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Mein Isl@m Bloggen für die Freiheit von Nasr, Amir A. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.04.2016
  • Verlag: Aurum Verlag
eBook (ePUB)
14,99 €
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Mein Isl@m

Amir Ahmad Nasr ist ein junger Moslem mit etwas Explosivem in seinen Händen: einem Computer mit Internetanschluss. Als junger Blogger gehört der Autor im Zuge des arabischen Frühlings zu den mutigen und provokativen Stimmen, die die Revolution befeuern und damit die verhärteten Strukturen von ignoranz und Indoktrination aufsprengen wollen, die noch immer die muslimische Welt gefangen hält. Geistreich und sachkundig erzählt der Autor über seine eigene Auseinandersetzung mit dem islam und eröffnet gleichzeitig einen Blick auf eine ganze Generation junger muslime, die sich mithilfe moderner Technologie an rigiden fundamentalistischen Strukturen vorbei ihren ganz eigenen Weg suchen. Amir Ahmad Nasr ist der Mann hinter dem ehemals anonym geführten Blog The Sudanese Thinker. Er gehört zu den derzeit dynamischsten und aufregendsten Stimmen unter jungen Muslimen, und seit dem Erscheinen seiner Biografie haben zahlreiche amerikanische Zeitungen, wie die New York Times, der Economist und das Wall Street Journal, über ihn berichtet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 04.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958830745
    Verlag: Aurum Verlag
    Originaltitel: My Isl@m
    Größe: 1969 kBytes
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Mein Isl@m

TEIL 1

DIE ARRANGIERTE EHE

1. Das Schachbrett

"Veröffentlichen."

Auf diesen Button hatte ich schon mehr als tausend Mal geklickt, aber dieses Mal zögerte ich. Es war nicht nur ein weiterer Blogeintrag. Ich hielt einige Sekunden inne, aber ich wusste, dass ich es tun musste.

"Wollen Sie noch etwas?", fragte die gutaussehende norwegische Kellnerin in perfektem amerikanischem Englisch. "Danke, nein", antwortete ich, ohne vom Bildschirm meines MacBook Pro aufzusehen. Auf der Administratorenseite meines WordPress-Blogs stand ich vor einer aufregenden, aber etwas furchterregenden Klippe, über die ich gleich springen würde.

Ich war nach Norwegen gereist, wo ich neben Nobelpreisträgern und ehemaligen Präsidenten beim Oslo Freedom Forum 2012 zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel "Der Aufgang einer neuen arabischen Welt" eingeladen war. Fast vier Monate waren seit dem ägyptischen Aufstand mit seinem Markenzeichen "#Jan25" vergangen, eine Woche zuvor war Osama bin Laden erschossen worden. Die Welt, in der ich lebte, hatte sich dramatisch verändert, und da saß ich und wollte nun auch meine Welt für immer verändern.

"Veröffentlichen."

Ich atmete tief durch und klickte auf den Button. Damit hatte ich das Update meiner Blogseite bestätigt und lüftete den Schleier der Anonymität, unter dem ich so lange Schutz gefunden hatte. Da stand es, schwarz auf weiß, und jeder konnte es lesen: "Mein Name ist Ahmad. Amir Ahmad, den ihr seit fünf Jahren als Drima kennt. Ich bin der Blogger hinter 'The Sudanese Thinker' ..."

Ich war augenblicklich erleichtert. Die Anonymität, die mir einmal so viel Freiheit gegeben hatte - die Freiheit, die religiösen Dogmen meiner Kindheit zu hinterfragen, mich dem Atheismus zuzuwenden, mich mit Juden in Israel und einer amerikanischen Soldatin in Bagdad zu unterhalten und sogar Online-Foren von Dschihadisten zu infiltrieren -, war in den letzten Jahren zu einer Zwangsjacke geworden. Ich spürte eine neue Freiheit, trotz der Bedenken, die mich manchmal überkamen und die ich zu ignorieren versuchte: "Welche E-Mails werde ich von den Bloglesern bekommen, die mich hassen? Werde ich wieder Morddrohungen erhalten? Wird mir die sudanesische Regierung Schwierigkeiten machen?" Ich stellte mir diese Fragen mit einem Lächeln, während ich durch Oslos windige Straßen zum 130 Jahre alten Grand Hotel zurückschlenderte. Die Bedenken konnten mir wenig anhaben. Die Angst, mit der ich wie Millionen anderer arabischer Jugendlicher aufgewachsen war, hatte ihre Wirkung verloren. Und angesichts der Aufstände, die die arabische Welt bewegten, wusste ich, dass sich etwas grundlegend verändert hatte. Wir hatten endlich unsere Stimme gefunden - und die Mittel, durch die wir sie leidenschaftlich, machtvoll und mit tiefer Überzeugung zum Ausdruck bringen konnten.

Diese Welle des Wandels hatte mich nach Norwegen gebracht. Die Podiumsdiskussion, an der ich als Redner teilnahm, sollte von Wael Ghonim eröffnet werden, dem Geschäftsführer von Google in Ägypten. Er hatte mit einem emotionalen Fernsehinterview dazu beigetragen, die Jugend seiner Nation zur Revolution zu bewegen. Auf der Bühne sollten neben mir noch drei weitere Aktivisten und Blogger sprechen: Ghaze Gheblawi aus Libyen, Lina Ben Mhenni aus Tunesien und Maryam al-Khawaja, ein Mädchen aus Bahrain, dem ich am Vorabend in der Hotellobby begegnet war.

"Salam, Maryam, richtig?" Ich grüßte sie, als ich ihr Gesicht wiedererkannte, das ich in einem CNN-Interview gesehen hatte. Ich wusste nicht, ob sie meine ausgestreckte Hand nehmen würde, aber sie tat es. Im Wissen um ihre schreckliche Geschichte wollte ich ihr Trost spenden. "Es tut mir sehr leid, was deine Familie in Bahrain erleiden muss. Ich hoffe, dein Vater wird bald aus dem Gefängnis entlassen."

Aber sie brauchte keinen Zuspruch. Maryam war von ihrer Sache überzeugt und sehr humorvoll. "Er w

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