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Lebenslänglich Knastlehrer Meine Erfahrungen aus 20 Jahren Jugendgefängnis von Vogel, Klaus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.10.2014
  • Verlag: riva
eBook (ePUB)
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Lebenslänglich Knastlehrer

Seit über 30 Jahren ist Klaus Vogel Lehrer aus Passion - und den Großteil davon im Gefängnis. Er ist Schulleiter in der Jugendstrafanstalt Berlin und unterrichtet straffällig gewordene Jugendliche, um ihnen einen Schulabschluss und damit die Wiedereingliederung in das Leben nach dem Knast zu ermöglichen. In diesem Buch erzählt er aus seinem reichen Erfahrungsschatz, von Erfolgen, von Misserfolgen, was das Besondere am Unterrichten im Gefängnis ist, von Jugendlichen, die das Gefängnis hinter sich lassen und ein neues Leben beginnen können, und von denen, die immer wieder kommen. Und das sind nicht wenige. Umrahmt von vielen Begebenheiten aus seinem langjährigen Berufsalltag erklärt Klaus Vogel, woran es im Umgang mit den straffälligen Jugendlichen mangelt, was sich ändern müsste - und warum er seinen Beruf trotz aller Probleme und Widerstände noch immer aus tiefer Überzeugung und voller Herzblut ausübt.

Klaus Vogel, Jahrgang 1953, ist seit 1999 Schulleiter in der Jugendstrafanstalt Berlin, die in den letzten Jahren über 600 jugendliche Straftäter beherbergte. Zusätzlich ist er Vorsitzender der Berufsorganisation der Lehrer und Lehrerinnen im Strafvollzug, organisiert regelmäßig nationale Fachtagungen und war an diversen Kooperationen länderübergreifender vollzugspädagogischer Projekte beteiligt. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 10.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864136184
    Verlag: riva
    Größe: 501 kBytes
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Lebenslänglich Knastlehrer

Teil 2: Umschluss 2 (1989-1999)

Im Osten viel Neues - Als die Einheit im Vollzug ankam

W ohl jeder Mensch weiß, welche Veränderungen der Übergang von den Achtziger- zu den Neunzigerjahren für Deutschland bedeutete. Doch kaum ein Mensch ahnt, welche Folgen diese Zeit für den Justizvollzug mit sich brachte und damit auch für meine Arbeit als Lehrer.

Ich selbst konnte 1990 nicht einmal ahnen, was auf mich und meine Kollegen zukam. Während die Welt noch staunend auf die friedlichen Revolutionen von 1989 und deren durchaus begrüßenswerte Folgen schaute, standen wir in den Folgejahren vor vollkommen neuen Aufgaben und Problemen. Denn die neue Freiheit in vielen Teilen der ehemaligen Sowjetunion brachte auch einen massiven Zuzug von Kriminellen aus jenen Regionen in den Westen mit sich. Kriminellen, die sich sehr stark von jenen Menschen unterschieden, mit denen wir es bislang zu tun hatten.

Außerdem kam ich persönlich schon in den frühen Neunzigerjahren mit einer Problematik in Kontakt, die in der Welt erst ein gutes Jahrzehnt später wirklich Beachtung fand: Attentate mit islamistischem Hintergrund, die der 11. September 2001 unauslöschlich in die Erinnerung der Menschen einbrannte.

Rund zehn Jahre zuvor fand ein Anschlag mitten in Berlin statt. Der richtete sich allerdings nicht gegen den Westen an sich, Ziel waren vielmehr oppositionelle Politiker aus einer islamischen Republik. Der mutmaßliche Haupttäter war schnell gefunden: Er hieß Bahram Kücük, und er wurde mein Schüler - ein Schüler, mit dem ich so lange und so intensiv zusammenarbeiten sollte wie mit kaum einem anderen in meiner mehr als 30-jährigen Laufbahn.

Aber fangen wir vorne an. Der Tag, der gerade für einen Berliner wie mich unvergesslich bleiben sollte, war ein Donnerstag: der 9. November 1989, und damit der Tag, an dem nach 28 Jahren jene Mauer fiel, die Berlin in Ost und West teilte.

Wie jeder Berliner erinnere ich mich genau an diesen Tag. Daran, dass es bereits Abend war, als uns diese eigentlich unglaubliche Meldung über die Fernsehbildschirme in unseren Wohnungen erreichte: Die Mauer war offen.

Danach war in Berlin natürlich nichts mehr so, wie man es all die Jahrzehnte gewohnt war, und als politisch interessierter Mensch verfolgte ich die weitere Entwicklung natürlich intensiv und gespannt.

Für meinen Alltag als Lehrer im Justizvollzug brachten die ersten Tage und Monate nach dem Mauerfall zunächst denkbar wenige Veränderungen mit sich. Die Mauern der Justizvollzugsanstalten in Westberlin standen weiter, ihre Tore blieben geschlossen und die Arbeit dahinter ging ihren Gang.

Das jedoch galt nur für Westberlin. Im damaligen Ostberlin veränderte der Mauerfall und die Wende insgesamt die Situation in Bezug auf die Haftanstalten vollkommen. Während bei uns hauptsächlich Straftäter inhaftiert wurden, konzentrierte man sich in der DDR hauptsächlich auf jene Menschen, die politisch eine eigene und vor allem eine kritische Meinung zum System einnahmen. Manche waren wegen Republikflucht inhaftiert, manche, weil sie vielleicht einfach nur den falschen Fernsehsender eingeschaltet hatten. Diese politischen Häftlinge wurden in den Haftanstalten der Staatssicherheit psychisch und auch physisch gefoltert.

Das änderte sich nach dem Mauerfall in einer kaum für möglich gehaltenen Geschwindigkeit. Kaum eine Woche nach der überraschenden Nachricht des 9. November wurde das berüchtigte Ministerium für Staatssicherheit - die Stasi - in das Amt für Nationale Sicherheit (AfNS) umbenannt. Nicht zuletzt mit dem Ziel, den riesigen Überwachungsapparat zu verkleinern. Auch diese Pläne wurden allerdings von der Zeit und vor allem von dem neu erwachten Willen der Bürger überholt: Unter Druck geraten, löste der Ministerrat bereits am 14. Dezember 1989 das AfNS wieder auf.

Das Entscheidende für mich und den gesamten Justizvollzug bestand jed

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