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Keine Angst! Was wir gegen Depressionen und Ängste tun können. Eine Klinikleiterin erzählt von Hauth, Iris (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.03.2018
  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Keine Angst!

Ein Montagmorgen in Weißensee. Der Alltag im Alexianer St. Joseph-Krankenhaus erwacht. Menschen mit ganz verschiedenen psychischen Erkrankungen finden hier Schutz, Hilfe, Therapie. Es stimmt: Depressionen und Angststörungen sind längst zu Volkskrankheiten geworden. Dennoch wollen wir von den Erkrankungen der Seele oft nichts wissen – manchmal nicht einmal von unserer eigenen Furcht und Traurigkeit. Psychisch krank, das ist der Attentäter, der Amokläufer oder der Mörder, dessen Taten wir im Sonntagskrimi mit lustvollem Schauder verfolgen. Und doch sind der Druck und die Angst, die in einer immer unübersichtlicheren Welt auf uns lasten, manchmal mehr, als wir bewältigen können. Iris Hauth erzählt aus ihrer langjährigen Erfahrung als Klinikleiterin und im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie und öffnet die für gewöhnlich verschlossene Welt eines psychiatrischen Krankenhauses. Ein persönliches, Mut machendes Buch, das zeigt, wie wir trotz dunkler Stunden Zuversicht finden. Dr. med. Iris Hauth war nach dem Studium der Humanmedizin und einer Weiterbildung zur Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie sowie für Psychotherapeutische Medizin von 1989 bis 1994 in der Abteilung für Klinische Psychiatrie an der Universität Bochum tätig. Von 1994 bis 1996 war sie Abteilungsärztin am St. Alexius-Krankenhaus in Neuss, danach zwei Jahre Chefärztin im Landeskrankenhaus Teupitz / Brandenburg. Seit 1998 ist sie Chefärztin und seit 2008 auch Geschäftsführerin der Alexianer St. Joseph-Krankenhaus GmbH in Berlin-Weißensee. Schwerpunkte der klinischen Tätigkeit sind Depressionen, schizophrene Psychosen, postpartale psychische Störungen und innovative Versorgungsformen. Iris Hauth ist seit 2004 Mitglied im Vorstand und in den Jahren 2015 bis 2016 Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 19.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827079671
    Verlag: Berlin Verlag
    Größe: 354 kBytes
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Keine Angst!

Kapitel 2

Depressionen

Weniger "Rücken", mehr Depression

Nehmen psychische Erkrankungen zu? Erkranken heute mehr Menschen als früher? Das werde ich immer wieder und auch mit gutem Grund gefragt. Die Vielzahl an entsprechenden Medienberichten und die Statistiken der Krankenkassen lassen in der Tat die Vermutung zu, dass wir weitaus mehr als früher in unsicheren und damit auch per se krankmachenden Zeiten leben. Alles scheint undurchschaubarer geworden zu sein. Haltgebende Strukturen brechen weg, die Welt und alles, was auf ihr geschieht, rückt uns nahe. Der Stresspegel steigt. Sollte man da nicht ganz zu Recht annehmen, dass sich das niederschlägt in einer immer größer werdenden Zahl psychisch Erkrankter?

Doch das stimmt nicht. Studien des Robert-Koch-Instituts zeigen eindeutig, dass die Häufigkeit psychischer Erkrankungen nicht zugenommen hat. Nicht in den letzten Jahren und nicht einmal in den vergangenen Jahrzehnten. Die Zahlen, die nur die tatsächliche Verbreitung der Erkrankungen erfassen, sind in all dieser Zeit ungefähr gleich geblieben.

Was sich jedoch ohne Zweifel geändert hat, ist das Hilfesuchverhalten der Menschen. Sie gehen öfter und früher zum Arzt. Zwischen 1998 und 2011 ist die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen aufgrund psychischer Erkrankungen um ein Viertel gestiegen. Das hat verschiedene Gründe. Manche von ihnen sind dabei durchaus positiv zu bewerten. Trotz aller Vorurteile gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen, trotz aller noch immer offen oder verdeckt ablaufender Stigmatisierung haben immer mehr Betroffene den Mut, sich nach Hilfe umzusehen und Beratungs- beziehungsweise Therapieangebote anzunehmen. Es werden mehr ambulante Ärzte und Psychotherapeuten, aber auch stationäre Einrichtungen aufgesucht. Um dann dort auch zu bekennen: Mir geht es seelisch nicht gut.

Was im Umkehrschluss bedeutet: Wenn die Zahl psychischer Erkrankungen nicht zugenommen hat, dann sind die Menschen wegen psychischer Probleme in früheren Jahren weitaus seltener zum Arzt gegangen. Und so war es ja auch. Wenn jemand früher in eine Depression rutschte oder eine Krise, einen Konflikt hatte, wurde das etwa an seinem Arbeitsplatz noch eher toleriert. Es wurde hingenommen, dass jemand einige Wochen durchhing und nicht ganz so leistungsfähig war wie die anderen. Suchte er schließlich doch einen Arzt auf, wurde dem oft nur die halbe Wahrheit erzählt. Dann wurden die körperlichen Beschwerden, die beispielsweise eine Depression mit sich bringen kann, in den Vordergrund gestellt, und die fällige Krankschreibung erfolgte "wegen Rücken", was nichts an der tatsächlichen Situation geändert hat. Heute dagegen wird ein vorübergehendes Schwachsein im Job fast nirgendwo mehr toleriert. Die gestiegenen Leistungsanforderungen lassen etwas anderes als ein möglichst reibungsloses Funktionieren nicht zu. Der Einzelne ist viel eher gezwungen als früher, sich Hilfe zu holen.

Der von der AOK initiierte "Fehlzeiten-Report 2017" spricht diesbezüglich eine deutliche Sprache. Während innerhalb der gesamten Gruppe der AOK-Versicherten, immerhin 26 Millionen Menschen, der Krankenstand im Jahr 2016 annähernd gleich blieb, stieg die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten zehn Jahren um achtzig Prozent. Wenig überraschend, dass sich dadurch auch die Fehltage zu einem neuen Hoch summierten. Nach den Muskel-Skelett-Erkrankungen liegen die psychischen Erkrankungen da schon auf Platz zwei. Denn mit den drei bis fünf Tagen, die man in der Regel bei einem körperlichen Leiden krankgeschrieben wird, ist es bei einer psychischen Störung meist nicht getan. Da liegt die Ausfallzeit deutlich höher, nämlich bei knapp 34 Tagen. Das führt wiederum zu den deutlich steigenden Kosten.

Es steht zu erwarten, dass der Hilfebedarf auch in den nächsten Jahren ansteigen wird. Gleichzeitig hat sich insbesondere auf Seiten der Hausärzte die Sensibili

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