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Im Netz der Pflegemafia Wie mit menschenunwürdiger Pflege Geschäfte gemacht werden von Fussek, Claus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.02.2009
  • Verlag: C. Bertelsmann
eBook (ePUB)
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Im Netz der Pflegemafia

Ein alarmierender Report, der jeden angeht

Dass wir immer älter werden und häufiger der Pflege bedürfen, gibt Anlass zu - medienwirksamer - Klage. Doch in Wahrheit ist das schwer durchschaubare Pflegesystem in Deutschland ein Millionengeschäft, das die Beteiligten gar nicht verändern wollen. Diese These untermauern die erfahrenen Pflegekritiker Claus Fussek und Gottlob Schober. Sie decken unheilige Allianzen auf, bringen Insider zum Reden und analysieren die harten wirtschaftlichen Interessen einer boomenden Pflegebranche. Erstmals werden die mafiösen Strukturen eines Systems sichtbar, in dem man um des Profits willen am Personal spart, Präventionsprogramme behindert und über eklatante Menschenrechtsverletzungen hinwegsieht.

Enthüllt die mafiösen Strukturen unseres maroden Pflegesystems.

Claus Fussek ist Gründungsmitglied der 'Vereinigung Integrationsförderung e.V.' Seit über 25 Jahren beschäftigt er sich mit den Missständen in der Altenpflege. Er ist Autor (zus. mit Sven Loerzer) von 'Alt und abgeschoben' (2005).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 399
    Erscheinungsdatum: 08.02.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641018900
    Verlag: C. Bertelsmann
    Größe: 1125 kBytes
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Im Netz der Pflegemafia

18 Ein Arzt verzweifelt am System (S. 399-400)

"Eigentlich habe ich gar keine Zeit", begrüßte uns Michael de Ridder, der Leiter der Rettungsstelle des Berliner Vivantes-Klinikums am Urban. Wir hatten zwar bereits Wochen vorher einen Termin mit ihm vereinbart, aber an diesem Tag war der Mediziner im Dauerstress. Das Krankenhaus ist ein unansehnlicher Betonklotz in Kreuzberg. Seit zwölf Jahren ist de Ridder dort leitender Arzt und trägt die Verantwortung für über 45 000 Patienten, die jährlich entweder als "Selbsteinweiser" oder als "Notfall " behandelt werden wollen. Die Berliner haben dort wie in einer Poliklinik die Möglichkeit, Tag und Nacht jede Art von fachärztlicher Versorgung in Anspruch zu nehmen. Und an diesem Morgen kamen, wie so oft, wieder einmal viele Patienten auf einmal. Mehrere Notfälle mussten parallel versorgt werden.

"Es gehört zu dieser Rettungsstelle, dass wir immerzu Patienten bekommen, die in einem mehr oder weniger bedauerlichen Pflegezustand sind", erzählt uns Michael de Ridder. Denn in Kreuzberg und im nahe gelegenen Stadtteil Neukölln gebe es sehr viele "Single-Haushalte" mit einer überproportional hohen Zahl alter Menschen. "Ich bin 15 Jahre lang Notarztwagen gefahren und habe die Wohnungen von Pflegebedürftigen gesehen, aber auch viele Heime", berichtet de Ridder. Als Notarzt musste er immer wieder erleben, dass pflegebedürftige Senioren jahrelang völlig vereinsamt im Bett lagen, ohne dass Angehörige nach ihnen gesehen hätten.

Ihr einziger Sozialkontakt seien die Schwestern gewesen, die etwas zum Essen hingestellt hätten. "Wenn sie freundlich waren, haben die Pflegerinnen dabei auch noch drei oder vier Worte gesagt", so der Mediziner. Häufig sei aber sogar das nicht der Fall gewesen. Dabei sei es auch vorgekommen, dass Menschen, deren Tod bereits unmittelbar bevorgestanden habe, noch ins Kranken haus gebracht worden seien. De Ridder: "Für mich gleicht es einer Katastrophe, solche Menschen in die Klinik einzuweisen, und dann möglicherweise auf der Intensivstation noch irgendwelchen Aktionismus zu entfalten."

Das bedeute nichts anderes als Leidensvermehrung eines Menschen, dessen Leben zu Ende geht. In solchen Fällen solle sich der Arzt einfach auf die rechte Seite des Bettes setzen und die Hand des Patienten halten. Darüber hinaus habe der Arzt dafür Sorge zu tragen, dass alles getan werde, inklusive der Verabreichung von Opiaten, um dem Patienten ein angstfreies und friedliches Sterben zu ermöglichen. Der Mediziner sagt, man könne nicht alle Pflegeheime über einen Kamm scheren, aber in Kreuzberg habe er "zahlreiche Einrichtungen erlebt, in denen die Lebensbedingungen für die Bewohner grausam und inhuman" gewesen seien.

Diese Aussage untermauert er mit Bildern und Wahrnehmungen, die sich in seinem Kopf festgesetzt haben: dem Geruch von Urin und Kot, den häufig so typischen Wandschränken, den Kachelfliesen über dem Waschbecken, dem Resopaltisch, der Ausstattung und der Atmosphäre, die diese Heime vermitteln. Depressionen der Bewohner wegen mangelnder Ansprache und Sozialkontakte gehören für ihn ebenso zu den alltäglichen Missständen wie Flüssigkeits- und Ernährungsdefizite, inadäquate Behandlung mit Psychopharmaka zur so genannten Ruhigstellung, PEG-Sondenernährung trotz ausgewiesener Schluckfähigkeit und natürlich die mangelhafte Mund-, Haut- und Nagelpflege.

Pflegemängel führen immer wieder zu stationären Aufenthalten im Krankenhaus. Warum aber schweigen die Ärzte, wenn sie Menschen nach offensichtlichen Pflegefehlern in die Klinik ei

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