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Keine Angst, wir kommen Unfassbare Geschichten vom Rettungsdienst von Lehmacher, Georg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2014
  • Verlag: fontis - Brunnen Basel
eBook (ePUB)
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Keine Angst, wir kommen

Seit dreißig Jahren ist er ehrenamtlich im Krankentransport und Rettungsdienst des Roten Kreuzes tätig. Begonnen hatte Georg Lehmacher aber schon davor: Als Zivildienstleistender kam er 1982 auf eine kleine Rettungswache in Friedberg, wo die medizinische Versorgung und Ausstattung noch wesentlich schlechter waren als heute. Die Folge war, dass jeder einzelne Mitarbeiter bei einer wesentlich schlechteren Ausbildung viel mehr Eigenverantwortung tragen musste. In einer Zeit, in der er sich vom Glauben abgekehrt hatte, wurde Lehmacher mit extremsten Erlebnissen konfrontiert, die sein Weltbild prägten. "Ich habe Dinge erlebt, in denen es scheinbar keine Hoffnung mehr gab. Glauben Sie mir: Da habe ich das Beten wieder gelernt." Hauptberuflich arbeitet Lehmacher als Kommunikationsdesigner und ist Dozent an der Hochschule Augsburg. Er ist mit Renate verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Aus seiner Feder stammt auch das Vorgängerbuch, der Erfolgstitel "Schneller als der Tod erlaubt" (Bastei Lübbe).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 318
    Erscheinungsdatum: 22.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783038486343
    Verlag: fontis - Brunnen Basel
    Größe: 1082 kBytes
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Keine Angst, wir kommen

1

Furchtbare Schmerzen

Mai 1983

Josef steht im Hof, als ich kurz nach 17.00 Uhr bei der Rettungswache ankomme. Er stopft in seiner Pfeife herum und versucht immer wieder, sie anzuzünden. "Du kannst schon mal den Rettungswagen durchsehen", brummt er. "Ich glaub, die linke Sauerstoffflasche muss gewechselt werden. Und nachher fahren wir dann noch tanken."

Meine erste Nachtschicht hinten im Rettungswagen. Quasi als Verantwortlicher für den Patienten. Und doch nicht richtig. Ich bin ja nur Rettungsdiensthelfer und Josef der höher qualifizierte Rettungssanitäter. Aber ein ZDL darf bei uns nicht fahren.

"Wir hatten da ein paar, die sind hier mit den Autos so in der Gegend herumgeräubert", hatte Christian, der Wachleiter, mal bemerkt, "was die alles kaputtgefahren haben, das kann keiner bezahlen." Also ist der Rettungsdiensthelfer und ZDL grundsätzlich immer hinten beim Patienten.

Ich bin ziemlich verschwitzt von der Fahrt an diesem heißen Tag. Mein Fahrrad binde ich an der Halterung der Regenrinne fest. Das Schutzblech ist abgegangen. Wenn ich Glück habe, sperrt mir Josef später die Werkstatt auf, und ich kann es wieder anschrauben.

"Das kannst du auch in die Halle stellen", brummt Josef und nickt in Richtung meines Fahrrads, "es ist eh genug Platz drinnen. Der 1er ist gerade in der Werkstatt."

Der "1er" ist ein Krankentransportwagen, er hat das Kennzeichen AIC-UV 1. Ein besonderer KTW. Weil er das Vorführfahrzeug der Herstellerfirma war und einen 180-PS-Motor hat, und nicht die zu dieser Zeit üblichen 76-Diesel-PS, wird er gerne gefahren.

"Hatte der UV-1 einen Unfall?", frage ich.

"Nein", schüttelt Josef den Kopf und pafft Rauchwolken vor sich hin. Endlich ist seine Pfeife angebrannt. Ein etwas süßlicher Tabakduft.

"Die Elektrik hatte ein Problem, das Blaulicht ging immer von alleine an. Als ich mit Wolfgang letzte Woche auf der Rückfahrt von Murnau war", lacht er jetzt, "hab ich mich gewundert, dass auf einmal alle vor mir zur Seite fahren. Das war vielleicht peinlich!"

"Und was habt ihr dann gemacht?"

"Die Sicherung raus", sagt er.

"Ach, klar." Logisch, da hätte ich auch selbst drauf kommen können.

"Aber dann", grinst er, "ging auch der Funk nicht mehr."

"Aha. Wie ging es dann weiter?", er wartet wohl darauf, dass ich ihn alles einzeln frage.

"Dann ist Wolfi hochgestiegen und hat die Blaulichter mit Dreiecktüchern und Leukosilk zugeklebt."

"Guter Plan", bemerke ich.

"Ja", sagt er, "und als wir dann in Königsbrunn waren, haben wir tatsächlich einen Notfall bekommen und den Schalter umgelegt und zuerst vergessen, dass die Dinger zugeklebt sind. Aber wir haben es schnell gemerkt. Ist ja niemand zur Seite gefahren."

Jetzt muss ich grinsen.

"Seid ihr dann erst wieder hochgestiegen und habt die Tücher weggemacht?"

Er schüttelt den Kopf. "Nein, es war nicht weit bis zum Einsatz. Das hätte nur noch länger gedauert. Wir haben den Warnblinker angemacht, und: das Horn ging ja. Und als wir dann am Einsatz waren, ging dafür das Horn nicht mehr aus."

Ich kratze mich am Kopf. Solche Pannen brauche ich heute nicht. Die erste Schicht hinten im Patientenraum - das ist eh aufregend genug.

"Heute Nacht wird es sicherlich ruhig", sage ich, während ich das Fahrrad wieder losmache.

"Sicher nicht", bemerkt Josef, "der erste warme Tag. Und das noch vor dem Feiertag. Du kannst drauf warten, dass es scheppert. Wenn du ein Motorrad haben willst", scherzt er, "brauchst du dir für so einen Tag nur eine große Wiese zu kaufen."

Das ist nicht witzig, Josef!

Ein beklommenes Gefühl breitet sich in meinem Bauch aus.

"Ich hoffe, es bleibt trotz des Vatertags morgen ruhig", bemerke ich.

"Christi Himmelfahrt!", poltert er.

"Wie?", frage ich.

"Das ist Christi Himmelfahrt! Nicht Vatertag", brummt er noch einmal. "Erstens", sagt er

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