text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Mehr Süden wagen Oder wie wir Europäer wieder zueinander finden von Schoepp, Sebastian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2014
  • Verlag: Westend Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Mehr Süden wagen

Kein Sommer ohne Südwind Wir glauben, den Süden zu kennen, weil wir hundertmal im Urlaub dort waren. Aber ist dem wirklich so? Muss der Süden nun auch zu der puritanischen Askesemoral erzogen werden? Oder steckt im Sein des Südens nicht sogar sehr viel Potenzial, das uns helfen kann, Europas Burn-out zu überwinden? Sebastian Schoepp reiste für seine Recherche von Siena bis Santiago de Compostela und Barcelona. Er porträtiert einen Lebens-, Kultur- und Wirtschaftsraum, der seit Jahrhunderten Schauplatz vielfältiger Formen der Entwicklung und Begegnung ist. Schoepp erzählt, wie der Süden wirklich funktioniert, wie die Menschen leben, wie sie lieben, arbeiten, hoffen, was sie antreibt und wie stark sie sich verändert haben in den letzten Jahren. Und er zeigt auf, welch enorme Chance besteht, wenn Norden und Süden endlich ihre Talente bündeln. Sebastian Schoepp ist seit 2005 außenpolitischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung und als solcher für Spanien und Lateinamerika zuständig. Außerdem ist er Dozent für Journalistik an der Universität Barcelona. Schoepp arbeitete für die nicaraguanische Zeitung La Prensa und andere spanischsprachige Publikationen. Er absolvierte ein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie ein Zweitstudium an der Universitat de Barcelona. 1990 bis 1991 arbeitete er beim Argentinischen Tagesblatt, begann anschließend für die Süddeutsche Zeitung zu arbeiten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 15.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864895609
    Verlag: Westend Verlag
    Größe: 756 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Mehr Süden wagen

Die Entzauberung

"Und doch lässt sich allem Anschein zum Trotz ein
vernünftiger Kern in all dem Irrsinn ausfindig machen."

Angelo Bolaffi 1

Er hatte alles erreicht - und das in atemberaubender Geschwindigkeit: 1889 hatte er in Jura promoviert, 1892 folgte die Habilitation in Handelsrecht. Im Jahr darauf wurde er außerordentlicher Professor in Berlin. 1894 erhielt er einen Lehrstuhl für Nationalökonomie in Freiburg, 1896 in Heidelberg. Eine steile Karriere nahm ihren Lauf. Auch privat lief es hervorragend für Max Weber. 1893 heiratete er eine entfernte Cousine, Marianne Schnitger, Tochter eines Leinenfabrikanten, wohlhabend, selbst Wissenschaftlerin und Frauenrechtlerin, in jeder Hinsicht eine gute Partie. Mit Anfang dreißig war Max Weber einer der geachtetsten Wissenschaftler Deutschlands, die akademische Welt riss sich um den Austausch mit dem vielversprechenden jungen Professor, der dazu ansetzte, die altehrwürdige, aber muffige Nationalökonomie zur modernen Sozialwissenschaft umzubauen. Was konnte ihm noch im Wege stehen? Nur sein stärkster Gegner - er selbst.

Weber arbeitet wie besessen, Tag und Nacht, "stopft sein Leben und sich voll, mit Terminen, Lektüren, Aufträgen, Arbeiten, Essen, Bier". 2 Bis zum Zusammenbruch. Im März 1898 wird bei Max Weber eine "Neurasthenie in Folge jahrelanger Überarbeitung diagnostiziert". 3 Er kann kaum noch sprechen, geschweige denn arbeiten. "Mir vergehen beim Blick auf mein Kollegheft einfach die Sinne", klagt er. Einer der vielversprechendsten Sozialwissenschaftler Deutschlands sitzt nur noch da und "stumpft vor sich hin". Sein Zustand, so heißt es, schließe "jeden geselligen Verkehr aus". 4

Ein klarer Burn-out, wie man heute sagen würde.

Max Weber verbringt Monate in Sanatorien und auf Kuren. Er wird therapiert mit frischer Luft, Ruhe, Hypnose, Alkoholverbot, Gymnastik, Tiefenatmung, Veronal, Heroin, Ermunterung zum Geschlechtsverkehr, wie sein Biograph Jürgen Kaube schreibt. 5 Doch nichts hilft, um ihn aus dem "Nervenbankrott" herauszuholen. Bis er sich zu einer folgenreichen Entscheidung durchringt. Weber beschließt, es in Italien zu versuchen, wo schon Johann Wolfgang Goethe lebenslange "Leitung, Fördernis" und geistige Heilung gesucht hatte. 6 In Rom, so Max Webers Hoffnung, könne auch er "Krankheit und Erdenschwere versenken in das gewaltige Meer der Eindrücke". Der Kranke reist über die Alpen, nimmt über Monate Quartier in Rom, diskutiert mit Einheimischen, treibt sich in Künstlerkneipen und Archiven herum. Und siehe da: Jetzt, da ihn "die sonnenumflossene Daseinsfreude des Südens" 7 umweht, geht es ihm spürbar besser.

Ein Entschluss beginnt zu reifen: Er gibt die Hochschulkarriere auf und wird sozusagen Privatgelehrter. Aber nicht nur, dass Rom ihm Erholung, Muße und Abstand zu seiner bedrückenden Heidelberger Studierstube verschafft, das Ambiente gibt ihm auch neue Kraft für eine Aufgabe, die seine größte werden soll. "Als Weber allmählich aus diesen Qualen wieder herauskommt (...), beginnt fast schlagartig jene Produktion, die ihn berühmt machen wird." 8 Das nun entstehende Werk wird den Titel Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus tragen und die Sozialforschung revolutionieren. Noch heute wird es häufiger zitiert als jedes andere, wenn es darum geht, die krankmachenden Mechanismen einer Wirtschaftsweise zu beschreiben, die das Prinzip der Gewinnanhäufung zum Selbstzweck erhoben hat.

War es ein Zufall, dass Max Weber sein Hauptwerk in Italien konzipierte? Viele seiner Biographen deuten an: wohl nicht

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen