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Kriegsspuren Die deutsche Krankheit German Angst von Bode, Sabine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.03.2016
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
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Kriegsspuren

"Die Kölner Journalistin hat sich umgehört unter ihren Landsleuten. Entstanden ist dabei eine Art Collage kurzer Psychogramme der deutschen Seelenlage, gespeist aus Interviews mit Politikern, Managern, Journalisten, Schriftstellern und Wissenschaftlern." Thomas Speckmann, Die Welt Unter German Angst verstehen wir eine Mischung aus Mutlosigkeit und Zögerlichkeit, gepaart mit Zukunftsängsten und einem extremen Sicherheitsbedürfnis. Sie ist eine Altlast des Zweiten Weltkrieges und das Resultat einer nicht aufgearbeiteten Trauer über die Leiden, die der Krieg und seine Folgen verursacht haben. Dabei könnten wir eine Menge tun, um die German Angst zu überwinden. Und das wäre nicht einmal teuer. "Ein Gespenst geht um in Deutschland, die German Angst. Die Kölner Autorin Sabine Bode hat diese spezielle Mischung diffuser Gefühle des Bedrohtseins, der Angst vor dem Rückfall in die Barbarei und der Verelendung sehr eingehend untersucht." Peer Steinbrück

Sabine Bode, Jahrgang 1947, begann als Redakteurin beim "Kölner Stadt-Anzeiger". Seit 1978 arbeitet sie freiberuflich als Journalistin und Buchautorin und lebt in Köln. Sie ist eine renommierte Expertin auf dem Gebiet seelischer Kriegsfolgen. Ihre Sachbücher "Die vergessene Generation", "Kriegsenkel", "Nachkriegskinder" und "Kriegsspuren" sind Bestseller und wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 19.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608109535
    Verlag: Klett-Cotta
    Größe: 3787 kBytes
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Kriegsspuren

Vorwort zur Neuausgabe

German Angst ist Teil der langen Schatten unserer Vergangenheit, ein Erbe kollektiver Erfahrungen durch Nationalsozialismus, Holocaust, Krieg und Vertreibung. Dem Erbe entwuchsen drei Bekenntnisse, die mit "nie wieder" anfangen: Nie wieder Krieg. Nie wieder Auschwitz. Nie wieder Rassist sein. Es sind Halbsätze, die reflexhaft eine ideologische Rhetorik entfachen können. Meiner Ansicht nach liegt der German Angst vor allem die Angst vor Verelendung und einem Rückfall in die Barbarei zu Grunde. Sie ist nicht immer leicht zu erkennen. Ihr augenfälligstes Merkmal ist Zukunftsangst. Wäre ich Anfang 2015 gefragt worden, wie es denn um die German Angst bestellt sei, ich hätte geantwortet: Die Gesellschaft zeigt sich angstfreier als von mir erwartet, und sie wird kaum noch von Schwarz-Weiß-Denken gesteuert. Die vergangenen zehn Jahre haben viel verändert.

Wahrscheinlich wirkt sich kollektiv aus, dass in vielen Familien offener über die Vergangenheit gesprochen wird – eine Gegenbewegung zu dem großen Schweigen, das seit Kriegsende Verstrickungen in das NS-Regime zudeckte, weil der gute Familienname nicht durch einen Makel Schaden nehmen sollte. Ein Schweigen, das eine Auseinandersetzung mit persönlicher Schuld nicht aufkommen ließ, aber auch die Erinnerungen an schwere Verletzungen, Entwürdigungen und Verluste auf Abstand hielt.

Der Nebel lichtet sich, und daran haben vor allem jene 40- bis 60jährigen Deutsche einen großen Anteil, die sich "Kriegsenkel" nennen. Sie stellen ihren Eltern unbequeme Fragen, forschen in Archiven nach, sie tauschen sich in Selbsthilfegruppen und in Netzwerken aus. Sie tun es, weil sich herumgesprochen hat, wie befreiend es sein kann, wenn Familiengeheimnisse und Ungereimtheiten keine Verwirrung mehr stiften. Tiefgehende Ängste, die man sich nicht erklären konnte, lösen sich auf – auch Gefühle der Heimatlosigkeit, mangelnde Empathie oder vielleicht die Scheu, eine eigene Familie zu gründen. Eine Entblockierung hat stattgefunden.

Wer sein Verhältnis zu seiner Familienvergangenheit geklärt hat, kann unbefangener in die Zukunft schauen. Die Erwartung, von dort könne nur Übles kommen, klingt nach und nach ab. Das gibt Kraft, auch Kraft für gesellschaftliches Engagement.

Wenn Angehörige der Kriegskinderjahrgänge sich dagegen zu gravierenden sozialen Missständen äußern, dann überwiegend im Sinne von: Man muss eben warten, bis alles zusammenbricht. Erst dann wird sich in diesem Land etwas ändern. Sie glauben, dass alle Menschen so denken. Der "Totalzusammenbruch", wie sie es nennen, ist Teil ihrer prägendsten Kindheitserfahrungen, und in der Tat, erst danach ging es wieder bergauf. Solchen Menschen fehlt es an Vertrauen in gesellschaftliche Entschlossenheit, die eine Katastrophe rechtzeitig abwendet und zum Guten führt. Ihnen mangelt es an Vertrauen ins Leben schlechthin.

Im Rückblick auf die vergangene Dekade macht sich ein Generationenwechsel bemerkbar. Den Jüngeren fällt es leichter, mit Stress umzugehen, und sie argumentieren weit weniger ideologisch, als Menschen der Kriegskindergenerationen, deren aktive Zeit als Politiker in etwa mit der Abwahl von Bundeskanzler Gerhard Schröder zu Ende ging. So ungefähr war meine Einschätzung noch vor zwölf Monaten: Die Bevölkerung hat die Finanzkrise und die damit einhergehenden Verluste verblüffend gelassen aufgenommen. Sie hält die Probleme, die Griechenland aufwirft, im Grunde für unlösbar, aber ein Auseinanderbrechen der EU für kaum denkbar. Sie schaut mit Sorgen hinüber zum Krisengebiet Ukraine, aber von Kriegsangst, die früher bizarre Formen annehmen konnte, keine Spur. (Ich erinnere mich

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