aus Angst vor einer "Transferunion" - in der haushaltspolitisch verantwortungsvolle Mitgliedstaaten fiskalisch verantwortungslose Mitgliedstaaten subven

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