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Hipster Eine transatlantische Diskussion

  • Erscheinungsdatum: 23.01.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Hipster

Ende der neunziger Jahre tauchte plötzlich eine neue soziale Spezies in US-Großstädten auf: die Hipster. Die Erben der Beatniks oder Hippies trugen zu enge Jeans, Baseballmützen, Schnäuzer und hatten Dosenbier oder einen Laptop dabei. Begleitet wurde ihr Auftreten von der Musik der Strokes oder von Belle and Sebastian, 2001 setzte Wes Anderson ihnen in "The Royal Tenenbaums" ein filmisches Denkmal. Spätestens als 2004 die erste deutsche Filiale von American Apparel eröffnete, hatten die Hipster bzw. die eng mit ihnen verwandten digitalen Bohèmes den Sprung über den Atlantik geschafft. Die New Yorker Zeitschrift n+1 widmete den Hipstern 2009 eine Tagung an der New School: Was sind eigentlich Hipster? Und wofür sind sie ein Symptom? Für eine Generation, die Geld verdienen und doch nicht erwachsen werden will? Ein durch und durch ironisches Zeitalter? Den postindustriellen Konsumkapitalismus? Der Band sorgte nicht nur in den USA für großes Aufsehen, das Buch wird mittlerweile in mehrere Sprachen übersetzt. In dieser Ausgabe werfen Jens-Christian Rabe (Süddeutsche Zeitung), Tobias Rapp (Der Spiegel) und Thomas Meinecke zusätzlich einen deutschen Blick auf dieses transatlantische Phänomen. Mark Greif, geboren 1975, studierte Geschichts- und Literaturwissenschaft in Harvard, Oxford und Yale. Er ist einer der Gründungsherausgeber der Kulturzeitschrift n+1 und publiziert regelmäßig in bedeutenden englischsprachigen Zeitschriften. Im Suhrkamp Verlag eröffentlichte er mit seinen Mitherausgebern die n+1-Anthologie Ein Schritt weiter (es 2539). Tobias Moorstedt, geboren 1977, arbeitet als freier Journalist, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung , GQ und ARTE . Niklas Hofmann wurde 1979 geboren. Erst beklagenswert spät drehte sein Vater die Dachantenne auf RTL -Empfang ein. Um andere Privatsender zu sehen, musste er noch bis in die sechste Klasse hinein Schulfreunde besuchen. Trotz oder wegen derartiger Entwicklungshemmnisse arbeitet er heute als Journalist in Berlin, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 23.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518761908
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: What was the Hipster?
    Größe: 3745 kBytes
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Hipster

Vorwort zur amerikanischen Ausgabe

Jeder Versuch, die Hipster zu beschreiben, ist letztlich zum Scheitern verurteilt, weil darin am Ende nie alle die Hipster wiedererkennen, denen sie selbst begegnet sind. Doch eines Tages, wenn die Hipster längst vom Antlitz der Erde verschwunden sein werden, wenn sich die Subkulturen verändert und sich neue Stile und Formen entwickelt haben und wenn neue Begriffe für Lob und Tadel gelten, wird die Hipster-Ära von 1999 bis 2011 von historischem Interesse sein - und die Forscher der Zukunft werden sich darauf verlassen müssen, dass wir im Hier und Jetzt unsere Beobachtungen und Eindrücke notiert haben.

Ich muss an dieser Stelle an einen Scherz denken, den sich ein Freund vor einiger Zeit mit mir erlaubt hat. "Kennst du den Komiker Ali G", fragte er mich. "Nein", antwortete ich. "Wunderbar", sagte er, "hör dir einfach an, wie ich seine Witze erzähle. Meine Imitation von ihm ist perfekt."

Was ich damit sagen will: Diejenigen von Ihnen, die Hipstern bereits im wirklichen Leben begegnet sind, werden sich vermutlich über die Charakterisierungen in diesem Buch beschweren. Den Lesern allerdings, die dieses Buch im Jahr 2050 in die Hand nehmen, kann ich nur sagen: Jeder Satz in diesem Buch ist wahr und unsere Imitation des Hipsters perfekt.

Die Mission dieses Bandes besteht darin, zu eruieren, ob es möglich ist, eine subkulturelle Formation zu analysieren, während sie noch existiert - und zwar anhand der Zeugenaussagen von Menschen, die der Szene nahestehen. Wir haben hierfür das kollektive Wissen einer eigenwillig zusammengestellten Gruppe angezapft: Autoren und Leser unseres Magazins n+1 sowie einige interessierte Außenstehende trafen sich bei einer Podiumsdiskussion in den Räumen der New School in New York. Die Transkripte dieser Veranstaltung übergaben wir später Kritikern und Journalisten, damit sie sich eine andere Meinung bilden und unseren Ansatz infrage stellen konnten.

Alle Beiträger waren aufgefordert, ihre eigenen unmittelbaren Erfahrungen und ihr Wissen einzubringen, ihre akademisch-analytischen Neigungen ebenso wie die Ressentiments und üblen Hintergedanken, die sie ohne Zweifel gegenüber ehemaligen Nachbarn, Konkurrenten und allen Menschen, die sich besser oder teurer anziehen, hegen, um so die Akte des modernen Hipsters zu füllen, dieses wandelnden Klischees und Buhmanns, der uns allen in den vergangenen Jahren begegnet ist. Das Projekt fand in genau der Sekunde statt, in der diese Figur begann, sich zu verändern.

Die Metamorphose des Hipsters, so sie denn wirklich stattfindet, bringt es mit sich, dass ein Begriff, der lange Jahre als Beleidigung verwendet wurde, plötzlich eine neutrale oder gar positive Konnotation erhält. Dieser Prozess geht zum einen mit der Tatsache einher, dass die Hipster-Mode den Mainstream erreicht hat, ein fixes Set von Accessoires und Stilmitteln, die frisch verpackt in den Einkaufszentren der USA liegen, zum anderen mit der tieferen Einsicht, dass die sozialen Kräfte, welche den Hipster - und das lebensnotwendige Bedürfnis, den Hipster infrage zu stellen - hervorgebracht haben, sich auch in Europa und Lateinamerika epidemisch ausbreiten.

Der Hipster ist nicht tot - vermutlich kennen Sie sogar ein paar lebende Exemplare, haben sie gar beim Essen und Schlafen beobachtet - , aber der Umstand, dass man immer häufiger hört, wie Café-Besucher in Williamsburg und der Lower East Side sich oder ihre Freunde als "irgendwie ein Hipster, klar, oder?" beschreiben, zeigt uns, dass wir die frühe Kulturgeschichte unseres Untersuchungsgegenstandes und die negativen Bedeutungen, die dem Wort ursprünglich anhafteten, unbedingt untersuchen sollten, bevor es zu sp&a

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