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Ich will nicht mehr schweigen Der Islam, der Westen und die Menschenrechte von Manea, Elham (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.06.2010
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
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Ich will nicht mehr schweigen

Mutiges Plädoyer einer jungen Muslimin für einen modernen Islam Dürfen muslimische Mädchen aus religiösen Gründen von Klassenfahrten ausgeschlossen werden? Ist es in Ordnung, wenn schon Sechsjährige verschleiert sind, weil Muslime 'nun mal anders' sind? Nein, denn Menschenrechte sind wichtiger als Religion. Der Westen muss sie klar vertreten und dort, wo sie in Frage gestellt werden, energisch verteidigen. Falsch verstandene Toleranz führt zu Gleichgültigkeit und fördert Parallelgesellschaften, zementiert Vorurteile und arbeitet den Extremisten in die Hände. Mit ihrem Plädoyer für eine Toleranz, die Grenzen kennt, gibt Elham Manea der schweigenden Mehrheit der Muslime eine Stimme. Elham Manea, Dr. phil., Dozentin am Institut für politische Wissenschaften der Universität Zürich. Bei ihren Reisen in verschiedene Länder der islamischen Welt hat sie Kontakt mit Frauen unterschiedlicher Herkunft. Sie engagiert sich im Vorstand des Schweizer 'Forum für einen fortschrittlichen Islam' (FFI). Elham Manea wurde in Jemen geboren und wuchs als Tochter eines Diplomaten in verschiedenen arabischen und westlichen Ländern auf. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Bern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 29.06.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451334337
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 1394 kBytes
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Ich will nicht mehr schweigen

Zweiter Teil
Für einen humanistischen Islam

"O Wunder! Ein Garten inmitten der Flammen.

Mein Herz ist offen geworden für alle Formen: Es ist eine Weide für die Gazellen und ein Kloster für christliche Mönche, und ein Tempel für Götterbilder und die Kaaba des Pilgers, und die Tafeln der Tora und das Buch des Korans.

Ich folge der Religion der Liebe: Welchen Weg die Kamele der Liebe auch nehmen, er ist meine Religion und mein Glaube."

Ibn Arabi (1165–1240), Tardschuman al-aschwaq
Fünftes Kapitel
Warum brauchen wir einen humanistischen Islam?

Dieser Entscheidung, Muslimin zu bleiben, liegt dieselbe Annahme zugrunde, auf die ich auch meine Argumentation für einen humanistischen Islam stütze: Alle Religionen sind Veränderungen unterworfen. Menschen haben sich die Religionen angeeignet und sie umgewandelt, und alle Religionen müssen oder mussten reformiert werden – manche mehr als andere.

Kennen Sie eine Religion, die von ihrem Anbeginn an eine klare Vision von den Menschenrechten hatte, wie wir sie heute verstehen? Ich nicht. Kennen Sie eine Religion, die von Anbeginn an Frauen gleichberechtigt behandelte oder gleiche Rechte für beide Geschlechter innerhalb der Familie forderte? Alle Religionen strebten, was die familiären Belange anging, eine Art der Beziehung an, in der die Ehefrau dem Ehemann zu gehorchen hatte. Und das gilt für den Islam, das Christentum, das Judentum und den Hinduismus. Die Liste ließe sich ergänzen.

Ich habe hier nicht die Absicht, mit dem Finger auf andere Religionen zu zeigen. Ich stelle nur eines fest: Das Ziel der Religionen – jeder einzelnen Religion – war stets einfach: eine Vision zu bieten, wie man sich Gott in einem ganz bestimmten historischen Augenblick nähern konnte. Die Menschenrechte, wie wir sie heute verstehen, waren nicht ihr Anliegen, obwohl jede Religion ihr Bestes versuchte, um den Benachteiligten das Leben zu erleichtern. Letztlich wäre es merkwürdig, zu erwarten, dass die Religionen bereits in der Zeit ihrer Entstehung jene klare Vision von Menschlichkeit boten, die erst Mitte des 20. Jahrhunderts vollständig entwickelt wurde.

Diese Auffassung von Religion machte mir klar, dass viele der Fragen, die ich mir über meine eigene Religion stellte, auch für andere Religionen galten – wiederum für manche mehr als für andere. Und wenn das der Fall war, warum sollte ich dann zu einer anderen Religion konvertieren? Arbeite an dem, was du hast, nimm nicht hin, was deinen Sinn für Humanität oder Würde verletzt, und denke differenziert. Das war meine Schlussfolgerung.

Ein humanistischer Islam basiert auf der Annahme, dass jede Religion von den Menschen geprägt wird, die sich ihre Lehren angeeignet und sie verbreitet haben; und als solche spiegelt sie die Überzeugungen, Traditionen und das Weltbild dieser Menschen wider, und – was am wichtigsten ist – sie spiegelt die historischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Gesellschaft wider, der sie entstammte.

Das sollte keinesfalls vergessen werden, wenn wir eine Reform des Islam in Angriff nehmen wollen. Denn vieles von dem, was wir als Bestandteil der islamischen Lehren betrachten, ist von der Geschichte geprägt. Ein gutes Beispiel ist die beharrliche Behauptung der Islamisten, eine wahrhaft muslimische Gesellschaft solle körperliche Bestrafungen durchführen, zum Beispiel einem Dieb die Hand abschneiden. In Wahrheit spiegeln solche Strafen lediglich die Auffassungen von Strafe wider, wie sie im 7. Jahrhundert nach Chr. üblich waren. Sie sind weder heilig noch göttlich, sondern Mittel zur Bestrafung, die vor vierze

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