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Helmut Schmidt - Der letzte Raucher Ein Portrait von Rupps, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.03.2011
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Helmut Schmidt - Der letzte Raucher

Irgendwie mögen ihn alle - ja, selbst seine Gegner bewundern ihn. Helmut Schmidt, 'Mr. Klartext', wird nicht nur aus thematisch-sachlichen Gründen geschätzt, sondern auch emotional, vor allem für seine Eigenwilligkeit: Heftiges Rauchen in die Fernsehkameras, dabei schnoddrig Fragen beantwortend, das ist der Schmidt, wie wir ihn kennen und lieben. Inzwischen fast schon zum Tabu geworden, drückt ausgerechnet das Rauchen Schmidts populären Widerstand gegen den Zeitgeist aus. Der heute über 90-jährige gilt denen, die ihn noch als Kanzler erlebten, als ein politisch Weiser. Für alle anderen ist er längst 'Kult'. In Helmut Schmidt finden wir alles, was wir politisch wollen und derzeit nicht bekommen: Mut, Aufrichtigkeit, Einsatzwillen, Überparteilichkeit, Führungsstärke, Selbstlosigkeit. Martin Rupps, Dr., Politikwissenschaftler und Historiker, ist Leiter der ARD Koordination 3sat. Von ihm erschienen u. a. 'Troika wider Willen. Wie Wehner, Brandt und Schmidt die Republik regierten' (Berlin 2004) sowie jüngst 'Wir Babyboomer' (Herder 2008).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 10.03.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451336553
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 1677 kBytes
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Helmut Schmidt - Der letzte Raucher

"Haben Sie gesehen, wie viel er geraucht hat?"

Nach jedem Fernsehgespräch mit Helmut Schmidt hagelt es Post an die zuständige Redaktion. Er hat während der Sendung scharfsinnig und pointiert Themen der deutschen und internationalen Politik analysiert, nichts und niemanden mit Lob und Spott verschont. Er trat rhetorisch brillant auf. Und er rauchte dabei.

"Ist es möglich, eine Aufzeichnung der Sendung von heute Abend zu erhalten?", fragt dieses Mal Francesca P., und viele Zuschauerinnen und Zuschauer teilen - wie immer - ihren Wunsch. "Hier möchte ich mich für eine wunderbare Sendung bedanken", schwärmt Eberhard L., "eine ganz tolle Sache und was für ein Mann - Herr Schmidt. Vielen Dank, ich bin Stunden später immer noch völlig in den Bann gezogen."

Einspruch gibt es nicht gegen den Politiker Helmut Schmidt, sondern nur gegen den Raucher, der das Studio während der 45 Minuten Sendezeit in dichten Nebel hüllte.

"Es mag ja durchaus sein und ist auch wohl unumstritten, dass Herr Schmidt als einer der herausragendsten Politiker anzusehen ist, doch das ständige Rauchen während des Gesprächs", beschwert sich Reinhard B., "und sein Raucherhusten waren eine Zumutung für alle Zuschauer und eine - wie ich finde - deprimierende Darstellung des ehemaligen Bundeskanzlers."

Zuschauerreaktionen wie diese treffen vielfach ein.

Interviews mit Helmut Schmidt gehören zu den letzten Highlights im deutschen Fernsehen. Unzählige Interessierte kreuzen schon Tage vorher, wenn sie das Programmheft der folgenden Wochen durchblättern, die Gesprächssendung mit Helmut Schmidt rot an. Für diesen Abend nehmen sie sich nichts anderes vor. Sie werden gebannt vor dem Fernseher sitzen, wenn der Altbundeskanzler spricht. Und dabei raucht wie ein Schlot.

Ist der Tag der Ausstrahlung gekommen, enttäuscht Helmut Schmidt die Erwartungen seiner Zuschauerinnen und Zuschauer nicht. Er wägt seine Worte und schnauft dabei, er schnupft und faucht. Er hustet und raucht. Er sinniert vor sich hin, fällt messerscharfe Urteile und blafft, wenn er es für richtig hält, die Gesprächspartnerin oder den Gesprächspartner harsch an. Seine Antworten wirken nie geprobt, wie bei den Berliner Politikern unserer Zeit. Helmut Schmidt scheint um jedes treffende Wort aktuell zu ringen, auch wenn er eine Frage schon oft gehört und beantwortet haben mag. In seinen Kunstpausen sammelt er Kraft und Gedanken für den nächsten, gelingenden Anlauf. Dann nimmt er sich Zeit zur Erklärung der Welt im Allgemeinen und der Bundesrepublik, die ihm so sehr am Herzen liegt, im Besonderen. Die Dinge sind zu kompliziert, um sie in zwei, drei knappe Sätzen zu packen. Helmut Schmidt fasst den Sachverhalt in so viele Sätze, wie dafür nötig sind, und drückt sich gleichwohl - oder gerade deshalb - stets präzise und auf den Punkt aus.

Der Altbundeskanzler erfüllt die Erwartungen der Zuschauer noch in einer anderen Hinsicht, denn er raucht eine Zigarette nach der anderen. Kaum ist ein Glimmstängel abgebrannt, greift der alte Herr nach einem neuen. Aschenbecher und Zigarettenschachtel sind stets in Reichweite bereitgestellt. Helmut Schmidt zieht die Zigaretten in kurzen Abständen und dabei ohne Theatralik aus der Packung. Er behandelt das als Beiwerk zum Nachdenken und Sprechen, zu Analyse und Ausdruck.

Das Beiwerk zeitigt sichtbare Folgen. Rauchschwaden steigen im anfangs aseptisch reinen Studio auf. Das Fernsehbild wird mit der Zeit milchig. Sandra Maischberger, Reinhold Beckmann oder die anderen Interviewer lassen sich ob des Zigarettengestanks und der Schwaden nichts anmerken - sie wussten ja, auf was sie sich einlassen

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