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Ich zuerst! Eine Gesellschaft auf dem Ego-Trip von Leitschuh, Heike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.10.2018
  • Verlag: Westend Verlag
eBook (ePUB)
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Ich zuerst!

Es geht ganz schön ruppig zu, besonders in Großstädten. Die Menschen nehmen sich kaum noch wahr und wenn, dann eher als Hindernis. Alle scheinen hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt zu sein. Selbstbezüglichkeit und Egoismus machen sich breit. Die Ursache: neoliberales Konkurrenzverhalten wächst in die Alltagskultur und macht uns zunehmend unsolidarisch. Medien und Werbung fördern die Ichlinge, die so zu viel Einfluss gewinnen. Es wird Zeit, dass die Politiker erkennen, was sie mit einer Politik anrichten, bei der nur noch zählt, was sich rechnet und der eine klare Richtung fehlt: Droht die Gesellschaft zu zerbröseln? Heike Leitschuh hat Politikwissenschaften in Marburg studiert und war Redakteurin im Fachverlag der Ökologischen Briefe. Als selbständige Journalistin, Autorin, Moderatorin und Beraterin konzentriert sie sich vor allem auf Themenbereiche der zukunftsfähigen Unternehmensentwicklung, Postwachstumsökonomie, Transformationsprozesse und Nachhaltigkeit. Ihre Arbeiten wurden vielfach in Fach- und Publikumszeitschriften publiziert. Heike Leitschuh ist Autorin und Mitherausgeberin mehrerer Bücher und wohnt in Frankfurt am Main.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 02.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864897214
    Verlag: Westend Verlag
    Größe: 2519 kBytes
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Ich zuerst!

II. Die Ichlinge kommen. Beispiele aus unserem Alltag

Die Not in den Notaufnahmen

2017 gab es mehrere Medienberichte, die sich damit beschäftigten, dass es in den Notaufnahmen deutscher Krankenhäuser immer häufiger zu sehr unschönen Szenen kommt. Patienten werden aggressiv oder randalieren sogar, wenn sie - für ihren Geschmack - nicht schnell genug an die Reihe kommen. Manche Krankenhäuser beschäftigen deshalb schon private Sicherheitsdienste, und Deeskalationstrainings für das Personal sind in vielen Kliniken bereits Pflicht. Es gebe eine wachsende Ungeduld von Patienten, die oft in Gewalt umschlägt, berichtet Heidemarie Lux, Vizepräsidentin der Bayerischen Landesärztekammer: "Die Ansprüche haben auf ungesunde Art zugenommen. Leute informieren sich vorab im Internet und stellen dann viele Forderungen. Jeder ist sich selbst der Nächste und besteht darauf, als Erster dranzukommen." 1

Auch der Chef der Münchner Notfallklinik in Bogenhausen und Präsident der Deutschen Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin, Christoph Dodt, klagt über "Respektlosigkeit, Distanzlosigkeit, aufgeblasene Egos". Jeder denke nur noch an sich. Notfallaufnahmen seien zum Symbol für die rasende Entwicklung in der Medizin geworden. Sie führe dazu, dass Menschen meinten, nur weil es hier moderne Hightech-Geräte gäbe, jede nur mögliche Behandlung bekommen zu können. "Und wenn es heutzutage möglich ist, mit einem Kernspin kleinste Risse im Gewebe zu erkennen, dann sollte man das ja wohl, bitte schön, auch machen." Oft machten Patienten ihren Fall dringlicher, als er tatsächlich sei, um schneller an die Reihe zu kommen. 2
Viele nehmen sich viel zu wichtig

Die Erfahrung, dass Patientinnen hohe, oft übertriebene Ansprüche stellen, macht auch Ulrich Reissmann, der ärztliche Leiter der Notaufnahme im Markus-Krankenhaus in Frankfurt-Ginnheim. "Da kommt zum Beispiel jemand samstagabends um 23 Uhr in die Notaufnahme und klagt, er habe seit drei Wochen Kopfschmerzen. Da fragt man sich doch, warum der nicht schon mal tagsüber zum Hausarzt gegangen ist", so Reissmann. Manche meinten wohl, sie könnten so die Wartezeiten in Arztpraxen oder auf einen Termin beim Facharzt umgehen. Solche Leute reagierten dann oft äußerst unverständig, wenn sie auch im Krankenhaus nicht sofort drankommen, weil es schlimmere Fälle gibt als den ihren. So fragte eine Wartende das Ärzteteam, wann sie denn nun endlich an der Reihe sei, obwohl sie sehr genau sehen konnte, dass dieses gerade intensiv mit einem Patienten zu tun hatte, der kollabiert war. Ein anderer klopfte nachdrücklich und ungeduldig an eine Tür, hinter der eine frisch eingelieferte Schwangere entband, um auf sein Anliegen aufmerksam zu machen.

"Viele nehmen sich so entsetzlich wichtig und verhalten sich richtig ignorant oder sogar egoistisch", meint die Leiterin der Pflegestation, Tabea Görzel. Und die Ansprüche an das Gesundheitssystem seien enorm gestiegen, ergänzt Ulrich Reissmann. "Alles soll zu jeder Zeit und sofort zur Verfügung stehen." Wir reden hier zwar nicht von der Mehrheit der Patientinnen - die meisten verstünden schon, dass es im Krankenhaus nach der Dringlichkeit gehe und es auch hier Wartezeiten gebe -, doch beobachten die Beschäftigten in den letzten zehn Jahren einen "schleichenden Prozess" der Zunahme von Fällen, bei denen sich Patienten stark fordernd, uneinsichtig und auch egoistisch zeigten. Auf rund 30 Prozent schätzen sie deren Anteil.
Androhung schlechter Bewertungen im Internet

Auch das Internet mit seinen Bewertungsportalen spielt in diesem Kontext eine Rolle. "Manche drohen uns damit, eine schlechte Bewertung über uns abzugeben", sagt die leitende Oberschwester Tabea Görzel. In den Wartezimmern schaukelten sich die Patientinnen dann in ihrem Unmut gegenseitig hoc

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