text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt von Reschke, Daniella (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.07.2016
  • Verlag: TWENTYSIX
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt

Das Buch wagt den Ansatz einer Zeitlinie für die Folgen einer sexualisierten Gewalttat aus genderspezifischer Sicht des betroffenen Kindes bis in das hohe Alter hinein. Die beschriebenen Lebensepisoden orientieren sich an den sich physisch und sozial verändernden Anforderungen von einem kleinen bis zu einem alten Menschen. Die Situation von Jungen wird genauso betrachtet wie die von Mädchen. Die geschilderten Erkenntnisse und Erfahrungen sollen einen Anstoß auf eine neue Sichtweise des Lebens mit sexualisierter Gewalt geben. Dieses aus dem Leben geschriebene Buch soll eine Hilfestellung, Erklärung sowie ein Gedankenanstoß für Sozialpädagogen, Therapeuten, Seelsorger, Ärzte, Naturwissenschaftler und all diejenigen sein, die sich eigene Situationen des Lebens erklären wollen.

Die fachliche Grundlage für dieses Buch ist das Studium der Biochemie von Frau Dr. Reschke an der Freien Universität Berlin. In den letzten acht Jahren arbeitete sie als Dozentin in der Erwachsenenbildung. Davor war sie als Projektleiterin in interkulturellen Großprojekten eingesetzt und hat mit den unterschiedlichen Bildungsständen, Altersstrukturen und Kulturen in den Teams zusammengearbeitet. Alleine in der Zeit als Dozent konnte sie über 2.000 Teilnehmer kennenlernen. Die Erfahrungen und Gespräche mit diesen Menschen, die das gesamte Altersspektrum abbilden, hat sie neben ihren eigenen Therapieerfahrungen in dieses Buch einfließen lassen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 29.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740754754
    Verlag: TWENTYSIX
    Größe: 771kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt

Der Tarzan Effekt

Es gibt in den Geschichten aller Völker Erzählungen, dass Kinder ohne Eltern in der Natur durch Tiere großgezogen wurden. Die Figuren sind Tarzan, Mogli, Wolfskinder und Affenkinder.

Mädchen kommen nur bei Wölfen und Affen vor. In allen anderen Fällen wird von Jungen erzählt. Da Jungen in allen Kulturen der Welt angesehener sind als Mädchen, stellt sich die Frage, warum gehen Jungen verloren? In vielen Ländern werden Kinder oft wegen Armut ausgesetzt, in der Hoffnung, ein Muttertier bringt sie durch und sie können dann für sich selber sorgen und überleben. Mädchen werden eher umgebracht. Die meisten Kinderfiguren dieser Erzählungen gehen in der Pubertät zurück in die Menschengemeinschaft.

Eine Ausnahme machen hier die Wolfskinder. Sie bleiben im Wald oft über das Erwachsenwerden hinaus. Wie kann man diese Effekte, so will ich sie hier nennen, auf das Schema von traumatisierten Menschen übertragen? In jedem Fall liegt ein Trauma, der Verlust der menschlichen Bezugspersonen, vor.

In der Gemeinschaft der Tiere bleiben sie friedlich und wachsen verspielt ohne die Emotion Verantwortung im Sinne der Menschen auf. Dafür ist ihr Sozialverhalten entsprechend der jeweiligen Tiergemeinschaft stark ausgeprägt. Ein sogenanntes Trauma Verhalten, wie es sonst bei Trauma Patienten zu beobachten ist, wird nicht geschildert.

In der Menschengemeinschaft ist das Erlernen und die Übernahme von Verantwortung ein wesentlicher Bestandteil des Zusammenlebens. Wie lernen Kinder Verantwortung?

Es gibt verschiedene Definitionen für Verantwortung. Der Mediziner und Psychotherapeut Dr. med. Michael Depner hat sich mit dem italienischen bzw. lateinischen Ursprung des Wortes beschäftigt:

"Italienisch heißt Verantwortung responsabilità . Darin enthalten sind die lateinischen Wörter respondere = antworten und abilitas = Fähigkeit . Verantwortung ist eine Fähigkeit. Es ist die Fähigkeit, Antworten zu geben."

Damit ist der Unterschied zu einer Tiergemeinschaft hervorgehoben. Die Emotion Verantwortung, dessen Gedankenmuster und das erlernte Sozialmuster ist die Fähigkeit Antworten zu geben.

Wird das Kind in einen Zustand der Verwirrung oder Erstarrung wie bei der sexualisierten Gewalt versetzt, dann kann sich Verantwortung nur gering, gar nicht oder übermäßig entwickeln. Das für die menschliche Gemeinschaft normale Maß wird selten erreicht.

Wie weit ist ein Kind in einer menschlichen Gemeinschaft im Alter bis zu fünf Jahren in der Lage Verantwortung zu übernehmen, das heißt Antworten zu geben? Antworten können nur in der altersbedingten Sichtweise gefunden werden. Die Geschehnisse, die Aussagen des Täters / der Täterin und seine / ihre projektierte Gedankenwelt werden "nur" in dem Maße aufgenommen und realisiert, in dem das Kind entwicklungsmäßig und auf Basis seiner eigenen Welt in der Lage ist. Diese eigene Welt ist von vielen Umfeld Faktoren abhängig. So ist die Verarbeitung der sexualisierten Gewalt auf die Person bzw. auf das Kind bezogen einmalig und individuell. Für die Antworten, die sich das Kind auf die erfahrene sexualisierte Gewalt gibt und damit für die Übernahme der Verantwortung, gilt das Gleiche.

Wir sahen anhand der Zeichnung zu Beginn der Ausführungen, dass ein Trauma eine Erstarrung erzeugt. Erfährt das Kind keine direkte, kurzfristige Unterstützung bei der Bewältigung der Situation, dann wird die Individualität des Kindes in diese Erstarrung gezwungen, somit auch seine Fähigkeit Verantwortung zu übernehmen.

Was bedeutet das für die weitere Entwicklung? Die nachfolgenden Erfahrungen und durch die Sozialisation entwickelten Vorstellungen werden an die Erstarrung angepasst. Funktioniert dies nicht, weil die Erstarrung in einem zu frühen Alter erfolgte, dann werden die Anforderungen, Meinungen und Verhaltensweisen unreflektiert übernommen. So entsteht eine zweite Welt, sozusagen der Mantel für

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen