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Marx und wir Warum wir eine neue Gesellschaftsidee brauchen von Gysi, Gregor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.04.2018
  • Verlag: Aufbau-Verlag
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Marx und wir

Was hat uns Karl Marx heute zu sagen? Ist der Kapitalismus noch zu retten? Oder brauchen wir eine neue Gesellschaftsidee? Gregor Gysi untersucht kritisch, unterhaltsam und pointiert die Bedeutung des Marx'schen Denkens und seiner Rezeption, die von akademischer Erbauungsliteratur bis zum Popart-Design reicht. Seine These: Die Menschheit braucht eine neue Utopie. 'Karl Marx war einer der größten Historiker und Ökonomen nicht nur unseres Landes, sondern der Geschichte.' Gregor Gysi. Als linker Politiker hat man ein Verhältnis zu Marx, und angesichts der Niederlage historischen Ausmaßes, die die Linke im 20. Jh. erfahren hat, kann dieses Verhältnis nicht völlig ungebrochen sein. Gregor Gysi hat aber auch ein sehr persönliches Verhältnis zu Marx: Das hat mit seinem Leben und Arbeiten in der DDR zu tun sowie damit, dass er die SED 'übernommen' und an vorderster Stelle an deren Umformung zu einer modernen Linkspartei mitgewirkt hat. Ein Prozess, in dem Auseinandersetzungen über den Marxismus eine große Rolle spielten. Gysi schildert die Bedeutung, die Marx für seine Biographie, aber auch für linkes Denken und linke Politik und die gesamte Gesellschaft hat. Überdies untersucht er die brennenden Fragen der Gegenwart und in welcher Weise Marx` Denken für ihre Lösung hilfreich sein kann. Gregor Gysi, geboren 1948, Rechtsanwalt und Politiker. Sohn des DDR-Kulturministers Klaus Gysi und Neffe der Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing. 1967 Eintritt in die SED. Vertrat als Rechtsanwalt u. a. Robert Havemann, Rudolf Bahro und andere Regimekritiker. 1989–1993 Parteivorsitzender der PDS. 1990–2002 und 2005–2016 MdB und Fraktionsvorsitzender der PDS und der Partei Die Linke. Seit Dezember 2016 ist er Präsident der Europäischen Linken. Zahlreiche Publikationen. Bei Aufbau erschienen zuletzt: "Was bleiben wird. Ein Gespräch über Herkunft und Zukunft" (zusammen mit Friedrich Schorlemmer) sowie die Autobiographie "Ein Leben ist zu wenig".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 13.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841215000
    Verlag: Aufbau-Verlag
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Marx und wir

Menschen passen in kein Modell

Eine Wandzeitung mit langem Bart - Die Klassiker in den Trümmern der DDR - "Das Kapital" im Einkaufswagen - Autorität allzu leichtgenommen: Zitate statt wirklicher Argumente - Der Irrtum von Norbert Blüm - Scheinbar aussichtslose Ziele sind oft der beste Antrieb

Das Marx-Engels-Denkmal auf dem Berliner Marx-Engels-Forum. Warum sitzt Marx?

Einer bundesdeutschen Zeitschrift beantwortete ich einen Fragebogen, der auch wissen wollte, wie ich einem Blinden mein Äußeres beschriebe. Ich gab an: "Groß, kräftig, dichte blonde Locken." Worauf die Redaktion einige Leserbriefe erhielt, von denen einer auch veröffentlicht wurde: "Von einem Linken hätten wir natürlich erwartet, dass sich seine Phantasie in dieser Frage an Karl Marx orientiert: dichter langer Bart und wallendes dunkler Haar." Stimmt. Ist mir aber damals nicht eingefallen.

Allerdings kann ich sagen, dass ich mit der Frisur von Marx (und Engels) durchaus sehr reale politische Erfahrungen machte, und das sehr früh. In den sechziger Jahren in der DDR begannen junge Leute lange Haare zu tragen. Es war die Zeit der unaufhaltsam einsetzenden "Beatlemania", deren Ausdrucksformen über die Grenze drangen. Der älteren Generation missfiel dies, dem Staat noch mehr, und wie immer verfiel man in der Administrative in den fundamentalen, ja geradezu lächerlichen Irrglauben, der Jugend Kleidung, Aussehen, Musik oder Geschmack vorschreiben zu können. In der DDR ging das so weit, dass die Volkspolizei oder Vorgesetzte in den Betrieben junge Leute zwangen, zum Frisör zu gehen. Mitunter griff man schon vorher zum erzieherischen Strafinstrument: zur Schere. Die Zeitung "Neues Deutschland" veröffentlichte agitatorische, gleichsam abmahnende Fotos, wie sogenannte Gammler gewaltsam barbiert wurden.

Ich besuchte damals die Erweiterte Oberschule "Heinrich Hertz" in Berlin-Adlershof. Zwei Mädchen meiner Klasse gestalteten eine Wandzeitung. Darauf waren zwei sehr attraktive Bilder zu sehen, eines von Karl Marx und das andere von Friedrich Engels. Beide trugen die bekannten langen Haare. Meine Mitschülerinnen fragten in ihrem Textbeitrag, wie die beiden wohl von der Volkspolizei der DDR behandelt würden. Wenn man um die damaligen Verhältnisse im Staat weiß, kann man sich sehr gut vorstellen, wie aufgebracht und nervös der Direktor in unsere Klasse kam. Er fragte barsch nach dem Funktionär, der in der FDJ-Leitung der Klasse verantwortlich für "politisch-ideologische Fragen" sei. Typisch für das Prinzip der Kader-Hierarchie: Man erkundigt sich nicht nach den unmittelbar Verantwortlichen, also nach den beiden Mitschülerinnen, sondern nach den "Übergeordneten".

Die Sache geschah im Monat März. Die Wahl der FDJ-Leitung hatte im September des Vorjahres stattgefunden. Ich selber war an jenem Wahltag krank und hatte also an der betreffenden Versammlung nicht teilgenommen. Also ging mich jetzt dieses Erkundigen und Nachfragen nichts an. Aber plötzlich beugte sich die FDJ-Sekretärin zu mir vor und flüsterte, man habe mich "damals", in meiner Abwesenheit, zum Verantwortlichen für politisch-ideologische Fragen bestimmt.

Nunmehr, wie gesagt, stand der Kalender auf März. Bis dahin hatte die FDJ-Leitung nicht ein einziges Mal getagt, so dass ich von der "Ehre" dieser Wahl nichts erfuhr. Nun meldete ich mich selbstverständlich, ich wollte die seltsame Situation nicht denunzieren. Der Direktor bat mich, mit in sein Zimmer zu kommen. Er forderte mich auf, für Ordnung zu sorgen, was bedeutete: Die Wandzeitung sollte unverzüglich abgehängt werden.

Ich hörte mir das an und gab zu bedenken, dass diese Idee nicht besonders klug sei. Das Erstaunen des Pädagogen kann man sich vorstellen. Auf erneute Nachfrage erklärte ich, eine abrupte Entfernung der Wandzeitung würde aus einer doch recht harmlosen Angelegenheit ein auffälliges, Widerspruch auslösendes Politikum machen. Klüger wäre, nicht zu reagieren, die Sa

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